Steinbach am Wald Jugendliche gestalten ihre Heimat

Kein Autorenname vorhanden
Bürgermeister Thomas Löffler bei einem der Workshops im Rahmen der Chancen-Werkstatt. Foto: /Oberfranken Offensiv e.V.

Seit 2019 läuft in Steinbach am Wald das Projekt „SmartSpaceOberfranken“. Dabei dürfen junge Leute Ideen für ihren Wohnort einbringen. Es hat sich schon viel bewegt.

Steinbach am Wald - Was können Kommunen tun, damit sich Jugendliche wohlfühlen, sich im besten Falle engagieren und dauerhaft wohnen bleiben? Das Demografie-Kompetenzzentrum Oberfranken (DemKo) entwickelt in seinem Projekt „SmartSpaceOberfranken“ (die NP berichtete) auf diese Frage konkrete Lösungsvorschläge. In der Modellgemeinde Steinbach am Wald hat das DemKo seit 2019 in Kooperation mit dem Bezirksjugendring verschiedene Maßnahmen durchgeführt, um die Attraktivität der Gemeinde speziell für Jugendliche und junge Menschen zu steigern.

Unterstützung für kleine und mittlere Kommunen

Sandra Wolf, Teamleitung im DemKo, erklärt die Ausrichtung des Projekts: „Gerade kleinere und mittelgroße Kommunen brauchen Unterstützung für einen modernen und zielgerichteten Dialog mit jungen Mitbürgern. Genau hier setzt das Projekt ‚SmartSpaceOberfranken’ an. Wir möchten eine Brücke zwischen Jugendlichen und ihrer Heimatgemeinde bauen und einen intensiveren Austausch ermöglichen.“

Austausch via App

Gemeinsam wurde ein Paket aus drei Maßnahmen entwickelt, die seit 2019 nach und nach umgesetzt worden sind. Zu Beginn wurde analysiert, welche Herausforderungen in der digitalen Kommunikation liegen und welche Lösungen es geben könnte. Zentrales Ziel ist eine Vernetzung der zahlreichen Vereine und Aktionsgruppen in Steinbach am Wald. Bürger können auf einfachen Wegen passende Informationen über geplante Veranstaltungen, das Vereinswesen und Neuigkeiten innerhalb der Gemeinde erhalten. Steinbach am Wald wurde daher an die Gemeinde-App „BayernFunk“ angedockt. Alle Bürger, Vereine und sonstigen Interessensgruppen können sich darüber digital austauschen.

Interaktive Karte

Ergänzt wird das digitale Angebot durch eine interaktive Karte auf der Website der Gemeinde, die zahlreiche „Points of Interest“ in und um Steinbach anzeigt. „Das Besondere an dieser Karte ist, dass die große Vielfalt unserer Gemeinde nicht einfach in einer eher langweiligen Auflistung oder als Text, sondern sehr anschaulich, modern, greifbar und interessant in digitaler Form wiedergegeben wird“, erklärt Bürgermeister Thomas Löffler (CSU). Er hat in intensiver Fleißarbeit mit Unterstützung des DemKo und des Bezirksjugendrings die interaktive Gemeindekarte mit bereits über 266 Einträgen erstellt. Insbesondere für junge Menschen und Neubürger bietet die Karte einen Mehrwert.

Junge Menschen gezielt ansprechen

Im zweiten Schritt hat das DemKo für die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung Angebote geschaffen. Sie erhielten eine umfassende Social-Media-Schulung mit Informationen und praxisnahen Tipps, wie die Gemeinde junge Menschen über moderne Kommunikationswege gezielt ansprechen und erreichen kann.

Viele Ideen bei der Chancen-Werkstatt

Im dritten Schritt standen die Jugendlichen und jungen Menschen mit ihren Ideen im Fokus: Wie können sie die Zukunft ihrer Kommune selbst mitgestalten? Das war das zentrale Thema der Chancen-Werkstatt, die am 24. September 2021 in Steinbach am Wald stattfand. Junge Steinbacher aus mehreren Gemeindeteilen erarbeiteten Ansätze um ihre Gemeinde modern und zukunftsfähig aufzustellen. Nachdem die Teilnehmer im Alter zwischen zwölf und 22 Jahren zunächst einige konkrete Vorschläge formuliert hatten, wie beispielsweise einen Jugendtreff oder ein Praktikum im Rathaus, machten sie bei der Workshop-Station „Map it!“ einen virtuellen Rundgang durch die einzelnen Ortsteile. Aufgabe war es, Orte zu nennen, an denen sie sich besonders gerne oder weniger gerne aufhalten und was sie sich zusätzlich wünschen. Im Teil-Workshop „In & Out“ bewerteten sie die bestehenden Freizeitangebote. Dabei sollten sie auch vorschlagen, wie sie sich in die Gemeinde einbringen können, um neue Projekte umzusetzen und das Freizeitangebot zu bereichern.

Die Ergebnisse der Chancen-Werkstatt wurden im Rahmen eines Kampagnen-Workshops konkretisiert. Hier erhielten die jungen Leute praktische Tipps, was für die erfolgreiche Umsetzung einer Idee wichtig ist: Was ist das Ziel? Wen möchte ich erreichen? Wie kreiere ich einen griffigen Slogan? Welche professionellen Tools kann ich nutzen um beispielsweise ein Plakat, einen Videoclip oder Film zu erstellen? Anschließend stellten sie ihre Ideen vor.

Skateranlage und Sportangebot geplant

Thomas Löffler bedankte sich bei den jungen Teilnehmern für ihr Engagement und ihre kreativen Ideen: „Die Zukunft liegt in den Händen unserer jungen Leute, umso mehr wollen wir sie mit einbinden. Gemeinsam werden wir jetzt die Umsetzung zweier Ideen angehen, nämlich den Bau einer Skateranlage mit Mini-Ramps und ein niedrigschwelliges betreutes Sportangebot speziell für junge Menschen.“

Maximilian Körner, Medienfachberater des Bezirksjugendrings Oberfranken, zeigte sich ebenfalls angetan: „Ich finde es toll, wie viele realistische und umsetzbare Ideen die Jugendlichen für ihre Heimatgemeinde hatten. Hier wird aktiv ein Mehrwert für junge Menschen in Steinbach am Wald geschaffen.“ Eva Wicklein, Mitarbeiterin der Kommunalen Jugendarbeit im Landkreis Kronach fand: „Durch die direkte Beteiligung der Jugendlichen als Experten entsteht eine aktive Jugendpolitik. Einerseits können die jungen Menschen mit ihren Ideen ihre Heimatgemeinde mitgestalten. Andererseits erhält die beteiligte Gemeinde aus erster Hand eine umfassende, zukunftsweisende Analyse aus dem Blickwinkel der Zielgruppe.“

Hintergrund
Ausgangspunkt des Projekts „SmartSpaceOberfranken“ war ein Wettbewerb, bei dem sich kleine und mittlere Kommunen aus ganz Oberfranken bewerben konnten. Unter den zahlreichen Einsendungen überzeugte die Gemeinde Steinbach am Wald im Landkreis Kronach die Expertenjury am meisten. Ausschlaggebend für die Bewertung waren neben schulischen Einrichtungen vor Ort und demografischen Kriterien, wie dem Anteil von Jugendlichen an der Gesamtbevölkerung in der Gemeinde sowie der geografischen Lage, bereits bestehende zielgruppengerechte Angebote vor Ort. Das Demografie-Kompetenzzentrum Oberfranken (DemKo) ist ein Projekt der Entwicklungsagentur Oberfranken Offensiv e.V. und wird vom Bayerischen Staatsministerium der Finanzen und für Heimat unter Leitung von Staatsminister Albert Füracker bis Dezember 2024 gefördert. Das DemKo wurde 2016 in Kronach gegründet. Das DemKo hat in den vergangenen fünf Jahren mit einer Vielzahl an Partnern in Oberfranken Projekte in verschiedenen Strukturbereichen modellhaft umgesetzt. Es bündelt Potenziale und unterstützt oberfränkische Kommunen, Unternehmen und andere lokale Initiativen bei ihrer Anstrengung zur Sicherung der Zukunftsfähigkeit Oberfrankens. Oberfranken Offensiv e.V. ist eine der mitgliederstärksten Regionalinitiativen Deutschlands und Impulsgeber innovativer Projekte. Die Stärken Oberfrankens vor dem Hintergrund des demografischen Wandels auszubauen und so die Zukunftsregion Oberfranken mitzugestalten, ist die Kernaufgabe der Entwicklungsagentur. Der Verein versteht sich als wichtige Klammer, die sich lösungsorientiert und aktiv für die Entwicklung Oberfrankens einsetzt, Synergien nutzt, Kompetenzen bündelt und die Region in ihrer positiven Wahrnehmung im Innen- und Außenverhältnis erfolgreich weiterentwickelt. Im Verein engagieren sich Kommunen, Unternehmen, Institutionen, Verbände und Privatpersonen.
 

Bilder