Südostlink Umfrage: Mehrheit für schnellen Netzausbau

Jolf Schneider

Dort, wo neue Stromtrassen wie der Südostlink gebaut werden sollen, regt sich meist Protest. Doch insgesamt befürwortet eine Mehrheit der Menschen im Land einen schnellen Ausbau des Stromnetzes.

Höchstspannungstrassen wie der Südostlink – hier das Umspannwerk Wolmirstedt als Ausgangspunkt der Trasse – sind umstritten. Foto: I IMAGO/imageBROKER/Stephan Schulz Foto:  

Hohe Strompreise und die Diskussion um Strommangel scheinen zu einer höheren Akzeptanz des Netzausbaus zu führen. In einer repräsentativen Umfrage, die der Übertragungsnetzbetreiber Tennet beim Online-Umfrageunternehmen Civey in Auftrag gegeben hat, haben sich rund 83 Prozent der Befragten dafür ausgesprochen, die Energieinfrastruktur auszubauen, damit die Energiewende schneller vorankommen kann. Fast 81 Prozent sagen, neue Stromleitungen sollen schneller geplant und genehmigt werden.

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Die Ergebnisse überraschen, gerade in Oberfranken. Denn dort, wo neue Stromtrassen entstehen sollen, regt sich meist massiver Widerstand gegen die Bauwerke. So zum Beispiel entlang des geplanten Verlaufs der Gleichstromtrasse Südostlink durch die Landkreise Hof und Wunsiedel und weiter in die nördliche Oberpfalz.

Ein Grund für die wachsende Akzeptanz neuer Stromleitungen könnte im hohen Strompreis der vergangenen Monate liegen. Wie aus der am Freitag von Tennet in Bayreuth vorgestellten Umfrage hervorgeht, wünschen sich rund 70 Prozent der Befragten eine sowohl bezahlbare als auch verlässliche Versorgung mit Energie.

Zudem sagen 40 Prozent, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in Deutschland erhalten werden müsse. Hierbei spiele auch die Frage nach sicheren Arbeitsplätzen eine wichtige Rolle. Erst dahinter – mit rund 34 Prozent – rangiert der Klimaschutz als Ziel des Netzausbaus. Selbst in den vom Netzausbau, also dem Bau neuer Leitungen betroffenen Regionen, gibt es nach den Ergebnissen der Umfrage eine vergleichsweise hohe Zustimmung für neue Infrastruktur, allerdings sinkt sie dann auf unter 50 Prozent der Bevölkerung. Stromtrassen, Windparks und Kraftwerke wie etwa für Geothermie oder Wasserstoff liegen laut Tennet mit jeweils 46 Prozent Zustimmung gleichauf auf Platz zwei. Nur Solarparks werden noch stärker akzeptiert (64 Prozent). Weniger Akzeptanz finden Gasleitungen (40 Prozent).

Bei den Land- und Forstwirten zeigt sich ein etwas anderes Bild. Hier erhalten Kraftwerke (59 Prozent) die meiste Zustimmung, gefolgt von Stromtrassen (47 Prozent). Solarparks dagegen finden in dieser Gruppe bei nur 38 Prozent der Befragten Akzeptanz und liegen an letzter Stelle. Das zeigt, dass die persönliche Betroffenheit bei der Akzeptanz eine entscheidende Rolle spielt.

„Der Blick auf die Energiesicherheit hat sich in Deutschland verändert“, sagte Tennet-Chef Tim Meyerjürgens. Die Umfrage zeige, dass infolge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine fast zwei Drittel der Menschen mit Sorge auf die Sicherheit der Energieversorgung schauen würden. Gleichzeitig belege die Umfrage die hohe Akzeptanz in der Bevölkerung für den Ausbau der Netze und weiterer Energieinfrastruktur, meint der Manager des Übertragungsnetzbetreibers, der auch den Südostlink mit errichten möchte. „Diese positive Tendenz der Zustimmung hatten wir in den vergangenen Monaten bereits deutlich in unseren Projekten vor Ort wahrgenommen und sie wird nun in den Antworten der Befragten bestätigt“, sagte Meyerjürgens.

Die Akzeptanz für neue Netze und Infrastruktur steigt, wenn die Menschen vor Ort etwas davon haben. So wünschen sich 53 Prozent der Befragten, dass ihr Wohnort durch den Ausbau unabhängig von anderen Energiequellen wird. 48 Prozent wünschen sich, dass durch den Ausbau die regionale Wirtschaft gestärkt wird.