Soziale Meiden hätten zwei Seiten, sagte Alexandra Philipsen vom Universitätsklinikum Bonn. "Einerseits können Inhalte die Sensibilität für ADHS steigern. Andererseits könnten sie die Schwelle senken, sich anhand einer fälschlichen Selbstdiagnose in einer Diagnostik vorzustellen. Es wäre schön, die Aufklärung in sozialen Medien gemeinsam mit Fachleuten zu machen und zusammen Formate zu schaffen."
Konzentrationsstörungen, Impulsivität, Unruhe
Typische ADHS-Symptome sind starke Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, starke Impulsivität und ausgeprägte körperliche Unruhe (Hyperaktivität). Die Symptome können unterschiedlich stark sein und müssen nicht alle gleichzeitig auftreten. Damit wirklich von ADHS gesprochen werden kann, müssen die Auffälligkeiten mindestens sechs Monate und in verschiedenen Lebensbereichen auftreten und den Betroffen beeinträchtigen, wie das Gesundheitsministerium erklärt.
Nicht jeder Mensch mit ADHS-Diagnose brauche eine Therapie, meint Andreas Reif vom Universitätsklinikum Frankfurt. Wenn eine Behandlung nötig sei, sei im Erwachsenenalter eine Therapie mit Medikamenten seiner Ansicht nach die erste Wahl.
Warum der Anstieg der Diagnoserate sich verlangsamen könnte
Wie stark die Rate der Neudiagnose weiter steigt, hängt Reif zufolge davon ab, inwieweit die Patienten bereits im Kindes- und Jugendalter korrekt identifiziert werden. In den USA etwa näherten sich der Anteil der Menschen mit ADHS und der Anteil der Menschen mit ADHS-Diagnose immer weiter an. "Das ist auch das Ende einer Steigerung der Diagnoseraten – eine solche Annäherung würde ich auch für Deutschland erwarten."
Experten gehen davon aus, dass etwa 2,5 Prozent der Erwachsenen in Deutschland ADHS haben.