Steinwiesen Der Arzt kommt per Computer

Susanne Deuerling

Seit zwei Jahren nutzt das Caritas Altenheim St. Elisabeth in Wallenfels die Onlinesprechstunde. Jetzt nimmt auch ein Mediziner aus Steinwiesen an dem Projekt teil.

Steinwiesen - Wieder wurde ein Mosaiksteinchen für die Gesundheitsversorgung des Oberen Rodachtals eingesetzt. Nun sind auch die Patienten von Dr. Björn Theuerkauf aus Steinwiesen im Altenheim Wallenfels mit ihrem Hausarzt in einer Onlinesprechstunde vernetzt.

Eine solche Sprechstunde wird im Caritas Altenheim St. Elisabeth in Wallenfels seit fast zwei Jahren mit großem Erfolg durchgeführt. Besonders in Zeiten der Corona-Pandemie war und ist sie eine Beruhigung für die Bewohner und Patienten und eine Bereicherung im Gesundheitswesen des Oberen Rodachtals. Bisher haben nur der Arzt Dr. Ondrej Vorisek aus Nordhalben sowie teilweise die Gemeinschaftspraxis Voigt aus Wallenfels diese Möglichkeit genutzt. Nun steigt auch Theuerkauf hier ein.

Was mit einem Projekt begann, das von Oberfranken Offensiv gefördert wurde, ist seit fast zwei Jahren ein standardisierter Prozess im Caritas Altenheim in Wallenfels. Wie wertvoll der Einstieg in die Digitalisierung ist, zeigt sich aktuell in der Pandemie. Die Bewohner des Altenheimes waren aufgrund der vorgegebenen Beschränkungen über mehrere Wochen von dem gewohnten Hausarztbesuch abgeschnitten. Dies galt nicht für die Patienten von Ondrej Vorisek, der das Projekt von Anfang an begleitet hat und auch ohne Honorarzahlung die "Onlinesprechstunde" praktiziert.

Dieses Engagement von Seiten Voriseks und des Caritas Altenheims St. Elisabeth kam den Bewohnern, ihren Angehörigen und den Pflegekräften in einer Zeit zugute, die von allen viel Kraft erforderte und Einschnitte im täglichen Leben zur Folge hatte. Gerade alte Menschen brauchen den Kontakt zu ihrem Hausarzt, zur Sicherheit und Beruhigung.

Doch wie funktioniert so eine Onlinesprechstunde? Wichtig ist, dass alte Menschen keine Angst vor der Technik haben und keine Scheu davor, per Computer mit ihrem Arzt zu sprechen. Beim Arztgespräch ist immer eine Pflegekraft anwesend und berichtet über den Zustand des Bewohners, unterstützt ihn bei der Antwort und liefert dem Arzt Informationen, die eine Diagnose absichern können, etwa über Hautzustand, Geruch und psychische Verfassung. Dafür braucht es einen vertrauensvollen Umgang zwischen Arzt und Pflegekraft. So kann der Arzt erkennen, ob eine akute Gesundheitsgefährdung vorliegt, ob er selbst bei dem Patienten vorstellig werden sollte oder ob dieser in ein Krankenhaus eingeliefert werden müsste. Unnötige Klinikaufenthalte werden so vermieden, Fahrten vom Arzt zum Patienten verringert, und am Ende hat der Arzt per Computer mehr Zeit für den Patienten. Es werden Rezepte angefordert und Termine für eine individuelle Sprechstunde geplant. Und was eigentlich das Wichtigste ist: Der Mediziner sieht den Patienten und dieser seinen Hausarzt. So ist das Vertrauensverhältnis leichter aufgebaut als nur am Telefon.

Eva Maria Müller vom Caritasverband Kronach dankte neben Theuerkauf auch dem Projektleiter Matthias Fischer von Oberfranken Offensiv für die Möglichkeit der schnellen Umsetzung dieser Onlinesprechstunde. Es sei gut, dass man nun auch den Steinwiesener Arzt für das Projekt gewonnen habe. "Ich gehe davon aus, dass wir in den nächsten Monaten wieder mit deutlichen Einschränkungen leben müssen, und dafür sollten wir gerüstet sein", sagte sie.

Steinwiesens Bürgermeister Gerhard Wunder stellte heraus, wie wichtig es sei, als Kommune bei der Digitalisierung dabei zu sein: "Wir müssen hier das Angebot für die Zukunft sicherstellen, denn es bringt viel Erleichterung für die Patienten, ihre Angehörige und das Heim." Für ihn steht fest, dass das Obere Rodachtal hier gut zusammenarbeiten werde. "Wir halten zusammen", bekräftigte Wunder. Natürlich könne ein Computer den persönlichen Kontakt zwischen Arzt und Patienten nicht ersetzen, betonte Björn Theuerkauf. Aber manchmal schaffe er einfach mehr Zeit für den einzelnen Patienten. "Ich bin auch in Staffelstein erreichbar, wenn ich mal nicht in der Praxis bin, das Programm wurde auch auf meinem Handy eingerichtet", sagte der Mediziner. Natürlich werde es auch weiterhin feste Zeiten für Besuche im Altenheim geben, aber die Zahl der vielen einzelnen Fahrten zwischendurch könne die Onlinesprechstunde erheblich verringern.

Allerdings ist es nicht möglich, Patienten anderer Hausärzte den Zugang zur Onlinesprechstunde zu gewähren. Ausschließlich Theuerkauf und Vorisek sowie die Praxis Voigt aus Wallenfels können so kontaktiert werden, hieß es bei der Vorstellung des Projekts. Alle Patienten, die einen anderen Hausarzt haben, müssten diesen wechseln - vorausgesetzt, die genannten Ärzte haben Kapazitäten frei.

Um Datenschutz und -sicherheit müsse man sich keine Gedanken machen. Die Videoaufnahmen werden nicht gespeichert und die Daten nicht auf dem Server, sondern gesondert abgelegt. Das System ist zertifiziert und somit bei der Krankenversicherung gelistet, sodass die Ärzte Onlinesprechstunden regelmäßig abrechnen können.

 

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