Tipps aus Haßfurt Wasserstoff für die Wüste

Wolfgang Aull

Hoher Besuch in den Haßbergen: Der mongolische Botschafter besucht mit einer kleinen Delegation das Stadtwerk in Haßfurt. Erklärte Vision ist die Wasserstoffproduktion in der Mongolei.

hoher Besuch bei den Stadtwerken in Hassfurt. Von links nach rechts: Günter Werner, Norbert Zösch, Volkmar Hartleib, Enkhburd Jugder, S.E. Mandakhbileg Birvan, Christine Bender, Richard Köth und Bilgee Luvsandorsh Foto: Wolfgang Aull

Solch hohen Besuch hat selbst das mittlerweile berühmte Stadtwerk Haßfurt selten: Der mongolische Botschafter S.E. Mandakhbileg Birvan kam auf Einladung von Christine Bender (CSU), stellvertretende Landrätin des Landkreises Schweinfurt, mit seiner Frau Enkhburd Jugder aus Berlin angereist, um sich in Unterfranken über den Ausbau von wirtschaftlichen Beziehungen auszutauschen. Mit von der Partie war Bilgee Luvsandorsh, ein Geschäftsmann und Projektentwickler aus der Mongolei, der das Ziel verfolgt, im mongolischen Wüstengebiet Wasserstoff zu erzeugen.

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Noch setze, erklärte der Botschafter, die Mongolei zur Erzeugung von Wärme und Energie auf Kohle. Sie habe Unmengen davon, sie sei billig zu fördern, und sie spüle als Exportschlager Geld in die Staatskasse. Doch irgendwann, meinte er, sei dieser Boom vorüber, und über die Zeit danach müsse man sich zeitnah Gedanken machen. Auch wolle das Land nicht auf Dauer, wie bisher, reiner Rohstofflieferant für die beiden Nachbarstaaten Russland und China bleiben, sondern die Wertschöpfung im eigenen Lande vorantreiben. Mit diesen Worten begründete Birvan, warum er nun in Begleitung seiner Frau in Haßfurt sei, und bedankte sich bei Christine Bender, die es ihm durch die Organisation der Exkursion ermöglichte, sich den Themenbereichen Klimaneutralität und Wasserstoffproduktion anhand praktischer Beispiele zu nähern.

Von fossilen Energien zu regenerativen

Die Zeit war knapp bemessen, weshalb sie nach kurzer Begrüßung durch den Ersten Bürgermeister der Stadt Haßfurt, Günter Werner (WG), ohne Umschweife mit einem intensiven Gedankenaustausch erfüllt wurde. Richard Köth (CSU/BLS), Bürgermeister von Schwanfeld außer Dienst, sprach die Kohlestaub-Belastungen an, die er in der Mongolei wahrgenommen hatte, mit einschneidenden Folgen für die Gesundheit der Menschen und der Natur. Norbert Zösch, Geschäftsführer der städtischen Betriebe Haßfurt, spann den Faden weiter und erläuterte den Weg der Stadt Haßfurt weg von fossilen Brennstoffen hin zu regenerativen Energien, und setzte in seinem Vortrag einen Schwerpunkt auf das Speichermedium Wasserstoff.

Voll Interesse lauschte Bilgee Luvsandorsh, ein Geschäftsmann und Projektentwickler aus der Mongolei. Er hatte in Marburg Wirtschaftswissenschaften studiert und sieht sich als Mittelsmann zwischen seinem Heimatland und Deutschland, mit Wohnsitzen in Frankfurt und der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator. Luvsandorsh hat bereits 78 000 Hektar Landfläche erworben und Machbarkeitsstudien in Auftrag gegeben, um dort unter anderem Wasserstoffprojekte zu realisieren. Damit, so sein Plan, möchte er dazu beitragen, dass – wie von staatlicher Seite vorgesehen – bis zum Jahre 2030 mindestens 30 Prozent der erzeugten Energie aus regenerativen Quellen stammt, was auch in Sachen Staubbelastung ein großer Fortschritt werden könne.

Ohne umfangreiches Fachwissen sei all dies nicht zu stemmen. Daher hatte Bender in Absprache mit Volkmar Halbleib (SPD), Mitglied des Bayerischen Landtags, für den Nachmittag einen Besuch der Technischen Hochschule Würzburg-Schweinfurt vorgesehen. Halbleib meinte, er könne sich gut vorstellen, dass junge Studentinnen und Studenten aus der Mongolei hier das Rüstzeug für die Aufgaben vor Ort erwerben könnten. Weichen für den Austausch von Fachwissen und die Vertiefung der wirtschaftlichen Beziehungen waren auch für den Samstag gestellt, per Treffen mit Jürgen Bode, dem stellvertretenden Hauptgeschäftsführer der IHK Würzburg-Schweinfurt sowie dem Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Unterfranken, Ludwig Paul.

Freundschaft zwischen ihr und dem Ehepaar Birmann sei eine Basis für den Besuch gewesen, berichtete Landrätin Christine Bender, Wein und Gespräch hätten sich bei einem zufälligen Zusammentreffen während der grünen Woche in Berlin als Türöffner der Freundschaft erwiesen, und dieses wolle man auch an den beiden gemeinsamen Abenden nicht zu kurz kommen lassen.