Steinbach am Wald Gratulation den jüngsten Doktoren

Heike Schülein

Uni-Feeling in der Rennsteighalle: In zwei interessanten Vorlesungen beschäftigten sich rund 100 Mädchen und Jungen mit den Unterschieden zwischen Land- und Stadtleben.

„Die Stadt ist herrlich mit ihren vielen Möglichkeiten und Kulturangeboten.“ – „Wir haben unsere Ruhe auf dem Land, viel Platz und keine Hektik“: In einem „Streitgespräch“ wetteiferten am Samstag Professor Dr. Marc Redepenning und Anna Erhard (M.A.) von der Otto-Friedrich-Universität Bamberg, wo es sich denn nun besser leben lässt – in der Stadt oder auf dem Land. Gemeinsam mit ihrem jungen Auditorium im Alter von acht bis zwölf Jahren erkundeten die beiden Dozenten, was Stadt und Land alles sein kann und gingen der Frage nach, wie dort Menschen heutzutage leben und welche Herausforderungen es dabei gibt. Mit der coronabedingt in zwei Gruppen abgehaltenen Vorlesung startete die Kinder-Uni Kronach in ihr Sommersemester 2022.

Dabei zeigte sich einmal mehr: Die Kinder-Uni bleibt eine Erfolgsgeschichte. Auch im Sommersemester 2022 durften sich die Initiatoren – das Bündnis Familienfreudiger Landkreis Kronach und Kronach Creativ mit Unterstützung des Koordinierungszentrums Bürgerschaftliches Engagement (KoBE) – über einen ungebrochenen Zuspruch von rund 100 wissbegierigen Nachwuchsstudierenden freuen, die einmal ins Studentenleben „schnuppern“ wollten – und das an ihrem schulfreien Samstag. Belohnt wurden die kleinen Schlaumeier mit einer anschaulichen Vorlesung zu einem aktuellen Topthema.

Stadt-Land

Die Vorteile der Stadt liegen auf der Hand. Zu anziehend sind die Vielfalt, das Kultur- und Freizeitangebot der Großstädte. Anders als in vielen Dörfern befinden sich hier - so der Professor - Ärzte, Schulen und Kindergärten „direkt“ vor der Haustüre. Ohne große Planung kann alles erledigt werden – ganz bequem ohne Autos. Zudem bietet die Großstadt beinahe für jeden Job passende Stellenangebote. Immer mehr Menschen zogen dann auch in den letzten Jahren in die Städte und deren Speckgürtel. In Deutschland leben, erklärten die Dozenten, rund 25 Prozent der Einwohner auf dem Land; weltweit etwa 3,2 Milliarden der insgesamt knapp acht Milliarden Menschen. Die Landflucht halte tendenziell an; in Deutschland sehe das allerdings etwas anders aus.

„Mittlerweile ist der Trend bei uns am Kippen“, verdeutlichte Redepenning, dass gerade auch die Corona-Pandemie die Menschen zum Umdenken bewege. Das Stadtleben mit seiner Hektik, Lärm und dem einhergehenden Dauerstress tue vielen nicht gut.

Aber ist das Dorfleben wirklich besser und gesünder? Die Frage nach der Lebensqualität lasse sich keinesfalls pauschal beantworten. Was besser oder schlecht sei, sei eine individuelle Angelegenheit. Während das Stadtleben mit allerlei Freizeitangeboten und Abwechslung locke, biete das Landleben – neben viel frischer Luft – auch viel mehr Ruhe und Platz, um sich entfalten.

Anonymität-Geschmeinschaft

In den meisten Dörfern kenne man sich und es herrsche vorwiegend Zusammengehörigkeit, wogegen in den Städten Anonymität dominiere. „Hört nicht so sehr auf die Klischees über Stadt und Land, sondern schaut euch die Orte selbst genau an. Jeder Ort ist einzigartig und hat ganz besondere Eigenschaften“, gab er anschließend seinem Auditorium mit auf den Weg, das sich auch wieder sehr mit durchdachten Fragen einbrachte und natürlich tüchtig mitschrieb.

Viele der rund 100 Kinder querbeet aus dem ganzen Landkreis waren erstmals dabei. Von den „Stammgästen“ durften sich einige besonders eifrig studierender Jungen und Mädchen über eine Bachelor (fünf Vorlesungen) sowie Master-Urkunde (acht Vorlesungen) freuen. Nach erfolgreicher Promotion gelangten Nele Sünkel, Johan Horn und Stella Burger gar zu Doktor-Würden (zwölf Vorlegungen). Belohnt wurden die neuen stolzen Doctores hierfür nicht nur mit dem Kinderuni-Doktorhut, sondern auch mit Gutscheinen von Museen und Theatern.

Die Auszeichnung nahmen zunächst Steinbachs Bürgermeister Thomas Löffler sowie nachmittags seine Stellvertreterin Monika Barnickel vor. Beide dankten allen Akteuren, dem Organisation-Team und allen Teilnehmern der Kinder-Uni, für die man gerne wieder Gastgeber gewesen sei. In seiner „Laudatio“ zeigte sich der Bürgermeister begeistert von der anschaulichen Art der Wissensvermittlung. „Schade, dass es so etwas in meiner Kindheit noch nicht gegeben hat“, bedauerte Barnickel, die sich als echtes Dorfkind „outete“: „Wir sind gerne auf dem Land und fühlen uns hier wohl.“

 

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