Tettau Libanon-Zedern statt Fichten

Revierförster Martin Körlin (links) und Bürgermeister Peter Ebertsch begutachten die Anpflanzung von Libanon-Zedern im Gemeindewald bei Langenau. Dort werden Baumarten angepflanzt, die besser mit Trockenheit und Hitze zurechtkommen könnten als Fichte und Co. Foto: Karl-Heinz. Hofmann Quelle: Unbekannt

Das Klima ändert sich, der Wald auch: Auf einem kahlen Areal bei Tettau werden derzeit Baumarten getestet, die bis dato im Frankenwald nicht heimisch waren.

Tettau - Der Klimawandel stellt die Forstwirtschaft vor eine neue große Herausforderung. Im Gemeindewald Tettau entsteht derzeit erstmals im Frankenwald ein Areal mit verschiedenartigen Bäumen aus mehreren Klimazonen der Welt. Das Projekt soll für Waldbesitzer und Förster Vorzeigecharakter sein und sie zu ähnlichen Anpassungsmaßnahmen motivieren.

Revierförster Martin Körlin informierte jüngst bei einer Exkursion mit Bürgermeister Peter Ebertsch über Hintergründe und Ziele der Entstehung des Projektes "Zukunftswald" bei Tettau. Begonnen hatte alles mit einer umfangreichen Baumfällung von einem 60-jährigen Fichtenreinbestand, der wegen Borkenkäfer-Schäden nicht mehr zu retten war. Danach lautete die Frage: Welche Baumarten sind in Zukunft aufgrund des Klimawandels bei diesen standörtlichen Gegebenheiten geeignet? Mit den "klassischen" Baumarten des Frankenwaldes (Tanne, Buche, Fichte) wird es zunehmend schwieriger, solche Kahlflächen wieder aufzuforsten. Alternativen müssen her.

Eigentümer des Waldgebietes, in dem der Versuch läuft, ist der Markt Tettau. Da die Anlage eines Klima-Arboretums jedoch die finanziellen Möglichkeiten des Marktes übersteigt, läuft die Finanzierung der geschätzten Gesamtkosten von circa 30 000 Euro über die Bayerische Forstverwaltung (AELF) im Rahmen des Sonderprogramms "Initiative Zukunftswald". Das Amt ist auch für die Ausführung zuständig. Das ganze Projekt wird zudem wissenschaftlich begleitet. Auch die Bayerische Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft und deren Präsident Olaf Schmidt zeigen großes Interesse an den Anbauversuchen und ist bei diesem Projekt t aktiv mit eingebunden, gerade auch im Hinblick für künftige Auswertungen und wissenschaftliche Begleitung. Ferner ist als wissenschaftlicher Begleiter Dr. Muhidin Seho vom Bayerischen Amt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht im Projekt involviert.

Zur regionalen Anpassung der Wälder an den Klimawandel hat die Bayerische Forstverwaltung bereits 2015 das Sonderprogramm "Initiative Zukunftswald" (IZW) ins Leben gerufen. Gemeinsam mit den Waldbesitzern vor Ort verstärkt die Bayerische Forstverwaltung damit in jeweils zweijährigen Projekten den Waldumbau in räumlich abgegrenzten Gebieten.

Die Projektfläche bei Langenau-Sattelgrund beträgt mindestens 10 000 Quadratmeter, davon werden circa 8000 Quadratmeter von acht Testanbauten bepflanzt, der Rest sind Freiräume. Jede Testanbaufläche hat eine Größe von 1000 Quadratmeter und wird jeweils mit eigenem Zaun geschützt. Zwischen den Zäunen bleibt Platz für Naturverjüngung mit ökologisch wertvollen Pionierbaumarten und Raum für Wildwechsel, da hier Rot- und Schwarzwild vorkommen.

Begonnen wurde im Frühjahr 2019 mit Pflanzungen der Alternativbaumart Atlas-Zeder (Cedrus atlantica). In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet in Algerien und Marokko zeigt diese Baumart eine hohe Anpassung an die Sommertrockenheit Heuer im Mai folgte dann eine weitere Anbaufläche mit Libanon-Zedern. Im Herbst dieses Jahres folgen heimische Baumarten, wie Stil- und Traubeneiche sowie Roteiche, die sich schon in Analoggebieten bewährt haben. Zudem sollen weitere fremdländische Baumarten wie Hybrid-Lärchen oder korsische Schwarzkiefern folgen.

Wichtig ist es für Martin Körlin auch, dass die Jäger Guido und Johannes Rösler ihre Mitarbeit angeboten haben, denn es sei nicht auszuschließen, dass trotz Schutzzäunen das Wild in die Anbaufläche gelange. "Es ist ein Projekt, dessen Wirksamkeit und Nutzen man erst in etwa 20- 30 Jahren beurteilen kann", so der Revierförster. Die Bepflanzung soll demnach bis Herbst 2021 abgeschlossen sein. Es werde auch ein Zufahrtsweg angelegt, so Körlin. Die Fläche werde den Waldbesitzern und Förstern zukünftig für Exkursionen zur Verfügung stehen .

Bürgermeister Peter Ebertsch zeigte sich Förster Martin Körlin und der Forstverwaltung am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kulmbach, gegenüber dankbar. Man sei froh, dass die Forstverwaltung diese Initiative ergriffen habe. Der Markt Tettau stelle gerne seine Flächen für dieses sinnvolle Projekt "Klima-Arboretum" zur Verfügung. "Wer jetzt den Klimawandel nicht erkennt, geht mit verschlossenen Augen durch die Landschaft.", so Ebertsch. . Für den Markt Tettau sei es ein großes Anliegen und ebenso große Aufgabe, Innovation und Ökologie im Einklang zu forcieren.