Tierrettung Coburg Ein Neuschwanstein für Igel

Andreas Teodoru

Wohin nur mit den Igeln die zu leicht sind oder gar keinen Unterschlupf mehr haben? Um mehr Aufnahmestationen einzurichten soll ein neues Konzept entworfen werden.

Coburg - Weil es immer weniger Auffangstationen für Igel im Raum Coburg gibt, strebt der Tierschutzverein Coburg eine Zusammenarbeit mit der Innovations- und Vernetzungsplattform Creapolis der Hochschule Coburg an. Die Idee dahinter ist, Baupläne für kleine Unterkünfte zu entwerfen, die leicht in den Räumlichkeiten von Creapolis nachgebaut werden können. Der Name für die modular zusammenbaubaren Boxen: „Igelu“. Ein erstes Kick-off-Treffen hierzu gab es bereits Ende Januar.

Nach der Werbung weiterlesen

Neuschwanstein für Igel

Diese individuell gestaltbaren Boxen sollen dann von Trägern wie Kindergärten, Altenheimen, Vereinen, Firmen oder Privatpersonen mit ausreichend großem Garten gebaut werden können. Die Idee stammt von Tierarzt Doktor Peter Neu, der seit zwei Jahren mit dem Tierheim auch ehrenamtlich zusammenarbeitet und sich das „Igelu“ als Schutzbereich für den Winter vorstellt. Darin sollen einige Tiere gehalten werden, um Parasiten und Krankheitsbefall zu vermeiden: „Ein Behältnis etwa 90 auf 120 Zentimeter groß, mit Laub, Stroh oder Heu gefüllt und nach unten hin geöffnet. Genug Bewegungsfreiheit für eine Handvoll Igel, die durch eine Klappe nach draußen im Frühjahr flexibel in die Natur zurückkönnen,“ umreißt er seine Idee beim Treffen. Das Dach soll aufklappbar sein, vielleicht eine kleine Kamera und Lichtquelle innen beherbergen, damit man die Schützlinge auch ein wenig beobachten kann. Was das Design angeht, dafür wünschen sich die Anwesenden auch Ideen von Design-Studenten oder stellen sich individuelle Gestaltungsmöglichkeiten vor: Ein kleines Neuschwanstein im Kindergarten für die Igelrettung? Warum nicht?

Community Managerin Carina Fobbe von Creapolis hat für die Idee schon Professoren aus dem Bereich Produktdesign mit Studenten im erstem Semester angefragt. Creapolis vernetzt nicht nur Bürgerinnen und Bürger mit der Hochschule, sondern auch die Community untereinander: „Zuerst entwickeln wir gemeinsam in einem Workshop Ideen und einen Bauplan. Sobald dieser dann steht, können erste Prototypen gebaut werden. Wir können jederzeit andere ‚Selbermacher’ aus der Community, unsere ‚Maker’, nach weiterer Unterstützung fragen. Alle Interessierten lernen in den Creapolis-Werkstätten mit den Maschinen umzugehen und können gemeinsam die ‚Igelus’ nach Plan bauen,“ sagt Fobbe. Die fertigen Pläne sollen danach auf der Website von Creapolis zu finden sein. Gleichzeitig soll das Projekt dann auf der Website des Tierheims beworben werden, dort gibt es dann auch Unterstützung und weitere Erklärungen zur Igelpflege. Bis es soweit ist, könnte es aber noch eine kleine Weile dauern, denn bis April zieht Creapolis in die neuen Räumlichkeiten des Schlachthauses um. Danach soll der erste Prototyp gebaut werden. Ob so bis August neue Auffangstationen entstehen?

Vom Tierheim zur Auffangstation

Denn ab da trudeln bei Claudia Erbe die ersten Notfälle ein. Sie betreibt eine von den verbleibenden Auffangstationen im Landkreis, beteiligt sich am Projekt und weiß, wie aufwendig die Arbeit ist: „Von August bis Februar habe ich im Durchschnitt 80 Igel aufgenommen. Derzeit sind es 15 Tiere und drei Notfälle, die ich mit Medikamenten versorgen muss.“ Bemessen wird die Notwendigkeit einer Aufnahme vor allem am Gewicht der kleinen Stachelbälle, aber auch daran, ob sie sich verirrt haben oder während der Winterschlafphase unterwegs sind. „Unter einer bestimmten Gewichtsgrenze schaffen sie es nicht über den Winter, daher müssen sie gepflegt und gefüttert werden“, weiß die Igelretterin.

Für die Erstannahme ist das Tierheim zuständig, wie Vorsitzende des Tierschutzvereins, Angela Sporniak, erklärt: „Die Kleinen werden uns direkt ins Tierheim gebracht oder abends über den Notdienst eingesammelt. Sobald sie dann von Peter Neu kontrolliert und gegebenenfalls mit Medikamenten behandelt wurden, vermitteln wir sie an eine Auffangstation weiter.“ Diese Aufgabe übernimmt Neu ehrenamtlich, ebenso wie die Igelretter. Auch sonst kümmern sich die Mitarbeiter des Tierheims als erste Ansprechpartner um das Wohlergehen der hilfsbedürftigen Stacheltiere. Nach einer Einweisung durch Tierarzt Neu dürfen alle Interessenten mit einem „Igelu“ ihre Schützlinge aufnehmen und durch den Winter bringen. Doch noch müssen sich willige Igel-Retter und Sponsoren gedulden, bis das Igelu-Team bereit ist und die erste Igelresidenz entworfen wurde. Wer sich für die Rettung oder Aufnahme interessiert, kann sich auf der Internetseite wildtierrettung.de schon mal vorab über die Pflege und Rettung von Igeln informieren.