Stockheimer Senioren Mikro und Kamera an!

Samstagvormittag, 11 Uhr: Hans Parnickel aus Burggrub kontaktiert über Skype seine beiden Freunde Franz-Josef Siegler aus Rheinland-Pfalz (links) und Sadaaki Takahashi aus Japan (dort ist es Abend, 19 Uhr). Foto: /Karl-Heinz Hofmann

Ältere Menschen haben mitunter Berührungsängste vor neuen Techniken. Nicht so Hans Parnickel aus Burggrub. Der Sprecher der Seniorengemeinschaft skypt regelmäßig mit Freunden und hofft auf viele Nachahmer.

Stockheim - Vereinsamung in der Pandemie ist ein Problem, das nicht nur, aber vor allem ältere Bürger betrifft. Auch die Seniorenarbeitsgemeinschaft Stockheim (SAGS) weiß um dieses Problem und möchte helfen. Seit Anfang des Jahres machen deshalb die Sprecher Rainer Kraus und Hans Parnickel Werbung für die Bildtelefonie. Beide sind bereits selbst über 80 Jahre alt und schwärmen von der Möglichkeit, mit anderen per Video in Kontakt zu treten. „Man muss nicht mehr einsam sein, auch nicht in der Corona-Pandemie mit seinen Ausgangsbeschränkungen und Besuchseinschränkungen“, sprechen sie allen Senioren Mut zu, es einmal auszuprobieren.

Wie leicht das Ganze ist, führt Hans Parnickel dann prompt in seiner Wohnung in Burggrub vor. Er nutzt dazu Skype. Binnen weniger Sekunden ist er dann auch mit zwei befreundeten Friseurmeistern verbunden. Der eine, Franz-Josef Siegler, wohnt in Germersheim in Rheinland-Pfalz. Der zweite Gesprächsteilnehmer ist Sadaaki Takahashi aus Japan. Ihn kennt Hans Parnickel schon seit 1956 und ist wie Parnickel, 1937 geboren. „Die Sprach- und Bildqualität ist super. Nur in Japan durchziehen ab und an Rauchwolken den Bildschirm, weil Sadaaki Takahashi gerne eine Zigarette qualmt“, lacht der rüstige Senior.

Regelmäßige virtuelle Treffen

Skype habe auch er erst vor einigen Monaten entdeckt. „Ich erhielt einen Anruf von meinem Freund aus dem Rheinland, er habe sich Skype einrichten lassen und könne jetzt face to face mit seinen Freunden Kontakt pflegen“, erinnert er sich. Parnickel wollte gerne der Anfrage seines Freundes nachkommen, sich ebenfalls Skype einrichten zu lassen. „Also ging ich zur Firma Deuber in Kronach und ließ mir, unter meiner Mailadresse, Skype auf dem Laptop einrichten. Ich hatte dann auf dem Bildschirm einen kleinen blauen Kreis mit einem weißen S, den ich mit einem Doppelklick öffnen konnte. Dort gab ich die Mailadresse meines Freundes ein. Per Telefon hatten wir als Termin Samstag 11 Uhr ausgemacht. Am Samstag, kurz vor 11 Uhr, machte ich einen Doppelklick auf das blaue Symbol, klickte auf die Mailadresse des Freundes, es entstand ein Kreis mit seinen Initialen und ich hörte ein Klingelzeichen, plötzlich war sein Gesicht auf dem Bildschirm und ich hörte seine Stimme. Dabei war ich oben rechts in einem kleinen Rechteck selbst zu sehen.“ Inzwischen skype er auch regelmäßig mit seinem Freund in Japan. „Nun treffen wir uns virtuell jeden Samstag. Es macht großen Spaß, erspart Reisekosten und wir freuen uns auf jedes Gespräch von Angesicht zu Angesicht“, sagt er.

Als einmalige Kosten seien ihm 19 Euro entstanden, sagt Parnickel und ruft die Senioren auf, es auch zu probieren. Dem schließt sich auch Rainer Kraus an. Mit ein paar Mausklicks könne man so Kontakt zu Freunden oder Kindern und Enkeln halten. „Wir wollen dabei helfen und unsere Altersgenossen ermutigen, sich auch einmal an neue Techniken zu wagen“, sagen beide unisono. Sobald es Corona erlaubt, wolle die Seniorengemeinschaft zu einer Informationsveranstaltung einladen, um Interessierten sowohl Geräte vorzustellen als auch den Umgang damit genau zu erklären.

„Man kann dann in aller Ruhe entscheiden, ob man zukünftig im Bereich der Digitalisierung sein Leben neu ordnen möchten und möglicher Langeweile den Kampf ansagen will“, so die Sprecher der Seniorengemeinschaft. Sie sind überzeugt davon, dass sich viele Seniorinnen und Senioren ihrer Digitalisierungsbewegung anschließen und dadurch alte Freundschaften pflegen und vielleicht sogar neue dazugewinnen können.

 

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