Landkreis Kronach Transportunternehmen: Bringt ein Rabatt die Rettung?

Veronika Schadeck

Die hohen Spritpreise sind auch für Firmen im Landkreis Kronach kaum zu verkraften. Hilfe erhoffen sie sich nun von der Bundesregierung.

Transport- und Logistikunternehmen leiden besonders unter den hohen Spritpreisen. Ein Tankrabatt hilft ihnen nur bedingt. Foto: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/Klaus-Dietmar Gabbert

Die Kraftstoffkosten werden vor allem für Firmen im Transport- und Logistiksektor zu einem existenziellen Belastungsfaktor, nicht nur für den Mittelstand. Nun will Finanzminister Christian Lindner einen „Tankrabatt“ einführen. Die Spritpreise sollen um etwa 25 Cent fallen, auf weniger als zwei Euro. Trägt diese Maßnahme zur Entlastung bei?

Nach der Werbung weiterlesen

„Kann der Finanzminister nicht rechnen?“, fragt der Geschäftsführer der Tettauer Firma Söllner Logistic, Christian Söllner, der beim Anruf am Montagmorgen in seinem Lastwagen direkt das Preisschild für Diesel mit 2,34 Euro pro Liter vor Augen hat.

Insgesamt bedeute ein Tankrabatt schon eine Hilfe, sagt er. Denn: „Die Situation ist existenzbedrohend.“ Seit Februar seien die Dieselpreise um rund 35 Prozent gestiegen. Für seinen 80 Lastwagen umfassenden Fuhrpark fallen somit monatlich rund 104 000 Euro an Mehrkosten für Kraftstoffe an. Seine Auftraggeber kommen überwiegend aus der Glas-, Getränke- und Baustoffindustrie.

Für den Jungunternehmer stellt sich die Frage, in welcher Form der Tankstellenrabatt abgerechnet werden soll. Wird die Mehrwertsteuer prozentual gesenkt? Gilt der Preisnachlass pro Liter Treibstoff? Oder werden an der Zapfsäule die regulären Preise angezeigt, während der Verbraucher beim Bezahlen einen entsprechenden Bonus erhält und der Tankstellenbetreiber für die Auszahlung der Differenz einen entsprechenden Antrag stellen muss? Zudem müsste die Preisentlastung für alle gelten, also auch für Privatkunden, findet Söllner.

Liefer- und Versorgungsengpässe

Ein weiteres Problem sei, dass durch den Ukrainekrieg die bereits zuvor bestehenden Herausforderungen im Transport- und Logistikgewerbe verschärft würden, sagt der Unternehmer. Durchaus könnten Liefer- wie auch Versorgungsengpässe drohen. Bereits im vergangenen Jahr fehlten Lastwagenchauffeure. Viele ukrainische Fahrer waren bei Transport- und Logistikbetrieben angestellt. Nun gaben diese ihren Job auf, um in ihre Heimat zurückzukehren. Dadurch werde die Lücke noch größer. Hinzu kämen die russischen Fahrer, denen es an Benzin, Lebensmitteln und anderem fehle, gibt Söllner zu bedenken. Ihre Kreditkarten seien gesperrt, an Rückfahrten in ihre Heimat sei aktuell nicht zu denken. Diese Kollegen säßen in Deutschland und anderen Ländern fest.

„Es ist schön, dass sich wegen der Kraftstoffpreise etwas bewegt“, meint der Geschäftsführer eines lokalen Transportunternehmens. Er sei zwar kein Freund der Förder- und Subventionsgesellschaft, aber aktuell sei es sinnvoll, ähnlich wie in Polen, die Abgaben auf Kraftstoffe zu senken. Es gehe schließlich nicht allein um Spediteure, sondern auch um Pendler und um die Menschen im ländlichen Raum, die nicht vor Ort in eine U-Bahn steigen könnten. Sein Fuhrpark umfasst 30 Fahrzeuge. Transportiert werden Glas- und Kunststoffflaschen, Fahrzeugteile und Konsumgüter. 16 Prozent seiner 60 Mitarbeiter haben eine osteuropäische Staatsangehörigkeit. Was die Versorgung mit Kraftstoff betrifft, so habe er aktuell keine Lieferengpässe. Allerdings, so sagt er, seien – bedingt durch die Preisschwankungen – Angebote nur etwa 30 Minuten lang gültig. Aktuell könne man Kraftstoff auch nicht auf Vorrat bestellen, wie es 2021 noch üblich gewesen sei. Derzeit betrage die Lieferzeit ab Bestellung maximal drei Tage.

„Es wird bestimmt alles kompliziert“

Gespannt ist der Unternehmer ebenso wie Christian Söllner darauf, wie der Tankrabatt abgewickelt werden soll. In diesem Zusammenhang weist er darauf hin, dass rund 40 Prozent des benötigten Kraftstoffs für seinen Fuhrpark an der eigenen Zapfsäule auf dem Betriebsgelände getankt würden. Gelte der Tankrabatt auch dafür? Oder müssten seine Lastwagen außerhalb tanken, um den günstigeren Spritpreis zu erhalten? Eines ist ihm und auch Söllner klar: „Es wird bestimmt wieder alles kompliziert.“

Bei der Wiegand-Glas-Unternehmensgruppe werden täglich europaweit 500 Lastwagentransporte abgewickelt. „Ein funktionierender und stabiler Transportmarkt ist die Grundvoraussetzung für die sichere Versorgung unserer Produktionsbetriebe“, so der Leiter von Wiegand-Logistik, Andreas Roseneck. Die Kostenexplosion bei Treibstoff gefährde bewährte Lieferketten, verursache Geschäftsaufgaben und Insolvenzen, sagt er.

Aufgrund der bisher schon angespannten Laderaumsituation sieht er einen Versorgungskollaps auf die Branche zukommen. Roseneck: „Wir fordern daher ein sofortiges Aussetzen der CO2-Abgabe und der Energiesteuer.“ Dies würde zu einer spürbaren Entlastung von rund 57 Cent pro Liter Diesel führen und die Situation etwas entspannen.