Gelsenkirchen (dpa) Aus der Rente auf die Trainerbank: Jahrhundert-Trainer Huub Stevens soll den FC Schalke 04 vor noch größerem Ungemach bewahren und den Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga bis Weihnachten wieder auf Kurs bringen. Der Traditionsclub aus dem Revier bestätigte am Freitag die Trennung vom erfolglosen Chefcoach Manuel Baum. Es ist bereits der zweiten Trainer-Wechsel der laufenden Saison. Als Co-Trainer wird Stevens der ehemaliger Profi und „Eurofighter“ Mike Büskens zur Seite stehen.

„Das Heimspiel gegen Arminia Bielefeld ist von immenser Bedeutung für unseren Club. Der enttäuschende Auftritt gegen den SC Freiburg hat uns gezeigt, dass die Mannschaft einen neuen Impuls braucht, um die Partie erfolgreich bestreiten zu können. Huub Stevens und Mike Büskens trauen wir genau das zu“, sagte Sportvorstand Jochen Schneider. Lange hatte er an Baum festgehalten, doch einen Tag vor dem Heimspiel gegen den Mitkonkurrenten Bielefeld am Samstag (15.30 Uhr) und zwei Tage nach dem erschreckenden 0:2 gegen den SC Freiburg erfolgte die Kurskorrektur. Schalke greift in der Not auf Alt-Bewährtes zurück. Stevens und Büskens (52) gewannen 1997 gemeinsam den UEFA-Cup.
 
Der 67 Jahre alte Niederländer, der dem Aufsichtsrat des Vereins angehört, übernimmt bereits zum vierten Mal das Trainer-Amt auf Schalke, wenn auch nur für die beiden ausstehenden Partien bis Weihnachten. Am kommenden Dienstag empfängt Schalke im DFB-Pokal den Regionalligisten SSV Ulm.
 
Zuletzt hatte Stevens die Königsblauen zwischen März und Juli 2019 als Nachfolger von Domenico Tedesco vor dem Abstieg bewahrt. Büskens, der auch schon zweimal als Kurzzeit-Trainer auf Schalke fungierte, ist seit der Trennung von Kaderplaner Michael Reschke bereits Teil des Teams „Kaderplanung Lizenzspielermannschaft“.
 
Der 41 Jahre alte Baum hatte den Traditionsclub erst nach dem zweiten Spieltag von David Wagner übernommen, die Wende gelang ihm mit dem unausgewogenen Kader trotz zwischenzeitlicher Lichtblicke letztlich nicht. In zehn Bundesliga-Partien holte Baum nur vier Unentschieden bei sechs Niederlagen. Nach zwölf Spieltagen steht Schalke mit nur vier Punkte bei einem Torverhältnis von 8:35 am Tabellen-Ende. Seit insgesamt 28 Bundesliga-Spielen wartet das Team auf einen Sieg. Und die Clubführung traute Baum die Wende nicht mehr zu.
 
Baums Vertrag läuft noch bis zum 30. Juni 2022. Der finanziell angeschlagene Club hat mit ihm und Wagner schon zwei in dieser Saison freigestellte Trainer auf der Gehaltsliste. Nach dem 0:2 gegen Freiburg hatte Baum noch erklärt, dass er sich mit seiner eigenen Situation nicht beschäftige. „Das Wichtigste ist, dass Schalke nächstes Jahr in der Bundesliga spielt. Ich werde weiter vorangehen. Ich bin Diener des Vereins.“ Doch die Clubbosse wollten seine Dienste nicht mehr.
 
Wie es nach dem erneuten Stevens-Intermezzo weitergeht, bleibt zunächst unklar. Der Verein will in den Tagen nach der Pokalpartie über die Nachfolgeregelung informieren, teilte er mit. Dem Vernehmen nach soll im neuen Jahr ein im Abstiegskampf erprobter Trainer bis Saisonende übernehmen. Im Gespräch ist Friedhelm Funkel, der zuletzt Fortuna Düsseldorf trainierte. Angeblich ist diese Lösung mit Funkel von Stevens und einigen ehemaligen Schalker Spielern intern vorgeschlagen worden. Funkel äußerte sich in mehreren Medien. „Es gibt überhaupt keinen Kontakt. Ich bin und bleibe Rentner“, sagte der Ex-Coach von Fortuna Düsseldorf dem „Express“.