Mit sieben Jahren fiel er durch eine Hirnhautentzündung ins Koma und verlor sein Gedächtnis. Nicht einmal seine Eltern erkannte er wieder. Das traumatische Erlebnis prägte ihn fürs Leben. "Ich habe immer noch Alpträume, wenn ich schlafen gehe", berichtete er, "dass ich aufwachen könnte, und dann nicht mehr weiß, wer ich bin."
Später habe ihm diese Erfahrung geholfen, als seine Frau Nora Forster an Demenz erkrankte. "Ich schaue zu, wie der wunderbarste Mensch auf der Welt langsam abbaut, und es ist unglaublich schmerzhaft für mich", erzählte Lydon 2021 im dpa-Interview. Bis zu ihrem Tod im April 2023 pflegte er Nora, die er liebevoll Babby nannte.
Seit 1979 war er mit der 15 Jahre älteren Deutschen verheiratet. Gemeinsame Kinder hatten sie nicht. Die Vaterrolle übernahm er dennoch für einige Jahre. 2000 bekam das Paar das Sorgerecht für Noras Enkel. Die Zwillingssöhne der 2010 gestorbenen Punk-Sängerin Ari Up waren damals im Teenager-Alter und rebellierten. "Denen hat meine autoritäre Position zu Hause nicht gefallen", so Lydon. "Aber sie sind zu liebevollen Menschen herangewachsen."
Im Sommer mit PiL in Deutschland
Musikalisch ging es für Lydon nach den Sex Pistols direkt weiter. Er gründete Public Image Ltd, kurz PiL. Zu den größten Hits der Postpunk-Band zählen "This Is Not A Love Song" (1983) und "Rise" (1986). Nach längerer Pause, in der er wieder mit den Sex Pistols auftrat, ist er mit PiL bis heute aktiv. Das bislang letzte Album "End Of World" erschien 2023.
Dass er zuerst mit den Sex Pistols assoziiert wird, ist Lydon recht. "Dafür werde ich ewig dankbar sein", sagte er im dpa-Interview. "Ich bin stolz drauf." Die Pistols aber treten inzwischen ohne ihn mit Frontmann Frank Carter auf. Lydon bezeichnete das als "Karaoke".
Sein Terminkalender ist voll. In diesem Jahr ist er mit PiL auf Welttournee - das Motto: "This Is Not The Last Tour". In Hamburg (9. Mai), Berlin (11. Mai) und Köln (8. Juni) sind Auftritte geplant. Den Rest des Jahres wird Lydon in Großbritannien auf seiner Solo-Tournee aus seinem Leben erzählen.
Als er im ITV-Gespräch gefragt wurde, was der 21-jährige Johnny Rotten vom 70-jährigen John Lydon denken würde, grinste er und antwortete: "Er würde denken, ich sei der schönste alte Sack der Welt."