Traum-Abschluss Johanna ist „die Beste“

Helmut Will
Johanna Weiß, in der Landwirtschaft aufgewachsen, liebt Tiere. Hier mit einem Ferkel, welchem sie den Namen „Fridolin“ gegeben hat. Foto: Helmut Will

Die Beste der Realschule Ebern lebt auf einem Bauernhof. In der Landwirtschaft helfen, das ist für die 16-Jährige normal. Dass sie mal Schulbeste werden würde, hat jedoch wohl niemand gedacht, als Johanna Weiß in der sechsten Klasse eine schwere Krankheit überstehen und daheim unterrichtet werden musste.

Der Hof ihrer Eltern liegt an der Dorfstraße von Poppendorf, einem Ortsteil der Gemeinde Rattelsdorf, etwas abseits, leicht versteckt. Nicht verstecken muss sich die 16-jährige Realschülerin Johanna Weiß, die in einer Landwirtschaft aufgewachsen ist. Sie erzielte heuer in der Dr.-Ernst-Schmidt-Realschule in Ebern das beste Ergebnis, wurde mit der Traumnote 1,08 Schulbeste.

Am Hoftor wird man von dem jungen braunen Labrador Australian Shepherd-Mischling „Caesar“ empfangen, der neugierig den Gast beäugt. Mit dabei ihre Mutter Manuela, die auf die schulischen Leistungen ihrer Tochter, insgesamt hat sie sechs Kinder, stolz ist. Johanna ist in Lichtenfels als viertes Kind ihrer Eltern geboren. „Mein bisheriges Leben habe ich hier in Poppendorf verbracht, etwa 60 Einwohner gibt es hier“, erzählt die junge Frau. Besucht hat sie die Grundschule in Ebing und Mürsbach, bevor sie auf die Eberner Realschule wechselte. Ihre Eltern haben einen seit Kurzem zertifizierten Erlebnisbauernhof, auf dem Johanna schon immer als Helferin gefordert war. 132 Hektar groß ist die Landwirtschaft der Familie, Schweinezucht und Mastbetrieb werden hier im geschlossenen System betrieben, wie Mutter Manuela Weiß erklärt. Für Hobbys blieb der 16-Jährigen aufgrund von Schule und der Arbeit auf dem Hof nicht allzu viel Zeit. „Ich lese gerne, aber das war es auch schon“, sagt sie. Mit Jugendlichen im Ort gleichen Alters verstehe sie sich gut und auch aus der Schulzeit gibt es einige Freunde. „Meine Lieblingsfächer in der Realschule waren Mathematik und betriebswirtschaftliches Rechnungswesen“, erklärt die Jugendliche. Wer war denn ihr Lieblingslehrer? Johanna runzelt ihre Stirn, denkt kurz nach und sagt: „Alle Lehrkräfte waren eigentlich recht gut, ich möchte da niemanden herausheben. Sie waren immer für uns da und man konnte mit ihnen, wie auch mit dem Schulleiter Hartmut Weis, immer reden.“ Er sei stets freundlich gewesen und habe immer zugehört, wenn die Jugendlichen mit einem Anliegen zu ihm kamen. Ihr Klassenlehrer war Florian Zimmermann. Doch nicht nur die Lehrer sind ihr in guter Erinnerung geblieben. Besonders geschätzt hat Johanna Weiß auch die Schulkonzerte unter Leitung von Musiklehrer Bernd Schmidt. „Ich selbst war auch im Chor und in der Chorklasse, früher auch im Orchester, wo ich Saxofon spielte, was ich schon in der Grundschule gelernt habe.“ Sie, die im Landkreis Coburg wohnt, wählte Ebern als Schulort, weil die Verbindung dorthin gut war.

Doch jetzt, wo die Schulzeit vorüber ist, gilt es, sich neu zu orientieren. Der Start in die Ausbildungs- und dann in die Berufswelt steht auch für Johanna Weiß bevor. „Ich habe mich entschlossen, Hebamme zu werden. Deshalb besuche ich die Fachoberschule Bamberg.“ Seit dem 1. Januar 2020 muss jeder, der sich für diesen Beruf entscheidet, ein Bachelorstudium absolvieren. Eigentlich wollte die 16-Jährige nicht mehr die Schulbank drücken, aber es sei für den Beruf nun mal nötig. Ihr Wunsch Hebamme zu werden, sei gereift, als sie in einem Krankenhaus ein Praktikum absolviert habe.

Dankbar blickt Johanna auf ihre Schulzeit zurück – warum? Sie wird nachdenklich und sagt: „In der sechsten Klasse musste ich eine schwere Krankheit überstehen, war deshalb lange im Krankenhaus und zu Hause. In dieser Zeit wurde ich in den Hauptfächern von Lehrern zu Haus aufgesucht und ich bekam dort Unterricht.“ Ihr sei von der Schule gut zugearbeitet worden, „das hätte ich, ehrlich gesagt, nicht erwartet. Es hat mir sehr geholfen, dass ich schulisch nicht abgehängt wurde, wofür ich der Schule und meinen Lehrern immer sehr dankbar sein werde.“

Mama Manuela Weiß nickt zustimmend. Alles hat sich gelohnt, was man an Johannas „Traumnote“ von 1,08 sieht. Es sei schon ein tolles Gefühl gewesen, als sie nach und nach aufgrund ihrer Noten realisiert habe, dass sie Schulbeste werden könnte. „Als es endlich fest stand, war die Freude bei mir mächtig“, so Johanna. Ihre Mutter schaut Johanna zufrieden an: „Alle unsere Kinder mussten und müssen in der Landwirtschaft mithelfen. Dass sich Johanna trotzdem so ein tolles Abschlusszeugnis erarbeitet hat, erfüllt mich und meinen Mann mit Stolz.“

Für ein Foto holt Johanna dann noch Ferkel „Fridolin“ aus dem Stall, nimmt es liebevoll in den Arm und streichelt es. Man merkt der 16-jährigen an, dass sie die Landwirtschaft und die Tiere liebt, ebenso den Hofhund „Caesar.“

 

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