Trauerfeier Abschied von Thomas Nowak

Yannick Seiler

Coburg trägt sein „soziales Gewissen“ zu Grabe. Der 3. Bürgermeister der Stadt war jedoch noch viel mehr für Genossen, Nachbarn, Kollegen, Gläubige, Freunde und seine Familie.

Es war ein Gottesdienst, wie ihn sich Thomas Nowak gewünscht hätte, hörte man oft in den Reihen derer, die am Donnerstag in der Johanneskirche Platz genommen hatten, um Coburgs 3. Bürgermeister zu verabschieden – für immer. Der Sozialpolitiker stab vergangene Woche. „Dass du, Thomas, nun am 31. März so unerwartet aus dem Leben geschieden bist, hinterlässt eine riesige Lücke“, sagte Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD). Persönlich werde ihm eine wichtige Stütze fehlen, ergänzte er. Nowaks Handeln sei demnach vom unbedingten Willen geleitet worden, das Miteinander in Coburg zwischen Generationen und unabhängig von der Herkunft des Einzelnen weiter auszubauen.

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Vertreter etlicher Vereine, Verbände, Parteien und Institutionen hatten sich ins Kirchengestühl gesetzt, um das Lebewohl von Pfarrer Veit Röger zu hören. „Wie ein Baum war er fest verwurzelt in Stadt, Familie und Glauben“, sagte er. Hunderte Menschen hatte Röger in Halbrund und Empore der Kirche erwartet, ein Zelt vor dem Gotteshaus aufbauen, die Messe per Lautsprecher dorthin übertragen lassen, damit möglichst viele Freunde und Bekannte auch bei schlechtem Wetter die Worte vom Altar hörten. Schließlich drängten sich 550 Menschen danach, dem SPD-Politiker in dem Gotteshaus, in dem er oft ein und aus ging, getauft wurde und heiratete, zu gedenken.

Das Leben im Stadtteil geprägt

Unweit der Kirche in den Straßen um den Kirchplatz inmitten der Stadtteile Hut und Wüstenahorn wuchs der spätere Sozialreferent Coburgs auf, war Vorsitzender des örtlichen Sportvereins. Seit seiner Jugend engagierte sich Nowak dort in der evangelischen Kirche, hielt als Lektor Messen und war zuletzt Vorsitzender des Kirchenvorstands. Einen „echten Huter und Wüstenahorner“ nannte Röger Nowak, der parteiübergreifend für sein soziales Engagement geschätzt und von Kollegen anderer politischer Couleur „soziales Gewissen der Stadt“ genannt wurde.

Er habe den Vereinen in Wüstenahorn als „Mensch mit Herz“ zur Seite gestanden, erklärte Ulrich Steiner, Vorsitzender des Bürgervereins Wüstenahorn. „Er hat das Leben der Menschen im Stadtteil geprägt“, meinte er.

Man nehme von „unserem Freund Thomas Nowak“ Abschied, sagte Daniel Forkel, Vorsitzender der Feuerwehr Coburg. Nowak, dessen Tochter eine von Coburgs freiwilligen Helfern ist, sei für ihn und seine Kameraden während dem „schwärzesten Tag“ von Coburgs Feuerwehr Tag und Nacht für die Kameraden da gewesen und habe ihnen Trost gespendet. Während einer Übungsfahrt im Sommer 2017 starb damals ein Kamerad. Er sei ihm noch heute dankbar, dass er sich damals bei ihm habe ausweinen dürfen, erzählte Forkel. Der „Feuerwehrbürgermeister“ habe im September vergangenen Jahrs die Bayerische Feuerwehrehrenmedaille erhalten, erklärte er.

Tieftraurig und erschüttert

Mitmenschen zu helfen habe Nowak für seine politische Arbeit motiviert, sagte SPD-Fraktionsvorsitzender Norbert Tessmer. „Tief getroffen nehmen wir Abschied“, erklärte er im Namen des Stadtverbands der Sozialdemokraten und der Bundespartei. Imponiergehabe und politisches Taktieren seien Nowak, der mehr als ein Vierteljahrhundert lang Sozialdemokrat war, demnach fremd gewesen. Mehr war er laut Tessmer immer da, wenn man ihn brauchte.

Alexander Müller, Vorsitzender der Stadtjugendrings Coburg, zeigte sich „tieftraurig und erschüttert über den zu frühen Tod“ von Nowak, der jahrelang Vorsitzender des Stadtjugendrings war. Er habe dafür gekämpft, dass „Menschen ohne Lobby eine Stimme bekommen“. Müller sagte: „Coburger Jugendarbeit und Thomas Nowak: Das gehört einfach zusammen.“

An den 53-Jährigen wird sich wohl jeder Besucher auf seine Art und Weise erinnern. Letztlich, meinte Pfarrer Röger, seien zwei Stunden doch zu kurz, um dem Leben von Thomas Nowak gerecht zu werden.

Und dann trat an diesem stürmischen Nachmittag noch Lara, Nowaks Tochter, an das Mikrofon neben den bekränzten Sarg ihres Vaters: „Immer wieder habe ich dem Papa meine Reden zum Lesen gegeben, bevor ich sie gehalten habe. Diese hat er nicht mehr gesehen.“