Steinwiesen Dorfladen „Fritzla“ erhält 5 Sterne

Zusammen mit Liane Bauer, der „Fritzla-Liane“ enthüllte Landrat Klaus Löffler (links) die Tafel mit den 5 Sternen für den Laden von Wieland Beierkuhnlein, rechts: Bürgermeister Gerhard Wunder. Foto: /Susanne Deuerling

Der privat geführte Laden wird besonders ausgezeichnet. Als einziger in ganz Deutschland. Dafür gibts eine Urkunde vom Landrat.

Steinwiesen - Der Fritzla ist seit 1922, also fast schon 100 Jahre lang, eine feste Institution in der Gemeinde Steinwiesen. Nun bekommt er die Anerkennung, die ihm gebührt. Als erster privat geführter Dorfladen in Deutschland erhält er die höchste Auszeichnung „fünf Sterne“.

Von vielen wurden sie belächelt, viele gingen pleite oder mussten wegen Nachwuchsmangel schließen – die Tante-Emma-Läden, die in jedem Ort zu finden waren und das Leben dort ein klein wenig reicher machten. Abgelöst von riesigen Supermärkten, meist auf der grünen Wiese, gibt es nur noch wenig solcher Geschäfte in den Ortskernen. Dorfläden hieß dann vor einigen Jahren das Zauberwort und durch Bürgerinitiativen und Genossenschaften konnten sie teilweise wieder etabliert werden. Doch so wie das kleine gallische Dorf in den Asterix-Romanen, so gibt es auch inmitten der vielen Schließungen und Supermarkteröffnungen einen „unbeugsamen Kaufmann“, der sich seit fast 100 Jahren um die Bedürfnisse seiner Kunden kümmert.

Wieland Beierkuhnlein führt das Geschäft „Fritzla“ nun schon in der dritten Generation. Als „Gemischtwarenladen“ war er früher bekannt und man bekam alles, vom Nähgarn bis zum frisch gelieferten Obst. Heute ist es vor allen Dingen ein Geschäft, das den täglichen Bedarf an Nahrung, Reinigungs- und Hygieneartikel sowie frischem Obst und Gemüse deckt und mit freundlichen und zuvorkommenden Mitarbeiterinnen punkten kann.

Die Vereinigung der Bürger und Dorfläden in Deutschland setzt hohe Maßstäbe mit ihrem Projekt „5 Sterne Dorfladen“. Fünf Kategorien wurden von einer Jury vor Ort geprüft und jeweils mit der vollen für den Dorfladen benötigten Punktzahl bewertet: Wirtschaftlichkeit, Sortimentsvielfalt, Teambildung/Motivation, Ideen/Marketing, Netzwerkarbeit. Doch hinter diesen nüchternen Begriffen stehen Menschen, Menschen wie Wieland Beierkuhnlein, der sich durch seine Menschlichkeit und Herzlichkeit, seine Hilfsbereitschaft und soziales Engagement einen Namen gemacht hat. Einen Namen, der für Qualität, Regionalität und Miteinander steht. Und so gibt es neben dem regionalen Bier der Brauerei Malzschmied aus Wallenfels Produkte der Naturmanufaktur der Arnikastadt Teuschnitz. Eichenbühler Eier lagern neben Pralinen der Frankenwald Confiserie Bauer und das Brot und Gebäck der Bäckerei Schauer aus Wallenfels duftet schon am Eingang. Dazu passen Wurstspezialitäten der Metzgerei Kolb aus Seibelsdorf und leckerer Frankenwald Bienenhonig. Ergänzt wird das Sortiment durch den Hauptlieferanten Edeka und so kann auch mit konkurrenzfähigen Preisen gepunktet werden.

Beim Fritzla steht nichts still, immer wieder neue Ideen und neue Betätigungsfelder hat Wieland Beierkuhnlein. Lebensqualität für alt und jung ist die Devise. Und so beliefert er viele ältere Kunden frei Haus, dies war besonders am Anfang der Corona-Pandemie ein Fulltime-Job. Die Wohngruppen der Lebenshilfe Kronach, Klassen von Berufsschule und Mittelschule versorgt er mit Lebensmitteln. Im Rahmen des Schulobstprogramms verteilt er einmal wöchentlich Obst und Milchprodukte an 48 Grundschulen und Kindergärten. Für Wieland Beierkuhnlein und sein Team bedeutet Nahversorgung Lebensqualität. Das Geschäft ist Treffpunkt, Kommunikationspunkt und ein Ort, wo sich auch Sonderwünsche meistens schnell erfüllen lassen.

Wie Wolfgang Gröll vom Dorfladen Netzwerk betonte, machen all diese Kleinigkeiten den Laden so lebens- und liebenswert. „Die Auszeichnung als erster privat geführter Dorfladen nicht nur im Landkreis, in Oberfranken und Bayern, sondern deutschlandweit ist ein Zeichen dafür, dass auch kleine Läden in den Ortskernen überleben können“, meinte Gröll. Und in Zukunft werden sie sicher wieder eine viel größere Rolle spielen, denn wenn die Rentner immer mehr werden, wird das Einkaufen am Wohnort wichtiger, nicht am Arbeitsort, ist er sicher.

Zahlreiche Ehrengäste, Lieferanten und natürlich Kunden und Freunde konnte Wieland Beierkuhnlein bei einer kleinen Feierstunde vor dem Geschäft begrüßen. Viel Applaus gab es bei der Übergabe des Zertifikats durch Landrat Klaus Löffler und Wolfgang Gröll vom Dorfladen Netzwerk. Mit dieser Auszeichnung ist der Fritzla für den Dorfladen des Jahres nominiert, der in Berlin auf der Grünen Woche ausgezeichnet wird. Landrat Klaus Löffler war sichtlich stolz auf den engagierten Kaufmann Wieland Beierkuhnlein. Zusammen mit dessen 86-jähriger Tante, Liane Bauer, die seit ihrer Kindheit die Seele des Geschäfts war und erst seit einiger Zeit aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr an der Kasse sitzen kann, enthüllte er die Tafel mit den fünf Sternen. Sie ist neben dem Eingang des Geschäftes angebracht. „Einmal müssen wir den bescheidenen Wieland in den Mittelpunkt stellen, er hat es sich verdient“, sagte Löffler und wies auf die lange Tradition hin.

Bürgermeister Gerhard Wunder verwies auf den Slogan, den es schon seit vielen Jahren in Steinwiesen gibt „Lebensqualität durch Nähe“. Dies hat sich Steinwiesen auf die Fahne geschrieben und der Fritzla trage viel dazu bei, den Ortskern zu beleben, die Mitte Steinwiesens wieder lebendig zu machen. Sein Engagement, nicht nur im geschäftlichen Sinne, sondern auch als Präsident der Faschingsgesellschaft, Betreiber des Bistros im Kreiskulturraum, Botschafter der Heimat und bei Steinwiesen aktiv, zeichne den „Kaufmann ihres Vertrauens“ besonders aus.

 

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