Traumgarten in Eigenregie Wie Urlaub vor der eigenen Haustür

Günther Geiling

Silke und Nicole Öchsner haben sich ihren Traum von einem grünen, blühenden Garten erfüllt. Die Neue Presse war von Beginn an dabei – nun ist alles fertiggestellt.

„Lust auf mehr“ verspüren jetzt schon Nicole und Silke Öchsner (von rechts) bei der Ernte aus ihren Hochbeeten und Kreisfachberater Guntram Ulsamer (links) begutachtet die Vielfalt. Foto: / Geiling

Kreis Haßberge - „Ein schöner Garten ist wie Urlaub vor der Haustür – aber einen perfekten Garten anzulegen, ist weitaus schwieriger, als man denkt“, sagen Silke und Nicole Öchsner. Und die beiden wissen genau, wovon sie reden. Vor einem Jahr sind sie in Haßfurt in ihr neues Haus einzogen. Ein Jahr später sitzt das Ehepaar nun bei schönstem Wetter auf seiner Terrasse und blickt auf ihre grüne Oase: „Wir fühlen uns so richtig wohl hier und verbringen bei schönem Wetter jede freie Minute in unserem Garten. Natürlich sind wir stolz, dass wir alles so umsetzen konnten, wie wir es uns vorgenommen hatten.“

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Im Februar 2020 begannen die Bauarbeiten an ihrem Neubau, der in Fertigbauweise erfolgte. Im Juli wurde Einzug gefeiert. Aber auf ihrem Grundstück mit 661 Quadratmetern, abzüglich der Fläche für Haus und Garage, glich das Grundstück immer noch einer Baustelle. Und die galt es, schnell in einen schönen Garten nach eigenen Vorstellungen zu verwandeln. Den Plan des jungen Ehepaares hat die NP in einer kleinen „Gartenserie“ verfolgt (wir berichteten). Im dritten und letzten Teil steht nun ein Fazit an.

„Wir sind beide mit Garten aufgewachsen und wissen auch, dass ein Garten Arbeit macht,“ hatten die Öchsners schon vor einem Jahr festgestellt. Sie hätten sich also nicht mit einem Schottergarten anfreunden können, der ebenso Pflege verlangt, wenn sich Moos und Unkraut ihren Weg suchen und das äußerst mühsame Zupfen zwischen den Steinen zur Sisyphusarbeit ausarten kann.

Carport, Staudenhecken und ein „grünes Wohnzimmer“

Der Plan für den eigenen Wohlfühlgarten beinhaltete unter anderem die Integrierung eines Carports, der vom Gemüsegarten und Hochbeeten nach einiger Zeit eingegrünt sein soll. Dazu zählten auch eine Blumenwiese und Staudenhecken sowie die Verbindung der einzelnen Abschnitte mit einem Rasen, den das tierliebende Paar auch für Hund und Katze braucht. Der Terrasse galt die besondere Aufmerksamkeit, denn sie soll ja im Sommer als „grünes Wohnzimmer“ dienen und etwas entfernt davon der Grillplatz, abgeschirmt zum Nachbargrundstück durch eine Hainbuchenhecke.

Da der Teufel bekanntlich im Detail steckt, gab es noch viele Fragen zu klären, wie etwa zur Beschaffenheit des Bodens, die Möglichkeit eines Hausbaumes oder die Art der Hecke und Stauden. Zum Glück hatte man im Bekanntenkreis die Vorsitzende eines Obst- und Gartenbauvereins, die Schwester, die wertvolle Tipps gab und wie es der Zufall wollte, interessierte sich auch Kreisfachberater Guntram Ulsamer als Geschäftsführer der 77 Gartenbauvereine im Landkreis dafür, wie die „Häuslebauer“ die Gestaltung ihres Gartens angehen. Dass er dabei auch sein reiches Erfahrungswissen einbrachte, war selbstverständlich.

Das Sandbeet: Der Geheimtipp für den pflegearmen Garten

Er ermutigte die Öchsners in unmittelbarer Nähe des Hauseingangs zu einem Sandbeet, über das anfangs die Vorbeigehenden durchaus auch den Kopf schüttelten oder gar ein paar spöttelnde Worte verloren. Auch Silke und Nicole waren anfangs skeptisch. „Wir wurden sogar etwas nervös, weil die Blumen und Pflanzen so langsam wuchsen, aber jetzt sehen wir den Erfolg“, sagt Silke beim Blick auf die blühenden Pflanzen. Kaum vorstellbar für Außenstehende „Sandaufschütten, einpflanzen und fertig!“ Die Pflanzen werden so zu einem starken Wurzelwachstum angeregt, wurzeln bald in die darunterliegende Bodenschicht. Nach dem ersten Anwachsen ist weder Gießen noch Düngen nötig. Der geringe Pflegeaufwand steht für den pflegeleichten Garten.

Ein Ziel von Silke und Nicole Öchsner war es aber auch, möglichst viel in Eigenleistung für den eigenen Garten beizutragen, um die Kosten in einem bestimmten Rahmen zu halten. Bei baulichen Anlagen wie Außenmauern oder Belägen für die Wege war man natürlich auf Hilfe und Geräte angewiesen. Aber darüber hinaus sah man sie oft mit Schubkarren und Spaten in der Hand in ihrem Garten und sie legten bei Hochbeeten und Pflanzen selbst die Hand an oder konnten bei einigen Dingen auch auf Verwandte und Bekannte zurückgreifen.

Trotz Eigenleistung kostet der Traumgarten

Schnell summierten sich nämlich die Kosten für den Carport, dem Terrassenbelag, der Außenmauer und dem Zaun im zweistelligen Tausenderbereich. „Auch das schnelle Grün eines Rollrasens verschlingt schnell 1000 Euro, aber das war es uns wegen unserer Tiere wert. Außerdem habe ich gesehen, dass auch der Rasensamen seinen Preis hat“, betonte Nicole. So konnte man sich mehr auf das Pflanzen der Hainbuchenhecke als Sichtschutz, der Stauden und Auswahl von Blumen und Pflanzen konzentrieren. „Überschlägig sind wir damit bei rund 30 000 Euro angelangt, obwohl wir doch sehr viel Eigenleistung erbrachten“, schätzten sie mit fragendem Blick zueinander.

Aufwendig, so die beiden Frauen, sei natürlich das Anlegen der Wege und Belegen mit Platten gewesen und eine Herausforderung auch die Abgrenzung der Blühflächen mit einer strukturierten Steinmauer. „Wir waren im Herbst fünf bis sechs Wochen jede freie Minute an den Arbeitstagen und die ganzen Wochenenden im Garten, um das alles zu bewerkstelligen und um Geld zu sparen. Sonst wären wir noch wo ganz anders gelandet“, bemerkte Silke. Selbstverständlich habe man auch an das Klima und die Nachhaltigkeit gedacht, wo man mit Auffangbehältern das Regenwasser zum Gießen nutze und auf dem Dach mit Fotovoltaik den eigenen Strom erzeuge.

Fazit nach 16 Monaten: „Wir haben Lust auf mehr“

Was das Ehepaar Öchsner in diesen 16 Monaten geschaffen hat, kann sich wirklich sehen lassen. „Durch unsere Hochbeete haben wir jetzt schon Lust auf noch mehr Garten bekommen und werden hier noch etwas anbauen“, zeigte sich Nicole sicher. Dabei will man an den Pfosten auch Hopfen hochwachsen lassen, um den Carport einzugrünen. Und sicher werde so manche Kleinigkeit noch dazukommen.

Im „Terrassengespräch“ spürte man den beiden Gartenbesitzerinnen an, dass sie mit der Gestaltung ihrer grünen Oase sehr zufrieden sind. Ihr Garten ist ein Stück weit zur Visitenkarte für ihr Haus geworden. Der grüne Garten zeigt ihre persönliche Handschrift, wirkt lebendig mit ruhigen Zonen und kühlt die Luft schon jetzt auch heißen Temperaturen. Ein Quellstein sorgt für ein leises Plätschern. „Das ist echte Entspannung und auch die Pflege und Arbeit im Garten entspannt, wenn wir nach Tomaten und Salat schauen oder Gemüse und Blumen gießen“, meinen beide. „Aber auch Hund und Katze fühlen sich hier sichtlich wohl.“