Theaterpremiere Antisemitismus Thema in der Schule

Corinna Rösler, Landratsamt Coburg
Das Präventionstheaterstück „Tacheles“ hat kürzlich an der Staatlichen Realschule CO II bayernweit Premiere gefeiert. Initiiert wurde es vom Integrationsbeauftragten des Landkreises Coburg, Kanat Akin. Foto: Corinna Rösler /Landratsamt Coburg

Ein Theaterstück will dafür sensibilisieren, wie verbreitet Antisemitismus immer noch ist. Seine Premiere hat es an der Realschule CO II gefeiert.

 
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Paul, Kinan und Irina wohnen gemeinsam in einer WG. Ihre unterschiedlichen Herkünfte und Religionen spielen dabei keine Rolle. Bis heute: Denn seit der Party gestern ist Irina verschwunden. Hat irgendwer auf der Party schlechten Gangsta-Rap aufgelegt, der sie als Jüdin beleidigt haben könnte?

In dem Präventionstheaterstück „Tacheles“, das kürzlich an der Staatlichen Realschule CO II bayernweit Premiere feierte, geht es um Antisemitismus und vor allem um die Stärkung des Demokratiebewusstseins. Denn Antisemitismus ist noch immer aktuell – ob im Alltag quer durch die Gesellschaft bis hin zu Verschwörungsmythen und Übergriffen. Auch vor deutschen Schulhöfen macht er nicht Halt.

Deshalb hat der ehrenamtliche Integrationsbeauftragte des Landkreises Coburg, Kanat Akin, ein Präventionstheaterstück unter dem Titel „Tacheles“ initiiert. Konzipiert vom Jungen Theater Augsburg, fand die bayernweite Premiere des mobilen Jugendtheaterstücks mit ernstem Hintergrund an der Staatlichen Realschule CO II in Coburg statt und ist ab sofort für Schulen in Bayern buchbar. Es richtet sich an Schülerinnen und Schüler ab der Jahrgangsstufe acht.

„Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat in seinem jüngsten Lagebild zum Antisemitismus in Deutschland klar festgestellt: Die Zahl antisemitisch motivierter Straftaten steigt kontinuierlich an. Wir müssen dies als Angriff auf uns alle und auf unsere offene Gesellschaft qualifizieren und uns diesem entgegenstellen. Denn Antisemitismus geht uns alle an“, erklärt Akin, der zugleich Vorsitzender des Begleitausschusses der Partnerschaften für Demokratie im Landkreis Coburg ist.

Landrat Sebastian Straubel dankt Kanat Akin für die Initiative: „Aufklärung und Prävention sind enorm wichtig für einen respektvollen und friedlichen Umgang miteinander. Wir brauchen mehr Verständnis füreinander. Mit Präventionsprojekten wie ,Tacheles’ wird deutlich vor Augen geführt, warum manche Äußerungen verletzend sind. Verständnis schafft man am besten durch Veranschaulichung. Das passiert bei Tacheles, insbesondere durch das geniale Konzept, dass das Thema im Nachgang an das Stück in Workshops noch vertieft wird. Somit bin ich zuversichtlich, dass wir mit solchen Projekten etwas verändern und mehr Demokratiebewusstsein schaffen können. Wir dürfen nur nie locker lassen.“

Nach den bayernweit erfolgreichen Präventionsstücken „Krass! Hauptsache radikal“ und „#Hass – Hauptsache radikal“ hat das Junge Theater Augsburg mit „Tacheles“ – jiddisch für: Klartext reden – ein neues Präventionsprojekt für Jugendliche zur Stärkung des Demokratiebewusstseins präsentiert: „Tacheles“ basiert auf Recherchematerial, autobiografischen Erlebnissen und O-Tönen junger Jüdinnen und Juden. Mit markanten Beispielen aus dem Fußballverein, dem Rap und der Verschwörungsszene sensibilisiert das Stück das junge Publikum für antisemitische Vorurteile. Im Nachgang zur Aufführung findet mit den Schulklassen auch ein Workshop mit Theaterpädagoginnen und -pädagogen statt, um das Stück zu reflektieren. Sie setzen sich dabei mit Vielfalt als wertvollem Bestandteil unserer demokratischen Gesellschaft ebenso auseinander wie mit Zivilcourage als möglichem Umgang mit antisemitischen Vorfällen auf dem Schulhof.

„Antisemitismus ist leider ein Alltagsphänomen in unserer Gesellschaft. Jüdinnen und Juden erleben ihn auf dem Schulhof, auf dem Sportplatz und bei unzähligen anderen Gelegenheiten“, weiß Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Deshalb seien derartige Präventionstheaterstücke so wichtig: „Das kreative Projekt ‚Tacheles‘ des Jungen Theater Augsburg hält dagegen, klärt über jüdisches Leben in Deutschland auf und kann so Vorurteile abbauen“, so Schuster.

Die bayernweite Ausrollphase des Stücks wird vom bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales im Rahmen der Radikalisierungsprävention gefördert. Staatsministerin Ulrike Scharf betont die Bedeutung des Theaterstücks für die Antisemitismusprävention: „,Tacheles’ spricht Jugendliche direkt an – mit viel Gefühl wird zum Nachdenken angeregt. Es ist mir ein großes Anliegen, unsere Jugendlichen für den alltäglichen Antisemitismus zu sensibilisieren und Zivilcourage zu stärken. Das schafft das Theaterstück, das mit Workshops begleitet wird, ganz hervorragend. Herzlichen Dank an das Junge Theater Augsburg für den großen Einsatz in der Antisemitismusprävention“, betont Landrat Sebastian Straubel.

„Tacheles“ entstand im Auftrag von Kanat Akin in Kooperation mit dem Landkreis Coburg. Es wird gefördert vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“ und vom bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales sowie von der Niederfüllbacher Stiftung.

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