Vom Channel ins Klassenzimmer Star-Influencer besucht Coburger Schüler

Alpay Santi gleich mehrmals: Der Top-Influencer lacht nicht nur vom White Board, sondern beantwortet auch ganz real die zahlreichen Fragen der Siebtklässler an der Heiligkreuz-Mittelschule. Foto: Maja Engelhardt/Maja Engelhardt

Siebtklässler der Heiligkreuz-Mittelschule „spielen“ Interview mit einem Influencer. Plötzlich steht einer real im Klassenzimmer. Ein berühmter noch dazu.

 
Schließen

Diesen Artikel teilen

Spannung liegt in der Luft, es knistert förmlich. Und dabei könnte es doch ein Unterricht wie jeder andere sein. Die Schüler der 7a und 7b der Coburger Heiligkreuz-Mittelschule haben sich in einem Klassenzimmer zusammengesetzt, um gemeinsam etwas zu arbeiten. Dies tun sie öfter mal, so auch in einer Projektwoche unter der Leitung der beiden Lehrkräfte Caroline Baumann und Caroline Platsch. Und nun geht es, noch einmal, um Influencer. Welche die Heranwachsenden kennen, wie oft sie diesen folgen und sich von ihnen beeinflussen lassen. Der Name „Alpay Santi“ fällt, ein Coburger, der mittlerweile in Berlin lebt und der es ganz nach oben in der Werbe-Social-Media-Welt geschafft hat. Über den Beamer spielt Caroline Baumann ein paar witzige Videos von ihm ein, dann öffnet sich die Tür, und Alpay, im knallpinken T-Shirt, steht real ohne Leinwand im Klassenzimmer. Lächelt und freut sich sichtlich über die begeisterten Gesichter der Teenager. „Des isser ja echt“, platzt ein Junge heraus, was Caroline Baumann zum Lachen anregt. „Wir hatten das als Überraschung für unsere Schüler geplant“, verrät sie schmunzelnd.

Vorher hatten sich die Siebtklässler an verschiedenen Projekttagen mit unterschiedlichen Themen beschäftigt. So ging es um die Bereiche „selbstbestimmtes Verbraucherverhalten“ und „digitales Handeln“ sowie um Gesundheit und Ernährung, bei dem ein Besuch des Fitnessstudios „Sportshouse“ mit Vortrag auf dem Programm stand. „Geräte durften wir auch ausprobieren“, meint ein Junge, „das hat Spaß gemacht, war aber ganz schön anstrengend.“ Weniger anstrengend gestaltete sich dann die individuelle Herstellung von Deos und Cremes, die nun „vermarktet“ werden sollten. „Und hier kamen die Influencer ins Spiel“, erklärt Baumann. „Wir haben so getan, als würden wir einen interviewen, einen langen Fragebogen erstellt und uns mit dem Einfluss von Werbung befasst.“ Dann nahm sie Kontakt zu Alpay Santi auf, bei dem das angeblich fiktive Blatt Papier real zum Einsatz kam.

Der TikToker und YouTuber hat sichtlich Spaß in der Runde und betont, dass er besonders gerne an einer Mittelschule Jugendlichen seine Tätigkeit erkläre, da er selbst von einer (er besuchte die Rückert-Mittelschule) komme. Und ermuntert dazu, sich Vorbilder und Idole zu suchen, wenn man im Leben etwas erreichen wolle. „Ich habe irgendwann in meiner Freizeit angefangen, Videos zu drehen und hatte dann plötzlich mit einem Schulvideo auf TikTok viel Erfolg“, erklärt er, „und dann bin ich automatisch in diese Schiene hineingerutscht, es war keine Entscheidung, Influencer zu werden, es ist passiert.“

Mittlerweile verdient der ungefähr 23-Jährige (sein Alter verrät er nicht, aber beim Schätzen nickt er, „ja, so könnte das schon annähernd stimmen“), 30000 bis 40000 Euro im Monat, von denen ihm ungefähr die Hälfte bleibt. Und doch sei er nach wie vor sehr sparsam unterwegs, die Jahre vor dem großen Erfolg hätten ihn geprägt. Alpay flog wegen seiner Leidenschaft von zu Hause raus, der Vater wollte, dass er studierte und strich ihm jegliche finanzielle Unterstützung. „Ich habe ein halbes Jahr im Auto und bei Freunden geschlafen und drei Jahre lang für sechs Euro die Stunde in einer Pizzeria gearbeitet“, blickt er zurück, doch sein Ziel wollte er erreichen. Auch jetzt arbeite er hart, von 9 Uhr am Vormittag bis vier, fünf Uhr am nächsten Morgen. „Aber es ist ja etwas, das Spaß macht und mich erfüllt, ich muss es ja nicht“, erklärt er mit seinem freundlichen Lächeln, das öfters über sein Gesicht huscht.

Diese Freundlichkeit und „Anderen etwas geben“ stehen bei ihm im Vordergrund, „ich schenke viel“, erklärt er, seiner „Mum“ habe er ein Haus mit Garten gebaut, das sie sich schon immer gewünscht habe, „sie ist alles für mich“, schwärmt er. Gerade arbeitet er weiter an neuen Zielen, schreibt ein Drehbuch für Netflix, spielt in Serien mit und setzt einen sozialen Punkt obendrauf: „Ich möchte mehr Krankenhäuser besuchen.“

Autor

Bilder