Tipps von Coburger Apothekerin Das gehört in die Reiseapotheke

Nicht nur Pflaster sind wichtig: Wer in den Urlaub fährt, sollte vorher seine Reise-Apotheke prüfen. Die Chefin der Klinik-Apotheke Coburg sagt, worauf es ankommt.

Bevor die Reise losgeht: mit ein paar passenden Medikamenten für Notfälle eindecken. Foto: dpa/Robert Günther

Sommer, Sonne, Süden: Mit Beginn der Ferien starten viele ihre – beim aktuellen Wetter in der Region sicher umso mehr herbeigesehnte – Urlaubsreise. Mit dabei sein sollte eine entsprechende Reiseapotheke, rät die Chef-Apothekerin Andrea Beitzinger aus dem Coburger Sana-Klinikum.

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Frühzeitig über Einfuhrbestimmungen informieren

„Wer regelmäßig Medikamente einnimmt oder auf gesundheitliche Notfälle vorbereitet sein möchte, sollte sich frühzeitig mit den spezifischen Anforderungen für die Reiseapotheke auseinandersetzen“, sagt Beitzinger. In einigen Ländern gelten demnach strenge Einfuhrbestimmungen, insbesondere für Schmerz- oder Beruhigungsmittel mit betäubungsmittelrelevanten Wirkstoffen.

Spritzen mitzunehmen könne bei Flugreisen zu Problemen führen. „In diesen Fällen empfiehlt sich eine ärztliche Bescheinigung in mehreren Sprachen, in der die Medikamente sowie deren Wirkstoffe und Mengen aufgeführt sind“, rät die Pharmazeutin.

Zudem sollten wichtige oder deklarationspflichtige Medikamente stets ins Handgepäck. Über die länderspezifischen Einfuhrbestimmungen informiere das Auswärtige Amt. Auch die Fluggesellschaften geben Auskunft.

Einfluss von Klima und Zeitverschiebung

Temperaturschwankungen, UV-Licht oder hohe Luftfeuchtigkeit könnten sich negativ auf die Stabilität bestimmter Medikamente auswirken, erklärt Beitzinger. Kühlungspflichtige Arzneien sollten daher entsprechend transportiert werden, „Apothekerinnen und Apotheker beraten zur richtigen Handhabung.“

Chef-Apothekerin Andrea Beitzinger aus der Klinik-Apotheke Coburg. Foto: Sana-Kliniken Oberfranken

Ferner könne ein verändertes Klima Auswirkungen auf den Stoffwechsel haben, was unter Umständen erfordere, dass die Medikamente anders dosiert werden müssten. „Bei Fernreisen mit Zeitverschiebung sollte ebenfalls die Einnahmezeit mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden“, so die Chef-Apothekerin.

Bestimmte Medikamente könnten außerdem die Lichtempfindlichkeit der Haut erhöhen. „Hinweise hierzu finden sich im Beipackzettel oder sind beim medizinischen Fachpersonal erhältlich.“

Vorratshaltung und Medikamentenkauf im Ausland

Ein ausreichend großer Vorrat an lebenswichtigen Medikamenten sollte für die gesamte Dauer der Reise, einschließlich möglicher Verzögerungen, eingeplant werde, betont Beitzinger. Dabei sei es unbedingt notwendig, dass man das Verfallsdatum vor der Abreise überprüfe. Und: „Da Medikamente im Ausland häufig unter anderen Handelsnamen verkauft werden, ist es ratsam, Wirkstoffnamen und Dosierungen zu kennen und die Originalpackung inklusive Beipackzettel mitzunehmen.“ Davon, Arzneimittel auf Märkten oder aus unsicheren Quellen zu kaufen, rät die Chef-Apothekerin dringend ab: „In vielen Ländern besteht das Risiko, gefälschte oder gesundheitsschädliche Produkte zu erwerben.“

Gut ausgerüstet für kleinere Notfälle

Für die Erstversorgung typischer Reisebeschwerden empfiehlt Beitzinger „eine gut ausgestattete Reiseapotheke“ mit folgenden Bestandteilen:

  • Schmerz- und Fiebermittel (wie Ibuprofen, Paracetamol)
  • Mittel gegen Magen-Darm-Beschwerden (wie Loperamid, Reisetabletten, Elektrolytlösungen)
  • Erkältungspräparate (wie Nasenspray, Hustenstiller, Schleimlöser, Mittel gegen Halsschmerzen)
  • Antiallergika (wie Loratadin, Cetirizin, Dimetinden)
  • Verbandmaterial und Wundversorgung von Pflaster über sterile Kompressen bis Wund- und Heilsalben
  • Desinfektionsmittel für Hände und Wunden
  • Sonnenschutz mit Lichtschutzfaktor 30 oder höher
  • Insektenschutz und -behandlung mit Insektenspray und kühlenden Gelen
  • optional: Fieberthermometer, Zeckenzange, Mundschutz und Einmalhandschuhe