Stenografie in Kronach Wo die Kurzschrift noch Zukunft hat

Karl-Heinz Hofmann

Smartphones und Tablets haben die Stenografie aus der Wahrnehmung verdrängt. Doch ein Verein in Kronach lässt sich davon nicht beeindrucken.

In Parlamenten wird die Kurzschrift auch jetzt noch genutzt. Auch ein Kronacher Verein widmet sich dieser Tätigkeit. Foto: picture alliance/dpa/Tobias Hase

Er mag mit 37 Mitgliedern nicht zu den größten Vereinen Kronachs zählen, doch dafür kann der Stenografenverein auf eine lange Geschichte verweisen. 1882 wurde er gegründet – und hat nach wie vor ein reges Vereinsleben. Zum 140. Jubiläum hätte man gerne im vergangenen Jahr eine große Feier ausgerichtet. Doch die Pandemie verhinderte dies bis jetzt.

Nach der Werbung weiterlesen

Dafür konnten die Mitglieder kürzlich im Rahmen der Hauptversammlung einem außergewöhnlichen Vortrag lauschen. Referent war der 83 Jahre alte Rödentaler Hermann Schädel, seit 2018 Mitglied des Stenografenvereins Kronach. Er verfügt nicht nur über eine 30-jährige Erfahrung als Lehrer für Kurzschrift und Maschinenschreiben, sondern war auch 20 Jahre lang in der Geschäftsleitung der Firma Goebel in Rödental tätig.

Blick zurück

Fundiertes Wissen über Steno und Maschinenschreiben eignete sich Schädel im ehrenamtlichen Engagement an. So war er über 70 Jahre lang Mitglied im Stenografenverein Rödental und über mehr als 20 Jahre hinweg Vorsitzender des Bezirksverbands Oberfranken im Bayerischen Stenografenverband. Seit der Rödentaler Verein sich aufgelöst hat, ist Schädel Mitglied in Kronach – und hat sich mit der einst als „Stenographenverein Gabelsberger“ gegründeten Truppe intensiv befasst. „In Kronach gingen Idealisten mit Elan an die Gründung des Vereins. Diese Euphorie hat sich bis heute im Verein fortgesetzt“, sagte er. Am 10. Dezember 1950 wurde der Name in „Stenografenverein Kronach 1882“ umgewandelt, ab 1951 nahm dieser wieder Kurse in Kurzschrift und Maschinenschreiben auf. „Denker und Lenker des Vereins gab es und gibt es bis heute und darüber hinaus auch eine Vielzahl hervorragender Leistungsträger, die den Namen des Stenografenvereins Kronach bundesweit bekannt und anerkannt machten und zu einem guten Ruf verhalfen. Die Liste der Titel und Titelträger ist sehr lange und beeindruckend. Kaum in irgend einem anderen Wettbewerb dürften so viele Meister aus dem Landkreis hervorgegangen sein als im Stenografenverein und dies in beiden Kategorien, also sowohl in Stenografie als auch im Maschinen- beziehungsweise Computerschreiben“, so der Referent. Trotz aller Modernisierung und Technisierung in über 140 Jahren sei die Stenografie kein Auslaufmodell, sondern werde täglich gebraucht. Bestes Beispiel sei der Bundestag, in dem die stenografischen Aufzeichnungen bis heute unersetzlich geblieben seien.

Schade sei, dass der Fortschritt das Schreiben in den Hintergrund rücke. „Dadurch wird nun mehr gewischt als getippt“, so das Resümee von Herrmann Schädel.