Thema Klärschlamm Ebern setzt auf eigene Lösung

Klärschlamm entwickelt sich zu einem gefragten Energieträger. Die Stadt Ebern wird deshalb dem Zweckverband Klärschlammtrocknung Haßberge nun doch nicht beitreten, sondern einen eigenen Weg verfolgen.

Einen Haufen Probleme hatten die Gemeinden zuletzt mit der Entsorgung der Rückstände aus den Kläranlagen. Doch getrockneter Klärschlamm wird immer begehrter. Foto: dpa/Nicolas Armer

Wer hätte gedacht, dass sich aus Fäkalien mal Kohle machen ließe. Es ist noch nicht lange her, da stank Klärschlamm noch zum Himmel. Anrüchig war es geworden, die dunkle Materie auf den Feldern auszubringen – was anno dazumal willkommener Dünger war, hatte sich im Laufe der Jahre zur undurchschaubaren Masse an Chemikalien beispielsweise aus Waschmitteln, Medikamenten-Rückständen und anderen Schadstoffen gewandelt. Der Schlacke auf den Feldern schob der Gesetzgeber schließlich einen Riegel vor. Die Kommunen mussten nun zusehen, wie sie ihren Klärschlamm für teuer Geld loswerden konnten.

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Kein einfaches Unterfangen, zumal die Kapazitäten der Verbrennungsanlagen, die den getrockneten Schlamm thermisch verwerten, bald brenzlig knapp wurden. Und so zeigte auch die Stadt Ebern bald Interesse an einer gemeinsamen kreisweiten Lösung. Im Februar 2019 hatte man davon noch Abstand nehmen wollen – zu „unausgegoren“ erschien das vorgelegte Konzept. Wenige Monate später lag ein neues Klärschlamm-Entsorgungs- und Verwertungskonzept des Landkreises Haßberge vor, dem der Eberner Stadtrat in seiner Juli-Sitzung ein „verbindliches Interesse“ bescheinigte.

Biogasanlage Hofheim

Demnach sollte der Klärschlamm in der Kläranlage in Ebern auf bis zu 25 Prozent Trockenmasse entwässert und diese – angesetzt waren etwa 50 bis 60 Fahrten pro Jahr – dann von Ebern nach Hofheim transportiert werden. Hierhin sollten alle Gemeinden eines eigens dafür zu gründenden Zweckverbandes ihren Klärschlamm bringen, wo die Masse mit der bislang ungenutzten Abwärme einer Biogasanlage weiter getrocknet werden soll. Das staubtrockene Resultat wird dann, so der Plan, ins Gemeinschaftskraftwerk in Schweinfurt (GKS) gefahren, wo der Landkreis Haßberge auch seinen Müll verbrennen lässt.

Im Juni 2020 beschließt der Eberner Stadtrat den Beitritt zum Zweckverband Klärschlammtrocknung Haßberge. Zwei Jahre später nun die Wende: Bereits Mitte August informiert Bürgermeister Jürgen Hennemann (SPD) den Bauausschuss, dass man mit der Firma Ökologische Klärschlammtrocknung Ertel (Offenhausen) einen Anbieter gefunden habe, der die Entsorgung wesentlich günstiger als der Zweckverband Klärschlammtrocknung Haßberge anbieten könne. Dem Zweckverband wolle man nun nicht mehr beitreten, heißt es dann auch am Donnerstagabend in der Stadtratssitzung, deren öffentlicher Teil sich auch nur mit diesem Punkt beschäftigt.

Veränderte Voraussetzungen

„Zwischen den Beschlüssen vom Juni 2020 und Juni 2022 gab es einige Veränderungen in der Konstellation des geplanten Zweckverbandes“, erklärt Bürgermeister Jürgen Hennemann: Ursprünglich geplant war mit der Südwasser, nun ist die Firma HSG mit ihrem Dienstleister, der Firma Drynamic, Kooperationspartner des Zweckverbandes. Außerdem seien immer wieder unterschiedliche Preise und Konditionen für die Entsorgung aufgerufen worden. Gemäß Angebot der Firma Drynamic wären für die Stadt Ebern für Klärschlammtrocknung und Transport bei anfallenden 760 Tonnen Schlamm mit jährlichen Bruttokosten von ca. 106 000 Euro zu rechnen – Tendenz steigend. Beim Angebot der Firma Ertel aus Offenhausen wiederum fallen für die gleiche Schlamm-Menge rund 81 000 Euro an. Die Entwässerung des Schlammes muss in beiden Fällen selbst organisiert werden. Derzeit erfolgt die Schlammentsorgung noch durch eine mobile Anlage; im Jahr 2023 ist der Bau einer stationären Schlammentwässerung auf der Kläranlage geplant.

„Viel Bewegung im Markt“

Die Stadt Ebern musste in ihrer Sitzung am Donnerstag nun entscheiden, ob sie bei ihren bisherigen Beschlüssen – Beitritt zum Zweckverband Klärschlammtrocknung und -entsorgung in Kooperation mit den Landkreisgemeinden – bleiben soll oder diese aufhebt und eine andere Lösung anstrebt. Die Laufzeit des Vertrages mit der Firma Ertel würde dabei bis zum 31.12.2031 bei gleichbleibendem Preis festgelegt; Beauftragung der Entsorgung jeweils für ein Jahr durch die Stadt Ebern. „Die Optionen bergen sowohl Chancen als auch Risiken“, so der Bürgermeister. Es sei allerdings „viel Bewegung im Markt“ und der Klärschlamm entwickle sich zu einem gefragten Energieträger. Weil unter anderem die gelieferten Klärschlammmengen, aber auch die Mitglieder bisher nicht final definiert und in der Satzung eingetragen waren, existiert der Zweckverband Klärschlammtrocknung Haßberge noch nicht; jede interessierte Kommune müsste daher nun ohnehin einen erneuten Beschluss für den Beitritt zum Zweckverband fassen.

Für die regionale anstelle der lokalen Lösung sprach sich CSU-Stadträtin Isabell Zimmer aus. „Wir haben die Beschlüsse gefasst und sollten daran festhalten“, so die Stadträtin. Zumindest als stilles Mitglied als Zeichen der Solidarität würde dritter Bürgermeister Thomas Limpert (FW) den Zweckverband unterstützen. Entsprechende Konditionen für eine derartige Partnerschaft wüsste auch Dieter Gerstenkorn (CSU) gern erfragt. „Früher oder später kriegen wir Geld für unseren Klärschlamm“, sagte Grünen-Stadtrat Klaus Schineller. Eine kreisweite Lösung sieht der Bischwinder skeptisch, da nicht einmal die Kreisstadt selbst am Zweckverband teilnehme. In Haßfurt nämlich wird wird das Blockheizkraftwerk der Kläranlage genutzt; mittels Abwärme wird der Klärschlamm hier dann so weit getrocknet, dass er verbrannt werden kann. Dabei wiederum entsteht Wärme, die ihrerseits genutzt wird, um erneut Klärschlamm zu trocknen: gewissermaßen eine autarke Selbstversorgung.

Auch Zeil oder Sand werden dem Zweckverband nicht angehören. Dieser komme aber dennoch zustande, versichert Eberns Bürgermeister Jürgen Hennemann, auch ohne die Stadt Ebern – und, an deren Kläranlage hängend, wohl auch die Gemeinden Rentweinsdorf und Pfarrweisach, wo das Thema in der nächsten Woche auf der Tagesordnung steht.

Die Eberner jedenfalls hoben am Donnerstag die bisherigen Beschlüsse zum Beitritt zum Zweckverband Klärschlammtrocknung Haßberge wieder auf und beauftragten mehrheitlich (elf zu vier Stimmen) die Verwaltung, mit der Firma Ökologische Klärschlammtrocknung Offenhausen GmbH von Andreas Ertel einen Vertrag zur Klärschlammentsorgung auszuhandeln. Die Vergabe der mobilen Klärschlammtrocknung und Klärschlammentsorgung erfolgt dann wie gewohnt in der November-Sitzung des Eberner Stadtrates.