SpVgg Bayreuth Der Gegenentwurf zu Rost

Christian Dreßel

Er hat den unbekanntesten Namen aller Anwärter auf den Trainerposten bei der SpVgg Bayreuth: Thomas Kleine. Trainerlegende Friedhelm Funkel erklärt exklusiv, wie sein ehemaliger Schützling tickt.

Gino Lettieri, Oliver Reck, Marek Mintal: Die Liste der möglichen Kandidaten für die Nachfolge des nach Aue abgewanderten Bayreuther Aufstiegstrainers Timo Rost ist lang und klanghaft. Auf ihr steht aber auch ein Name, der nur absoluten Kennern der Fußballszene ein Begriff ist: Thomas Kleine.

Der Ex-Bundesliga-Profi der SpVgg Greuther Fürth, Bayer Leverkusen, Hannover 96 und Borussia Mönchengladbach (63 Spiele in der Bundesliga, 222 in der 2. Bundesliga) begann noch während seiner aktiven Laufbahn mit der Trainerausbildung. Danach wirkte er von 2014 bis 2016 zunächst als Co-Trainer der Fürther Reserve, später als deren Cheftrainer und gleichzeitig auch als Assistent von Stefan Ruthenbeck bei der Profimannschaft. Danach zog es ihn für fünf Jahre ins Rheinland – bei Fortuna Düsseldorf arbeitete er lange erfolgreich mit Uwe Rösler und Trainerlegende Friedhelm Funkel zusammen. Gemeinsam mit Funkel gelang 2018 der Aufstieg in die Bundesliga.

Ruhige Ader

Sein Mentor würde sich nun „total freuen“, wenn sein ehemaliger Schützling tatsächlich neuer Trainer der SpVgg wird. Denn Kleine sei zielorientiert, taktisch hervorragend ausgebildet und gehe sehr gut mit anderen Menschen um. Bei Letzterem ist vor allem seine ruhige Ader von Vorteil. Denn Kleines Wegbegleiter aus Fürther und Düsseldorfer Zeiten beschreiben ihn vor allem als „bedacht“ und „zurückhaltend“. Zudem ist er in der Coaching Zone eher stiller Beobachter, als einer der ständig von Linie zu Linie spurtet. Damit ist der mögliche neue Bayreuther Trainer auch der komplette Gegenentwurf zu seinem Vorgänger. Timo Rost ist schließlich gerne Lautsprecher und bewiesenermaßen emsig an der Seitenlinie unterwegs. „Thomas kann aber auch aus der Haut fahren“, weiß Funkel und fügt an: „Das ist auch eine wichtige Eigenschaft, wenn du als Cheftrainer vorne dran stehst.“ Eben das blieb dem 44-Jährigen in seiner bisherigen Vita verwehrt. In der Sommerpause vor der zurückliegenden Spielzeit soll er sich wohl verstärkte Hoffnungen auf die Beförderung bei der Fortuna gemacht haben, ehe ihm Christian Preußer vorgezogen wurde. Im Anschluss daran hat sich Kleine jedoch in der Öffentlichkeit nie über fehlende Wertschätzung beklagt. Trotzdem wurde er Anfang Januar überraschend in Düsseldorf entlassen. Der Verein wollte nach enttäuschenden Ergebnissen einen neuen Impuls setzen.

Alles für den Teamerfolg

Ein solchen könnte nun auch die SpVgg auslösen, wenn man den Worten von Trainerurgestein Funkel folgt. „Seine Verpflichtung wäre eine goldrichtige Entscheidung, da könnte man Bayreuth nur gratulieren“, sagt der 68-Jährige. Nach Jahren in der zweiten Reihe traut er ihm den Sprung ins Rampenlicht mehr als zu: „Er ist reif für ein Amt als Cheftrainer“. Funkels Vertrauen in Kleine ist derart groß, dass er ihm die komplette Trainingsgestaltung bei der Fortuna überließ. Das habe hervorragend funktioniert, weil Kleine fachlich auf Topniveau sei und zudem die nötige Ausstrahlung besäße.

Eine weitere Tugend, die Kleine mit Sicherheit auch seinen Spielern in Bayreuth einimpfen würde, ist die eiserne Disziplin. Während seiner aktiven Karriere galt er als beinharter Innenverteidiger, der sich selbstlos für die Mannschaft aufrieb. Zum Teil wurde dann auch bei Kopfverletzungen nur schnell ein Turban gewickelt und es ging für ihn zurück aufs Feld. Seine erfolgreichsten Jahre als Spieler hat er mit Sicherheit im Ronhof verbracht. Ein Trainerposten in Bayreuth und damit die Rückkehr in die Nähe seiner alten sportlichen Heimat in Fürth, ist mit Sicherheit auch für ihn reizvoll.

Funkel schaut (auf) SpVgg

Einen interessierten Beobachter seines Wirkens hätte er dann mit Funkel definitiv. Nach dem Relegationsspiel um den Aufstieg in die Bundesliga zwischen seinem FC Bayer Uerdingen und der SpVgg im Jahr 1979 habe er zwar die Bayreuther etwas aus den Augen verloren. Aber – falls Kleine neuer Trainer werden sollte – will er sich einige Drittligaspiele im Westen der Republik live anschauen. Denn nicht nur Kleine wäre ein Gewinn für Bayreuth, sondern auch Bayreuth für Kleine. „Das ist ein sehr ambitionierter Aufsteiger, der gerade erst in Fahrt kommt“, ist sich der Trainer mit den meisten Bundesliga-Aufstiegen sicher. Wer tatsächlich auf Timo Rost folgen wird, gibt die SpVgg am Dienstag um 14 Uhr auf einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz bekannt.

 

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