Tessmer und Weber geehrt Der Stadt gedient, Coburg geprägt

Norbert Tessmer ist zum Alt-Oberbürgermeister von Coburg ernannt worden, Birgit Weber zur Alt-Bürgermeisterin. Mit den Ehrentiteln wird der Einsatz der beiden Kommunalpolitiker für ihre Heimatstadt gewürdigt.

Coburg - Die herausragenden Verdienste von Norbert Tessmer (SPD) und Birgit Weber (CSU) für die Stadt Coburg sind beim Sommerfest des Stadtrats am Samstagabend auf Schloss Callenberg gewürdigt worden. Tessmer wurde zum Alt-Oberbürgermeister ernannt, Birgit Weber zur Alt-Bürgermeisterin. Tessmer war von 2014 bis 2020 Oberbürgermeister von Coburg, Weber in der gleichen Zeit 2. Bürgermeisterin.

Oberfrankens Regierungspräsidentin Heidrun Piwernetz bescheinigte beiden, ihre Ämter nicht nur „sehr gern, sondern mit außerordentlichem Herzblut und Engagement“ ausgeübt zu haben. Norbert Tessmer sei ein Leistungsträger im kommunalen Bereich und habe Coburg erfolgreich mitgestaltet. Birgit Weber habe im Bauwesen, im Tourismus und im Stadtmarketing Akzente gesetzt. Die Regierungspräsidentin freue es, dass Tessmer und Weber auch im jetzigen Stadtrat mitarbeiten.

Versöhnen statt Spalten

Norbert Tessmer wurde 1984 zum ersten Mal in den Coburger Stadtrat gewählt, war Vorsitzender der SPD-Fraktion – was er seit Mai 2020 wieder ist –, 3. und 2. Bürgermeister und schließlich Oberbürgermeister. Zwei Dinge würden sich, wie der seit dem vergangenen Jahr amtierende Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) sagte, wie ein roter Faden durch seine politische Vita ziehen: „Zum einen Weitsicht, dass ungewöhnliche Wege vielleicht schwierig sein mögen – aber umso mehr richtig. Und dass Vereinen und Verbinden weiter trägt als Spalten und Zündeln.“ Diesem Ideal von Versöhnen statt Spalten sei Tessmer in allen seinen Funktionen in der Stadt Coburg treu geblieben.

Er habe mit Weitsicht Zukunftsthemen erkannt. Norbert Tessmer habe das soziale Netz Coburgs geknüpft, sich für Schwächere stark gemacht, für Chancengleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität gekämpft. Von dieser Leidenschaft profitierten alle in Coburg, das die Familienstadt sei, an der sich, so OB Sauerteig, viele größere Kommunen orientieren würden. Bei Kindertagesstätten und dem Schulangebot stehe Coburg in vielen deutschlandweiten Bewertungen auf Bestplätzen, ebenso bei stationären und ambulanten Angeboten für ältere Menschen.

„In Köpfe investieren“

Sein Motto „In Köpfe, nicht in Steine müssen wir investieren“ habe er mit dem Aufbau einer „hervorragenden Schullandschaft“ in Coburg umgesetzt. Aus seinem Slogan „Besser früh investieren als spät reparieren“ seien die ersten Angebote offener Jugendarbeit beispielsweise im Demo, in Wüstenahorn oder auf der Bertelsdorfer Höhe entstanden und später die Mobile Jugendarbeit in der Innenstadt. Das habe sich ausgezahlt. Heute zählten Demo, Wüstenahorn und die Bertelsdorfer Höhe zu beliebten Wohngebieten, und an früheren Brennpunkten hätten sich stabile soziale Netzwerke etabliert. Dazu zähle auch das Bürgerhaus Wüstenahorn, das jüngst eingeweiht wurde. Der Name Norbert Tessmer stehe zudem für den Ausbau des Kultur- und Schulservice KS:Cob, einer Verzahnung von Kultur- und Schulangeboten, sowie die interkulturelle Begegnung als Grundlage des späteren Integrationskonzepts, das heute das Miteinander über alle Religionen, Nationalitäten und Kulturen in Coburg gestalte.

Zudem habe Tessmer rechtzeitig den demografischen Wandel gestaltet. Es solle heute noch Mitarbeiter in der Verwaltung geben, „die zwar leise stöhnen, wenn sie die Worte hören ,Wir werden älter, bunter und weniger, und darauf müssen wir uns einstellen’“. Aber sie wüssten „auch ganz genau, dass die Bevölkerungsentwicklung unserer Stadt nur deshalb so viel positiver ist, als uns alle Prognosen der 2000er Jahre haben vermuten lassen, weil Norbert Tessmer Coburg rechtzeitig auf diesen gesellschaftlichen Transformationsprozess vorbereitet hat“, betonte Oberbürgermeister Dominik Sauerteig.

Spuren hinterlassen

Tessmer habe als Kulturpolitiker zwei Landesausstellungen nach Coburg geholt, die „Zig-Tausende Besucher“ (Sauerteig) in die Stadt zogen, den Ankauf der Bildersammlung Schäfer und den Kauf des Puppenmuseums in die Wege geleitet sowie die Generalsanierung des Landestheaters mit angeschoben. Gerade dieses Projekt werde Coburg vor „allergrößte Herausforderungen stellen“, so der OB. „Aber wir werden auch Linien und Grenzen definieren müssen, wie stark sich eine Stadt wie wir mit gut 40 000 Einwohnern in die Aufgabe der Generalsanierung dieses staatlichen Theaters einbringen kann, ohne Gestaltungsspielräume für andere wichtige Bereiche der Stadtentwicklung zu verlieren.“

Spuren hinterlassen habe Norbert Tessmer schließlich bei der Entwicklung des Schlachthof- und Güterbahnhofgeländes, das er 2014 noch als „Band der Brachen und Ruinen“ bezeichnete. Inzwischen bahne sich dort eine Entwicklung als Zukunftsschmiede an, in der Hochschule und Stadt mit ihrer Wirtschaftsförderung dank der Initiative Tessmers in seiner Zeit als OB den Grundstein gelegt hätten. Damit sollen insbesondere junge Menschen und Gründer für Coburg begeistert werden.

Aber auch Brauhof , Brockardt- und Milchhofgelände, einstmals mit Unkraut durchzogene Gewerbebrachen, seien in seiner Amtszeit umgewandelt worden in Gebiete mit attraktiven Wohn-, Arbeits- und Einkaufsmöglichkeiten. Das „größte Geschenk“ seiner Arbeit sei aber wohl der Neubau eines Krankenhauses auf dem ehemaligen BGS-Gelände im Norden Coburgs, wo Norbert Tessmer als Bundesgrenzschutzbeamter und Hundertschaftsführer gearbeitet hatte.

Vertrauensbeweis

Der größte Vertrauensbeweis der Coburger sei jedoch gewesen, als sie ihn bei der Kommunalwahl 2020, wo er nach dem Abschied aus seinem Amt als Oberbürgermeister auf dem vorletzten Platz der SPD-Liste kandidierte und eigentlich in den politischen Ruhestand treten wollte, trotzdem in den Stadtrat wählten. Sauerteig: „Die Coburger wissen, was sie seit 36 Jahren an Norbert Tessmer haben.“ Dies sei der größte Vertrauensbeweis und die schönste Rückmeldung, die man sich als Politiker vorstellen könne. Seine Coburgerinnen und Coburger sowie seine Fraktionskollegen im Stadtrat, die er als Vorsitzender führt, wollten auch weiterhin nicht auf seinen Weitblick und seine Erfahrung verzichten. Und er auch nicht, wie Dominik Sauerteig betonte.

Herkulesaufgabe

Dr. Birgit Weber bescheinigte der OB, sich als Ärztin nach ihrer Wahl 2014 zur 2. Bürgermeisterin sehr gut in die Rolle der Referentin für Bauen und Umwelt eingefunden zu haben. „Das war sicherlich eine Herkulesaufgabe“, so Sauerteig. In ihre Amtszeit fielen die großen Sanierungen der Kirchen St. Moriz und St. Augustin sowie der rasche Bau der Schwerlastbrücke von der Ernst-Faber-Straße in das Güterbahnhofsgelände, ohne die eine große Firmenverlagerung innerhalb Coburgs nicht möglich gewesen wäre. Und natürlich habe Birgit Weber bei vielen Bauprojekten, die der OB in der Würdigung von Norbert Tessmer genannt hatte, „auf operativer Ebene einen ganz wichtigen Anteil und Beitrag geleistet“.

Zu den herausforderenden Aufgaben im städtischen Baureferat sei die Leitung des Verwaltungsrats des Coburger Entsorgungs- und Baubetriebs (CEB) gekommen. Auf- und ausgebaut habe Birgit Weber in ihrem Referat den Bereich Umwelt. Sie habe das „Klimaschutzmanagement“ in Coburg „zur Welt gebracht“, aus dem ein Klimaschutzkonzept und der „Green Deal“ entstanden sind, die der Stadtrat vor wenigen Tagen verabschiedet hat.

Herzblut

Mit besonderem Herzblut habe sie sich der Tourismusförderung verschrieben und dabei „dicke Bretter zu bohren gehabt“. So falle in ihre Amtszeit als 2. Bürgermeisterin „die nicht wirklich einfache Gründung der Tourismusregion Coburg.Rennsteig“. Gleichzeitig habe sie den städtischen Eigenbetrieb Coburg Marketing neu aufgestellt. Zusammen mit Michael Selzer und Michael Böhm sei Birgit Weber „ein Doppelcoup gelungen, den es wohl bisher noch nicht gegeben hat“: Coburg wurde in ihrer Amtszeit zweimal direkt hintereinander Sieger beim Bayerischen Stadtmarketingpreis; einmal mit dem Internet-Baublog, der Hintergründe der Stadtentwicklung Coburgs aufzeigt, und mit dem Aufstellen des Coburger Weihnachtsbaums vor Schloss Windsor in England.

OB zollt Respekt

Abschließend sprach Oberbürgermeister Sauerteig der Alt-Bürgermeisterin seinen persönlichen Respekt aus. Der OB würdigte eine Stellungnahme Birgit Webers in der Stadtratssitzung im Juni, als sie sich für ein friedliches Zusammenleben aller und gegen jede Form von Antisemitismus positioniert hatte. „Ihren Worten, dass Jede und Jeder von uns ein friedliches Zusammenleben und ein Nein zu Ausgrenzung und Menschenfeindlichkeit einfach ,leben und weitergeben muss’, weil es nicht damit getan ist, nur mal kurz die Hand zu heben, gibt es einfach nichts hinzuzufügen. Für dieses Bekenntnis zu einem toleranten, friedlichen Coburg will ich an dieser Stelle sehr gerne persönlich Dank sagen“, so Oberbürgermeister Dominik Sauerteig.

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