Solarpark Lichtenstein Gremium-Abstimmung erzürnt Bürgermeister

Martin Schweiger

Der Solarpark Lichtenstein ist, jedenfalls zum aktuellen Zeitpunkt, gescheitert. Der Gemeinderat Pfarrweisach will erst noch eine Stellungnahme der G.U.T. hören. Bürgermeister Markus Oppelt kann seinen Unmut über das Abstimmungsergebnis nicht verbergen.

Oberforstrat Andreas Leyrer (AELF Schweinfurt), Südwerk-Chef Manuel Zeller-Bosse und Bürgermeister Markus Oppelt (von links) informierten den Gemeinderat zum geplanten Solarpark Lichtenstein. Foto: Martin Schweiger

Bürgermeister Markus Oppelt (CSU) machte am Dienstag, 7. Februar, während der Gemeinderatssitzung seinem Ärger Luft: „Hier wurden gerade 1,1 Millionen Euro zum Fenster rausgeworfen“, ärgerte er sich. Zuvor hatte der komplette Gemeinderat – außer dem Bürgermeister selbst – gegen den Startschuss für die knapp fünf Hektar große Freiflächen-Photovoltaikanlage bei Lichtenstein gestimmt.

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Die Firma Südwerk, Burgkunstadt, hatte den Antrag auf Errichtung der Anlage erstellt. Einige Gemeinderätinnen und -räte befürchteten, dass eine regionale Wertschöpfung nicht garantiert sei und forderten eine Anhörung des G.U.T. (Gesellschaft zur Umsetzung Erneuerbarer Energietechnologien im Landkreis Haßberge)-Geschäftsführers Marco Siller.

Dass die Region und insbesondere die Gemeinde durchaus profitieren, erläuterte Südwerk-Chef Manuel Zeller-Bosse in seinem Vortrag. Die Anlage soll im Gebiet „Kaltstauden“ auf den Flurnummern 627 und 649 auf einer Fläche von knapp fünf Hektar errichtet werden. Dort befindet sich momentan noch ein Fichtenwald, der durch Dürre und Borkenkäfer stark geschädigt ist. Sowohl das AELF (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten) als auch die Untere Naturschutzbehörde haben daher keine Einwände gegen den Bau des Solarparks. Der soll rund 8,9 Millionen Kilowattstunden Sonnenstrom jährlich produzieren – ausreichend für die Energieversorgung von 200 Personen.

Die Einspeisung ins Stromnetz sei – im Gegensatz zu manch anderen Solarparkprojekten - bereits gesichert, da in diesem Bereich bereits Erdkabel der Firma Enerparc verlegt sind. Der Strom fließt in eine Umspannwerk in Ebern, das ebenfalls von der Firma Enerparc gebaut wurde.

Pfarrweisach hat durch die Anlage wirtschaftliche Vorteile: Die Betreiberfirma wird in Pfarrweisach angesiedelt. Die Gemeinde erhält somit die komplette Gewerbesteuer, das sind rund 191.000 Euro in 20 Jahren. Durch die Beteiligung der Standortkommunen nach dem Erneuerbaren-Energie-Gesetz fließen zusätzlich circa 358.000 Euro in 20 Jahren in die Gemeindekasse. Der 20-Jahres-Ertrag für die bereits bestehende Anlage „Heckenbrunn“ in Höhe von rund 781.000 Euro kommt erst zum Tragen, wenn auch die neue Anlage in Lichtenstein gebaut wird. Erst dann würde die Gemeinde durch die bestehende und die geplante Anlage mehr als 1,1 Millionen Euro in 20 Jahren einnehmen. Der Gemeinderat hat in einem Aufstellungsbeschluss einen Solarpark bei Lichtenstein bereits begrüßt. Daraufhin hat die Firma Südwerk ein Kabel für mehr als 500.000 Euro verlegt, im Vertrauen darauf, dass dort auch ein Solarpark errichtet wird. „Das Geld ist jetzt zum Fenster rausgeworfen“, sagt Zeller-Bosse im Gespräch mit dem Autor. Daher könne es sich die Firma Südwerk nicht mehr leisten, die 781.000 Euro für die Anlage „Heckenbrunn“ der Gemeinde zu zahlen. Denn die freiwillige Leistung von 0,2 Cent pro Kilowattstunde an die Gemeinde muss Südwerk teilweise aus eigener Tasche zahlen. Denn teilweise wird der Strom aus Heckenbrunn direkt an Firmen und Stromlieferanten verkauft (PPA-Modell). Für dieses Modell bekommt der Betreiber kein Geld vom Staat.

Der Südwerk-Chef gibt sich trotzdem zuversichtlich, denn die Kabel liegen in der Erde und das Umspannwerk sei gebaut. „Vielleicht will die Gemeinde Pfarrweisach an anderer Stelle einen Bürgersolarpark umsetzen, um von dem fairen Angebot von Südwerk zu profitieren“, sagt Zeller-Bosse. Durch Bürgerbeteiligungsmodelle mit jährlichen Zinszahlungen könnten Bürgerinnen und Bürger profitieren und eine regionale Wertschöpfung werde so gesichert, fügt er hinzu.

Alexander Freiherr von Rotenhan ist Eigentümer des Waldstücks, auf dem der Solarpark entstehen soll. Nach seiner Aussage handelt es sich um einen Südhang, bei dem eine Wiederaufforstung schwierig sei. Er besitze Flächen im Nordhangbereich, wo er auf einer Fläche von rund 1,5 Hektar standortgerechte Bäume als Ausgleichsfläche anpflanzen könne.

Weitere Tagesordnungspunkte

Die Gemeinde schüttet im Rahmen der Jugendförderung insgesamt 937,50 Euro aus. Das Geld erhalten die Jugendfeuerwehr Pfarrweisach, die Blasmusik Kraisdorf sowie der TSV Pfarrweisach. Die anderen Vereine stellten keinen Antrag. Die Feuerwehr Kraisdorf bildet sechs neue Atemschutzträger aus. Die Gemeinde zahlt die nötige Schutzausrüstung im Wert von rund 4800 Euro. Für die Kläranlage Kraisdorf werden zwei Strahlbelüfter im Wert von knapp 19.700 Euro angeschafft.