Zuvor müssen alle medizinischen oder psychiatrischen Behandlungsmöglichkeiten ausgeschöpft sein. Um religiöse Besessenheit von psychiatrischen Störungen zu unterschieden, muss der Priester zwingend ärztlichen Rat einholen.
So läuft ein Exorzismus-Ritual ab
- Anzeichen: Es gibt „Anzeichen“, an denen ein Priester erkennen kann, ob Satan von einer Seele Besitz ergriffen hat: wie das Sprechen fremder, dem Besessenen unbekannter Sprachen, unnatürliche körperliche Kraft oder abgrundtiefe Abneigung gegen Gott.
- Ablauf: Der Priester besprengt den „Besessenen“ mit Weihwasser, legt ihm die Hände auf, betet und liest aus der Bibel. Dann bittet er Gott um Befreiung vom Bösen und befiehlt dem Teufel, den Besessenen zu verlassen.
- Dämonen: Im Katechismus der Katholischen Kirche heißt es: Der Exorzismus diene dazu, „Dämonen auszutreiben oder vom Einfluss von Dämonen zu befreien, und zwar kraft der geistigen Autorität, die Jesus seiner Kirche anvertraut hat“. Der Hauptdämon sei ein „gefallener Engel, der Satan oder Teufel genannt wird“.
Großer Exorzismus und Befreiungsdienste
Das Rüstzeug, mit dem Priester dem Bösen zu Leibe rücken, heißt offiziell Großer Exorzismus. 1614 wurde sein Ablauf in dem liturgischen Buch „Rituale Romanum“ geregelt.
Die überarbeitete Version von 1999 trägt den Titel „De exorcismis et supplicationibus quibusdam“ (Über die Exorzismen und Bittgebete, die sich darauf beziehen). In verschiedenen christlichen Kirchen, vor allem in evangelikalen und charismatischen Gemeinden sind zudem „Befreiungsdienste“ entstanden, die sich eine ähnliche Aufgabe gestellt haben.
Info: Gabriele Amorth
Teufelsaustreiber
Pater Gabriele Amorth, der am 16. September 2016 im Alter von 91 Jahren in einer römischen Klinik Rom starb, galt als berühmtester Teufelsaustreiber der katholischen Kirche. Der aus dem norditalienischen Modena stammende Amorth war als langjähriger Chef-Exorzist der Diözese Rom international bekannt geworden.
Jurist und Exorzist
In seiner Laufbahn nahm der studierte Jurist seit Mitte der 1980er Jahre nach eigenen Angaben rund 70 000 Exorzismen vor und veröffentlichte mehrere Bücher. Im strikten Sinn vom Teufel besessen seien nur rund 100 Menschen gewesen, räumte er ein.
Vereinigung der Exorzisten
1990 hatte er die Internationale Vereinigung der Exorzisten gegründet, der er bis zum Jahr 2000 auch vorstand. Sie wurde 2014 vom Vatikan offiziell anerkannt. Amorth beklagte, selbst viele katholische Priester glaubten heutzutage nicht mehr an den Teufel. Dabei seien Teufelsaustreibungen heute weiter nötig, meinte er bei einem seiner letzten Interviews: In der Welt gebe es eine „riesige Zahl“ von Dämonen. „Sie hassen Gott und das Gute und wollen den Menschen zur Sünde verführen und in die Hölle zerren.“