Steigende Energiepreise Glashersteller am Rennsteig sind besorgt

Veronika Schadeck , aktualisiert am 27.11.2021 - 16:58 Uhr
Die Herstellung von Glas ist sehr energieintensiv. Energiewende und steigende Preise bereiten den Herstellern im Frankenwald deshalb besonders große Sorgen. Foto: /Archiv Neue Presse

Strom und Gas werden immer teurer. Das macht sich in der Glasproduktion bemerkbar. Mit weiteren Klimaauflagen fürchtet man um die Zukunft.

 
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Kleintettau - Die Kosten für Strom und Gas sind auf einem Rekordniveau. Hinzu kommt für die Glasindustrie am Rennsteig die Herausforderung, ihre Glasproduktionsprozesse klimaneutral zu gestalten, wenn sie die ambitionierten politischen Klimaziele erreichen will. Demnach verlangt der sogenannte „Green Deal“ der Europäischen Union, dass die Glasindustrie ihre CO2 -Emissionen bis 2030 im Vergleich zu 2005 um über weitere 60 Prozent reduzieren muss. Die Bundesregierung hat dies verschärft und fordert sogar eine Reduktion um 65 Prozent. Strom spielt dabei bei allen Zukunftstechnologien der Glasbranche – sei es die Elektrifizierung der Glaswannen oder der Umstieg von Erdgas auf grünen Wasserstoff – eine entscheidende Rolle. Aber woher soll künftig der Strom kommen, wenn im nächsten Jahr der Ausstieg aus der Kernenergie vollendet wird und bis 2030 auch der Ausstieg aus der Kohleenergie vollzogen werden soll?

Das alles bereitet der Glasindustrie am Rennsteig, die immerhin auf fränkischer Seite fast 3000 direkte Arbeitsplätze zur Verfügung stellt, einen wirtschaftlichen Beitrag für die Kommunen leistet und zu rund 50 Prozent den Landkreis finanziert, sehr große Sorgen. Am Donnerstag fand deshalb unter Einhaltung der Corona-2G-plus Regeln ein Treffen mit dem Fraktionsvorsitzenden und energiepolitischen Sprecher der Grünen im bayerischen Landtag, Ludwig Hartmann, und MdB Johannes Wagner (Grüne) statt.

Aufmerksamkeit schaffen

„Wir müssen jede Möglichkeit wahrnehmen, um Politikern unsere Situation zu schildern“, sagte vorab der Vertreter von Gerresheimer Tettau, Bernd Hörauf. Und der Altgeschäftsführer und noch Mitinhaber der Heinz-Glas Gruppe, Carl August Heinz, brachte es so auf den Punkt: „Wenn nicht bald etwas passiert, werden aus den Glashütten Glasmuseen und aus der Rennsteig-Region eine mittelalterliche Urlaubsregion!“

Es sei ihm bewusst, so Ludwig Hartmann, dass die Glasindustrie in den letzten Jahren den Energieverbrauch und damit den CO2 -Ausstoß mit Einsatz modernster Technologien bereits stark reduziert habe. Eine weitere Reduzierung beziehungsweise eine Klimaneutralität bei den Produktionsprozessen könne nur durch den Umstieg von den konventionellen Energieträgern auf erneuerbare Energieträger erfolgen.

Folgte man dem Verlauf der Gesprächsrunde wurde deutlich, dass zwei Technologien zur Dekarbonisierung der Glasindustrie zur Verfügung stehen, nämlich die vollständige Elektrifizierung mit Grünstrom sowie der Einsatz von erneuerbaren Gasen wie Wasserstoff. Dabei wäre der Grünstrom der entscheidende Energieträger.

Riesige Herausforderung

Bei der Heinz-Glas Gruppe werden die Glasflakons am Standort Kleintettau bereits mit zwei voll elektrisch befeuerten Glasschmelzwannen produziert, bei der Wiegand-Glas Unternehmensgruppe, die Behälter für den Getränke- und Lebensmittelmarkt produziert, prüft man den Einsatz von elektrobetriebenen Glasschmelzwannen und bei Gerresheimer Tettau steht eine höhere Elektrifizierung an. Das ist eine riesige Herausforderung. Deutlich wurde dies an den Ausführungen von Nikolaus Wiegand, der von etwa 100 Windrädern sprach, wenn das gesamte Erdgasvolumen für den Betrieb der Glasschmelzwannen an den vier Wiegand-Standorten in Strom umgewandelt würde.

Hartmann wies auf die geplante Abschaffung der EEG-Umlagen zum Jahr 2023 hin, von der die Glasindustrie bisher nicht befreit, sondern entlastet wurde. Keinen Zweifel ließ er daran, dass an den festgelegten Klimazielen festgehalten wird. Er vertrat die Auffassung, dass künftig sauberer Strom nicht der teuerste Energieträger sein darf. Die Frage sei aber, so Hartmann, wie schnell der Transformationsprozess, also der komplette Umstieg auf erneuerbare Energien gestaltet wird. Bis dahin müsse die internationale Wettbewerbsfähigkeit der energieintensiven Unternehmen gesichert werden. Er ist überzeugt: „Wind und Sonne werden künftig das Rückgrat der Stromversorgung sein!“

Noch kein „genauer Weg“

In diesem Zusammenhang hob Bernd Hörauf die Bedeutung der Gewährleistung der Grundlast hervor. Diese sei durch Wind und Sonne nicht gegeben. Hartmann entgegnete, dass deshalb so schnell als möglich die notwendige Infrastruktur, bedarfsgerecht in den einzelnen Regionen, ausgebaut werden müsse. Das Produzieren von Glas sei energieintensiv, dementsprechend müsse auch das Stromnetz ausgebaut und Speicherkapazitäten müssten geschaffen werden. Hartmann räumte aber auch ein: „Wir haben noch nicht den genauen Weg gefunden, deshalb will ich eure Anregungen mitnehmen“.

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