Etliche bayerische Städte haben aber weitergehende Verbote in bestimmten Bereichen. Einerseits sollen damit feiernde Menschenansammlungen geschützt werden, andererseits will man das Feuerrisiko gerade in historischen Ortskernen verringert.
Welche Initiativen gibt es darüber hinaus?
In Dinkelscherben möchte der Jugendtreff in der Silvesternacht die wilde Böllerei einschränken. Dafür wird eine gemeinsame Feier organisiert, als Höhepunkt mit einem professionellen Feuerwerk. Maja Rittel vom Jugendtreff stört sich daran, dass oft schon Tage vor Silvester geböllert werde. Sie frage sich: Wenn dies Menschen schon belastet, wie müssen es Hunde oder Tiere in Mastbetrieben erleben? "Es gibt bei einem zentralen Feuerwerk nur Vorteile." Laut Rittel sind die Reaktionen in der Marktgemeinde bislang durchweg positiv.
Sie sieht es als einen längerfristigen Prozess an, dass solch ein Angebot zum Rückgang von privatem Feuerwerk führt. Wenn die Bürgerinnen und Bürger ein schönes, organisiertes Feuerwerk erleben, würden sie dafür vielleicht auf den Kauf von eigenen Raketen verzichten und etwas für das Showfeuerwerk spenden: "Für zehn Euro bekomme ich da deutlich mehr als im Supermarkt." Außerdem sieht Rittel zentrale Veranstaltungen als ein Mittel gegen die Vereinsamung in der Gesellschaft.
Bürgermeister Edgar Kalb geht ebenfalls davon aus, dass mögliche Veränderungen etwas Zeit benötigen. Es sei in Dinkelscherben wegen des Jugendtreff-Projekts auch ein gleichzeitiges Verbot von privaten Silvesterfeuerwerken diskutiert worden, sagt Kalb. "Dies wurde als nicht zielführend erachtet."
Ein Vorreiter eines kompletten Feuerwerksverbots ist das Kleinwalsertal bei Oberstdorf. In das beliebte österreichische Bergtal kommen viele deutsche Touristen, weil es nur von Bayern aus über die Straße zu erreichen ist. Bereits seit Jahren gibt es dort ein Verbot. Die örtliche Tourismusgenossenschaft appelliert an die Feriengäste, zum Wohle von Mensch, Tier und Natur auf Knallkörper zu verzichten. Im Hauptort Riezlern gibt es als Ersatz für die Böllerei eine große Open-Air-Silvesterparty.
Die überwiegende Zahl der Einheimischen im Kleinwalsertal sehe das ganzjährige Feuerwerksverbot positiv, wegen der Natur als sinnvoll oder zumindest nachvollziehbar an, sagt Katharina Drechsel von der Gemeindeverwaltung Mittelberg. "Natürlich gibt es hier auch kritische Stimmen beziehungsweise Personen, die sich nicht an das Verbot halten. Dies ist aber nicht die Mehrheit."
"Bei den Gästen verhält es sich ähnlich", sagt die Gemeindesprecherin. Es habe keine Rückgänge bei den Buchungen in dieser Zeit der Hochsaison gegeben. "Es gibt viele Gäste, die extra wegen des Feuerwerksverbots kommen, beispielsweise mit Hunden." Diese Urlauber seien dann sogar verärgert, wenn sich einzelne Personen im Tal nicht an das Verbot halten.
Die Augsburger Grünen, die derzeit zusammen mit der CSU die Stadtregierung stellen, wollen ab dem Jahreswechsel 2026/27 in Bayern drittgrößter Stadt ebenfalls ein "modernes Silvesterkonzept" umsetzen. Die feuerwerksfreien Zonen sollen ausgeweitet werden, dafür soll es Alternativangebote wie Lasershows, Lichtprojektionen oder zentrale Feuerwerke geben.
Wie gehen Behörden in anderen Regionen mit dem Thema um?
Auch auf den Nordseeinseln Amrum und Föhr sollte es heuer ein komplettes Feuerwerksverbot geben. Doch das Oberverwaltungsgericht in Schleswig hob das Verbot in einem Eilverfahren zunächst wieder auf. Erst nach einem endgültigen Urteil wird feststehen, ob Böllern auf den Inseln tabu ist. Die örtlichen Tourismusverbände zeigten sich wenig begeistert von der Entscheidung des Gerichts. Sie berichten von verärgerten Urlaubern, die eigentlich einen ruhigen Jahreswechsel an der Nordsee verbringen wollten und sich jetzt beschweren.
In den Niederlanden dürfen ab dem Jahreswechsel 2026/2027 Privatleute keine Feuerwerkskörper mehr abbrennen. Anlass für das landesweite Verbot war in erster Linie die zunehmende Gewalt zu Silvester. Auch in den Niederlanden waren wie in Deutschland immer wieder Polizisten, Feuerwehrleute und Hilfskräfte mit Böllern angegriffen worden. Zentrale Feuerwerkshows beispielsweise von Kommunen bleiben aber in unserem Nachbarland erlaubt.