Totes Reh bei Lichtenfels Ein Hundeführerschein auch in Bayern?

Bei einer Gassirunde nahe Lichtenfels rennt der Hund weg – und beißt ein Reh tot. Jetzt fordert Peta, wie schon nach einem Vorfall in Coburg, den Hundeführerschein auch für Bayern. Wie sehen Sie das? Hier geht es zu unserer Umfrage.

Ein Hund rennt weg, reißt ein Reh. Sollten Halter ihre Eignung zum Führen eines Hundes nachweisen müssen? Foto: dpa-Zentralbild/Soeren Stache

Laut Deutscher Presse-Agentur (DPA) hat eine Hündin am Montagmorgen bei Lichtenfels ein Reh getötet. Die Halterin hatte den Husky-Samojede-Mischling in der Natur nahe der Bundesstraße 173 abgeleint. Die Hündin lief davon, spürte das Reh auf und verfolgte es über die Bahngleise auf eine Wiese. Dort biss sie das Reh und verletzte es tödlich.

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Gegen die Halterin wird nun wegen Jagdwilderei ermittelt. Doch damit nicht genug: Angesichts dieses Vorfalls fordert die Tierrechtsorganisation Peta die Landesregierung auf, den sogenannten Hundeführerschein in Bayern einzuführen.

„Das Problem liegt meist nicht bei den Hunden selbst, sondern bei uns Menschen“, heißt es in einer Pressemitteilung. Und weiter: „Viele Halterinnen und Halter haben Schwierigkeiten, das Verhalten, die Signale und die Körpersprache der Hunde richtig zu interpretieren und einzuschätzen. Die wahre Ursache von Beißvorfällen ist somit in der Unwissenheit der Menschen zu suchen, nicht beim Tier“, wird Jana Hoger zitiert, Fachreferentin für tierische Mitbewohner bei Peta. „Unabhängig davon, ob ein Hund einer ‚Rasse‘ angehört oder ein ‚Mix‘ ist – jeder Hund, der falsch gehalten, missverstanden oder schlecht behandelt wird, kann potenziell für Mensch und Tier gefährlich werden.“

Was eine Umfrage im Auftrag von Peta ergeben hat

Nach einer von Peta in Auftrag gegebenen repräsentativen Umfrage von August 2023 sprechen sich 68 Prozent der in Deutschland lebenden Erwachsenen für einen verpflichtenden Hundeführerschein aus. Der Hundeführerschein sieht vor, dass künftige Halter und Halterinnen bereits vor Aufnahme eines Hundes einen Theoriekurs absolvieren, in dem sie das notwendige Fachwissen über eine tiergerechte Haltung und Aspekte wie Kommunikation und Bedürfnisse von Hunden erwerben.


„Anschließend folgt für Halter und Hund ein gemeinsames, obligatorisches Praxisseminar in einer Hundeschule“, schreibt Peta. Ein solcher Nachweis kann demnach sicherstellen, dass Menschen, die Hunde halten, fachkundig mit dem Tier umgehen und die Signale des Vierbeiners richtig deuten. Eine funktionierende Kommunikation zwischen Hund und Halter ist unerlässlich, um Beißvorfälle zu verhindern.

Belohnungen für verantwortungsbewusste Halter?

Als erstes deutsches Bundesland hat Niedersachsen einen Sachkundenachweis für Hundehalter beschlossen – seit Juli 2013 ist der allgemeine Hundeführerschein verpflichtend. Dort ereigneten sich laut Peta nach drei Jahren nachweislich weniger Vorfälle. Wer in Berlin seit dem 1. Januar 2017 einen Hund neu aufgenommen hat, ist ebenfalls dazu aufgefordert, sich die notwendige Sachkunde anzueignen.

Einige Städte belohnen verantwortungsbewusste Halter: Wer in München nach dem 1. Mai 2014 einen Hundeführerschein absolviert hat, kann sich ein Jahr lang von der Hundesteuer befreien lassen. In Mannheim gilt eine zweijährige Steuerbefreiung für alle Hunde, deren Halter den Hundeführerschein nach dem 1. Januar 2016 erworben haben.

Ein verpflichtender Hundeführerschein hat einen weiteren Vorteil: Er kann Menschen, die sich noch nicht ausführlich mit der Hundehaltung auseinandergesetzt haben, von einem eventuellen Impulskauf abhalten. Jedes Jahr landen 80000 Hunde in deutschen Tierheimen, darunter sehr viele Tiere, die unüberlegt „angeschafft“ wurden.