Tempo bei der Kapitalmarktunion?
Ein wichtiger Ansatzpunkt bei der Vertiefung des Binnenmarkts ist auch, das Zusammenwachsen der noch zersplitterten europäischen Kapitalmärkte stärker zu forcieren - um mehr private Investitionen zu mobilisieren. Seit Jahren wird an der sogenannten Kapitalmarktunion gearbeitet, bislang jedoch ohne größeren Erfolg. Kommissionschefin von der Leyen zieht für mehr Tempo an dieser Stelle auch in Betracht, dass kleinere Ländergruppen vorangehen. Beim EU-Gipfel im März werde es außerdem um konkrete Maßnahmen zu Energiepreisen gehen, sagte die Politikerin.
In der Debatte um hohe Energiepreise und deren Bekämpfung geriet das Emissionshandelssystem zur Bepreisung von CO2-Ausstoß in den Fokus. Im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems (ETS) müssen Unternehmen in Sektoren wie Stromerzeugung, industrieller Fertigung und Luftfahrt Emissionszertifikate für ihre Treibhausgasemissionen erwerben. Das soll als Anreiz dienen, um klimaschädliche Treibhausgase einzusparen.
Vor allem in Ländern, in denen fossile Brennstoffe in der Stromgewinnung eine große Rolle spielen, wächst der Unmut daran. Im Laufe des Jahres ist eine Revision des Systems durch die EU-Kommission vorgesehen.
Merz: Handel mit Klimazertifikaten ist richtiges Instrument
Bundeskanzler Merz verteidigte das ETS. "Das hat über 20 Jahre gute Wirkungen erzielt", sagte er. Durch das System sei in Europa Wachstum möglich, ohne gleichzeitig zusätzliche CO2-Emissionen zu verursachen. Der Handel mit Klimazertifikaten sei also das richtige Instrument, müsse aber immer wieder nachjustiert werden. Tags zuvor hatte Merz bei einem Industriegipfel vor Top-Managern aus Europa die Wirkung des ETS infrage gestellt.