Woher kommt der Brauch?
Ursprünglich hätten nur Mädchen, die an einem Mittwoch mit Vollmond geboren wurden, die Ringe um den Hals tragen dürfen, erläutert die Studie aus Chiang Mai. In Thailand tragen hingegen demnach schon seit Jahrzehnten fast alle Mädchen in den Kayan-Dörfern die Spiralen, "da sie zu einem Zeichen der Schönheit geworden sind".
Wo und wann genau der Brauch seinen Ursprung hatte, ist bis heute nicht gänzlich geklärt. In der Forschung und in Legenden kursieren mehrere Erklärungen: So könnten die Ringe die Frauen einst vor Entführungen oder Tigerbissen geschützt haben - oder auch vor dem Sklavenhandel, indem sie sie "unattraktiver" machten. Als wahrscheinlicher gilt jedoch, dass ein länger wirkender Hals als Schönheitsideal galt und von den Männern als begehrenswert empfunden wurde.
Dass die Frauen sich das Genick brechen und sterben könnten, wenn sie die Ringe abnehmen, ist übrigens ein Mythos. "Der Hals sackt nicht zusammen, wenn die Ringe im Erwachsenenalter abgenommen werden", heißt es auf der Webseite des anthropologischen Pitt Rivers Museums, einem Teil der Universität Oxford. "Dennoch ziehen es die meisten Frauen vor, dies nicht zu tun, da der Hals nach so vielen Jahren geschwächt, gequetscht und verfärbt ist."
"Gemischte Gefühle"
In Internetforen wird derweil das Für und Wider eines Besuchs heiß diskutiert. "Es fühlt sich ein bisschen wie eine Show oder ein Zirkus an. Und in manchen Momenten fühlt man sich tatsächlich etwas unwohl", schreibt ein User auf Tripadvisor. "Schrecklich! Das grenzt an Kindesmissbrauch", kommentiert ein anderer. Aber es gibt auch positive Stimmen: "Wer Kultur liebt, sollte das nicht verpassen. Ein einmaliges Erlebnis", berichtet eine Frau.
Die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. "Ich bin mir noch immer nicht sicher, ob meine Erfahrung wirklich gut war – das Tragen dieser schweren Ringe hat in mir gemischte Gefühle hinterlassen", erzählt ein britischer Tourist am Dorfausgang. "Trotzdem würde ich anderen raten, selbst hinzufahren und sich ein eigenes Bild zu machen." Nachdenklich fügt er hinzu: "Diese Familien stammen aus einem vom Krieg zerrissenen Land, und in gewisser Weise haben sie auch Glück gehabt: Viele ihrer Angehörigen in Myanmar haben den Bürgerkrieg nicht überlebt."