Silvesternacht-Bilanz Überwiegend friedlich ins neue Jahr

In den Haßbergen mussten Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst in der Silvesternacht immer wieder zu kleineren durch Feuerwerk ausgelösten Bränden ausrücken. In Zeil wurde ein sechsjähriges Kind von einer Rakete am Kopf getroffen.

Gegen 1.50 Uhr wurden die Einsatzkräfte zu einem Dachstuhlbrand nach Westheim gerufen. Das Feuer war schnell unter Kontrolle, verletzt wurde niemand. Foto: Lukas Krapf/BRK

Die einen fürchten sie, die anderen freuen sich vermutlich schon das ganze Jahr auf sie: Die erste Nacht des Jahres verspricht ausgelassene Freuden für alle Feierwütigen, für die Einsatzkräfte bedeutet sie meist Arbeit ohne Ende. Nicht umsonst hatte die Integrierte Leitstelle (ILS) in Schweinfurt an Silvester gleich fünf Mitarbeiter an den Telefonen, zusätzliche Kräfte waren in Bereitschaft verfügbar, wie Schichtführer Frank Weitz vermeldet: Diese seien aber letztlich gar nicht nicht benötigt worden: „Die Silvesternacht verlief im ILS-Bereich Schweinfurt weitestgehend normal.“

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Das deckt sich mit den Berichten der unterfränkischen Polizei, die am Sonntag ebenfalls von einer üblichen Silvesternacht – „überwiegend friedlich und mit ausgelassenen Feiern“ – die Nachtschicht beendet. 345 Einsätze hat die Polizei Unterfranken in der Silvesternacht insgesamt bewältigt, fasst Polizeisprecher Enrico Ball für den Pressebericht zusammen: Überwiegend beschäftigten die Beamten Brände, Ruhestörungen und Streitigkeiten. In der ILS in Schweinfurt wurden derweil zwischen 18 und 5.30 Uhr insgesamt 236 Anrufe bearbeitet.

Auch wenn es insgesamt zu keinen größeren Zwischenfällen gekommen ist, hatten die Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst alle Hände voll zu tun. Nach Angaben von BRK-Pressesprecher Michael Will mussten die diensthabenden Besatzungen an den vier BRK-Rettungswachen in Haßfurt, Ebern, Hofheim und Eltmann in der Zeit von 19 bis 7 Uhr zu insgesamt 27 Einsätzen ausrücken. Zehn davon standen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Silvestergeschehen, unter anderem auch übermäßigem Genuss von Alkohol geschuldet.

„Neujahrszigarre“ verhindert Schlimmeres

Das Team der Rettungswache Haßfurt hatte davon insgesamt elf Einsätze abzuarbeiten. Dreimal wurde der Rettungswagen allein zur Absicherung von Brandereignissen in Westheim und Haßfurt gerufen. So geriet gegen 1.50 Uhr in Westheim ein Dachstuhl in Brand. Dabei bewahrte eine vergessene „Neujahrszigarre“ einen 29-Jährigen vor dem Verlust seines Einfamilienhauses, wie die Polizei berichtet: Auf einer Silvesterfeier hatte der Westheimer bemerkt, dass die zum Ritual gewordene „Neujahrszigarre“ fehlte. Der Mann ging daraufhin gegen 1.45 Uhr noch einmal nach Hause. In einer neu errichteten Dachgaube seines im Umbau befindlichen Hauses sah er einen Feuerschein und alarmierte sofort die Feuerwehr. Die nur 200 Meter entfernte Freiwillige Feuerwehr von Westheim hatte die Flammen schnell gelöscht und somit einen größeren Sachschaden verhindert.

„Bei dem noch offenen Dachstuhl mit dem vielen trockenen Holz wäre es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis aus dem kleinen Brand ein kompletter Dachstuhlbrand geworden wäre, der unter Umständen das gesamte Haus zerstört hätte“, sagt Polizeisprecher Enrico Ball. Die Brandursache sei derzeit zwar noch unklar, es liege jedoch nahe, dass eine verirrte Silvesterrakete den Brand ausgelöst haben könnte.

Nur kurz darauf gab es für BRK und Feuerwehr Haßfurt in einem Siedlungsgebiet in Haßfurt den nächsten Einsatz: Hier sollte laut Notruf ein Baucontainer brennen und eine Person in Gefahr sein, wie BRK-Sprecher Michael Will berichtet. Vor Ort habe sich herausgestellt, dass ein Dixi-Klo brannte. Das Feuer war auch hier schnell gelöscht, verletzt wurde niemand.

Kind mit leichten Verbrennungen

Schlimmer erwischt hatte es ein sechs Jahre altes Kind in Zeil am Main, das eine abgefeuerte Rakete am Kopf traf und dadurch eine leichte Verbrennung erlitt. Bislang unbekannte Täter hatten zur Tatzeit – laut Haßfurter Polizei gegen 0.45 Uhr – im Bereich der Abt-Degen-Straße „pyrotechnische Gegenstände nicht ordnungsgemäß abgefeuert“, wie es im Polizeibericht heißt. Eine der Raketen flog dann in Richtung einer Personengruppe, in welcher sich auch der sechs Jahre alte Junge befand. Die Rakete traf das Kind am Kopf, woraufhin der Junge leichte Verbrennungen und Abschürfungen an der Stirn erlitt. Eine weitere Rakete schlug nur wenige Sekunden später in eine Fensterscheibe des ersten Obergeschosses eines Wohnanwesens ein, woraufhin die Verglasung der Fensterfront beschädigt wurde.

Der Junge konnte laut Polizei nach der ärztlichen Behandlung durch den eingetroffenen Notarzt an seine vor Ort befindlichen Eltern übergeben werden. Zeugen, welche die Tat oder den Täter beobachten konnten oder sonst sachdienliche Hinweise geben können, werden gebeten, sich telefonisch mit der Polizeiinspektion Haßfurt, Telefon 09521/927-0, in Verbindung zu setzen.

Böller brennt in der Hand

Ebenso von einer „wilden Nacht“ berichtet die Besatzung des Rettungswagens an der Rettungswache Ebern. Diese mussten innerhalb von zwölf Stunden Dienstzeit acht Einsätze abwickeln, wovon einer dem Silvestergeschehen zuzuordnen war, wie BRK-Sprecher Michael Will zusammenfasst. Ein 23-Jähriger hatte in Breitbrunn einen Böller angezündet und ihn anschließend nicht losgelassen. „Bei der folgenden Explosion erlitt der junge Mann Verbrennungen der kompletten Innenhand und musste zur Versorgung seiner Verletzungen in eine Klinik eingeliefert werden“, so Michael Will.

Weiterhin sei der Rettungswagen zu zwei internistischen Notfalleinsätzen gerufen worden, führte zwei Krankentransporte durch und wurde obendrein zu einem Verkehrsunfall auf die A 73 bei Kemmern alarmiert: Eine 57-Jährige zog sich bei einer Kollision ein Schleudertrauma zu und wurde in eine Klinik eingeliefert.

Notfall im Speiselokal

Drei Einsätze schließlich gab es für das Team der Rettungswache Hofheim, „wovon allerdings keiner direkt mit Silvesterereignissen zusammenhing“, so Michael Will. Bereits kurz nach Beginn der Nachtschicht sei die Besatzung gegen 20 Uhr zu einem Notfall in ein Speiselokal nach Zeil gerufen worden. Dort war ein 65 Jahre alter Mann zusammengebrochen und erlitt einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Gemeinsam mit dem Notarzt wurde der Mann notfallmedizinisch versorgt und anschließend in kritischem Zustand ins Klinikum Bamberg transportiert. „Lobenswert muss erwähnt werden, dass engagierte Ersthelfer bereits vor Eintreffen des Rettungsdienstes mit der Reanimation begonnen und Erste Hilfe geleistet hatten“, sagt Michael Will.

Vier Einsätze gab es für die Rettungswagen-Besatzung der Rettungswache Eltmann. „Zwei davon standen in Zusammenhang mit übermäßigem Alkoholkonsum und einer war im Zuge des Abbrennens von Feuerwerk notwendig“, fasst BRK-Pressesprecher Michael Will zusammen: „Alle drei Patienten befanden sich allerdings in keinem kritischen Zustand.“

Laternen, Mülleimer und Kleidercontainer

In ganz Unterfranken mussten Feuerwehr und Polizei immer wieder zu kleineren, häufig durch Feuerwerk ausgelösten Bränden ausrücken. Neben Bäumen oder Straßenlaternen wurden meist Mülltonnen beschädigt. Oberfrankenweit entstand bei den laut Polizeibericht insgesamt 20 aufgenommenen Sachbeschädigungen ein Schaden von über 100 000 Euro.

In Baunach im Nachbarlandkreis Bamberg beispielsweise warfen Jugendliche am Silvesterabend gegen 21 Uhr einen Feuerwerkskörper in einen Altkleidercontainer in der Bahnhofstraße. Dadurch fing die darin befindliche Kleidung Feuer und der Container brannte aus. Den Sachschaden schätzen die Beamten der Inspektion Bamberg-Land in ihrem Pressebericht auf rund 500 Euro. Die fünf Jugendlichen flüchteten unerkannt.

Auch in Coburg geht’s heiß her

In Coburg beobachtete eine Passantin, wie ein Mann auf dem Schlossplatz einen Feuerwehrkörper entzündete und diesen in das öffentliche Bücherregal warf. Durch die Explosion zerbrach ein Regalboden und die Tür wurde angesengt. Da die Zeugin den Täter verfolgte und den Notruf absetzte, konnte dieser wenig später durch Beamte der Polizei Coburg vorläufig festgenommen werden. Der Schaden wird auf etwa 1000 Euro geschätzt.

In der Silvesternacht hielt eine 68-jährige Frau die Polizei Neustadt bei Coburg in Atem. Kurz nach Mitternacht gingen bei der Einsatzzentrale zahlreiche Anrufe über mehrere Verkehrsunfälle im Stadtgebiet von Neustadt bei Coburg ein. Obwohl die stark alkoholisierte Frau mit ihrem Mitsubishi gegen einen Außenspiegel und eine Straßenlaterne fuhr, setzte sie ihre Irrfahrt fort. Auch Passanten, die versuchten hatten die Frau zu stoppen, ignorierte die 68-Jährige. Erst als die Fahrzeugführerin eine 16-Jährige erfasste, die gerade ein Feuerwerk zündete, stoppte sie ihre Fahrt. Glücklicherweise war die 68-Jährige zu diesem Zeitpunkt mit geringer Geschwindigkeit unterwegs. Die Jugendliche musste mit leichten Verletzungen in einem Krankenhaus medizinisch versorgt werden.