Tolle Aktion in Seßlach So macht Schulsport wirklich Spaß

Eine besondere Aktion hat sich der Seßlacher Rektor für seine Schüler einfallen lassen: Ein Sportfest, bei dem es mal nicht um Leistung geht.

Seßlach - Bundesjugendspiele: Manchen Schülern trieb allein die Erwähnung dieses sportlichsten aller Schultage im Jahr die Schweißperlen auf die Stirn. Nie war es für die weniger Sportlichen leichter, sich vor der gesamten Schule zu blamieren. Um neuen Spaß an der sportlichen Bestätigung zu wecken, veranstaltete die Grund- und Mittelschule Seßlach am Montag nun ein ganz besonderes Event: Die Firma Trixitt, ein Bochumer Dienstleistungsunternehmen, zeigte mit ihrem alternativen Sportfest, wie Schulsport tatsächlich allen Spaß machen kann.

„Das war der schönste Schultag meines Lebens!“: Moritz Ambrassat stand mit seiner Meinung nicht allein. Viele Mitschüler der 3B nickten ihm bestätigend zu. Auch wenn die Drittklässler nach fast vier Stunden intensiven Sporttrainings an diesem warmen Montag reichlich abgekämpft aussahen, zeigten sie sich begeistert. Wie Ben Knauer gefiel den meisten der große Hindernisparcours am besten. „Spitze!“, so sein Urteil.

Die ganze Schule war seit acht Uhr auf den Beinen. Krankmeldungen mit teils fadenscheinigen Begründungen, wie sonst zu den normalen Bundesjugendspielen, verzeichnete Rektor Wolfgang Hoydem dieses Jahr kaum. „Heute hatte jeder Spaß!“, stellte er fest. Kein Wunder, stand doch statt Leistung dieses Mal der Spaß an der Bewegung im Mittelpunkt. Los ging es mit Gymnastik zum Warmmachen. Völkerball, Menschenkicker, Laufstraße, Sprung- und Zielwerfen und ein Basketballstand waren auf dem Sportplatz aufgebaut. Dazu kamen die Choreografien auf dem gerade frisch sanierten Hartplatz. Schon von weitem ertönten die fetzige Musik aus dem Lautsprecher und die Anweisungen von Lars Sieger, einem der fünf Betreuer von Trixitt.

Ganz zu kurz kam der Wettkampfcharakter allerdings nicht: Zwar sammelte nicht jeder oder jede Einzelne Punkte, dafür aber jede Klasse. Am Ende lag die 10AM vorn. Den Fairnesspreis gewann die 7B. Dabei hatten die Betreuer bewertet, welche Klasse sich durch besondere Hilfsbereitschaft auszeichnete, etwa wenn Jungen oder Mädchen ihre Mitschüler bei Übungen unterstützten, sich jemand als besonders fair erwies oder Schüler miteinander im Team kooperierten.

Von den 15 Euro, die pro Schüler anfielen, mussten die Eltern nur fünf Euro bezahlen. Den Rest legte die Stadt Seßlach drauf. 260 Schüler nahmen am Montag teil. Der Rektor hofft auf einen nachhaltigen Effekt: „Ich habe neulich einen Brief an die Eltern geschrieben, dass ich mir langsam Sorgen mache“, berichtet er. Wenn er sich in der Schülerschaft so umschaue, falle ihm auf, dass vor allem, aber nicht nur durch die Corona-Pause viele seiner Schützlinge immer mehr an Gewicht zulegten. „Die Rückmeldungen der Eltern auf mein Schreiben bestätigen, dass sich die Kinder tatsächlich zu wenig bewegen“, so Hoydem.

Beim Sportausdauer-Training, dass der Schulleiter vor Kurzem ansetzte, hielten etliche Schüler einen zehnminütigen Lauf nicht mehr durch, obwohl sie ihr Tempo selbst bestimmen durften. „Je höher die Klasse, desto niedriger ist der Fitness-Zustand“, zeigt sich der Schulleiter betroffen. Im nächsten Schuljahr möchte Hoydem daher, der selbst regelmäßig Rad fährt, mit Brückenangeboten am Nachmittag gezielt Schüler ansprechen, „die es nötig hätten“.

„I like to move it”, tönt es am Montag aus dem Lautsprecher. Lars Sieger ist jetzt, zum Ende des Sportfests, von höherklassigen Schülern umringt, die Musikwünsche äußern. Auch der Gast aus Bochum hat den Schülern die Corona-Pause angemerkt. „Das ist ja auch verständlich“, sagt er. Viele seien es offensichtlich nicht mehr gewohnt, sich den ganzen Tag zu bewegen. Trotzdem zeigt er sich mit der Performance der Seßlacher Schüler zufrieden: „Alle haben super mitgemacht!“ „Es war schon sehr anstrengend“, zieht Emma Klehr stellvertretend für viele Bilanz. „Cool“ fand die Elfjährige aus der 5A das Sportevent, „auf jeden Fall besser als die üblichen Bundesjugendspiele“, so ihr Urteil. Auch wenn der jungen Seßlacherin nach dem Vormittag die Füße wehtun. Vor allem das Tanzen fand sie anstrengend, aber eben auch richtig gut.

 

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