Frauen kämpfen für Freiräume
In Afghanistan selbst hoffen manche Einwohner, dass der Tourismus gegen die schwierige Wirtschaftslage helfe. Ein Händler in Kabul, der sein Geschäft bei den prächtigen Gärten des Mogulherrschers Babur aus dem 16. Jahrhundert betreibt, mache kaum noch Geschäfte, seitdem afghanischen Frauen der Zugang zu dem beliebten Freizeitort durch die Taliban verboten wurde.
Gleichzeitig arbeiten in dem Land einige wenige als Touristenführerinnen – obwohl Frauen sonst aus zahlreichen Berufen gedrängt wurden. Zoe Stephens aus dem englischen Liverpool etwa führt Touristinnen durch Afghanistan und arbeite dafür auch mit lokalen Touristenführerinnen zusammen. Auch die ehemalige Studentin Nilofar Rahimi aus Kabul möchte sich als Touristenführerin selbstständig machen und Reisen für Frauen anbieten.
Da Afghaninnen nicht ohne männliche Verwandten in andere Provinzen reisen dürfen, sei ihre Arbeit nicht ganz ohne Risiko, sagt sie. Davon wolle sich die junge Frau, die ihr Studium aufgrund der Taliban-Herrschaft nicht fortsetzen konnte, jedoch nicht abschrecken lassen. "Ich kann nicht zu Hause sitzen und nichts tun." Den ausländischen Besucherinnen wolle sie nicht nur die facettenreiche Kultur ihres Landes näherbringen. "Ich will zeigen, dass auch wir Afghaninnen mehr mit unserem Leben machen wollen."
Wenig Verständnis habe sie hingegen für Reise-Influencer, die das Land in den sozialen Medien in einem lediglich positiven Licht darstellten. "Für mich ist das enttäuschend", so die ehemalige Studentin. "Sie sind doch hierhergekommen und haben gesehen, wie die Situation für uns Frauen hier ist."