Nvidia-Chef Jensen Huang setzte jüngst mit dem Argument, dass die USA nicht selbst den Boden für die Entstehung neuer Rivalen bereiten sollten, sogar die Erlaubnis für die Lieferung leistungsstärkerer KI-Chips nach China durch. Doch es bleibt die Frage, ob man in den USA die Europäer überhaupt für fähig hält, konkurrenzfähige Alternativen zu entwickeln.
Weit entfernt von digitaler Souveränität
In Europa wird zwar schon lange über sogenannte digitale Souveränität diskutiert. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron im Herbst machten bei einem Digitalgipfel in Berlin einen neuen symbolischen Vorstoß dafür. Aber von Unabhängigkeit von den USA - wenn so etwas überhaupt erreichbar ist - ist Europa weit entfernt. So verhallten etwa Versuche, eine europäische Suchmaschine als Alternative zu Google zu etablieren, bei den Nutzern.
Merz kündigte an, bei der Beschaffung von Technologie stärker auf europäische Produkte zu setzen. Die Bundesverwaltung werde dies noch viel stärker tun. "Wir machen den Staat zum Ankerkunden für souveräne Arbeitsmittel in der öffentlichen Verwaltung."
Als Vorreiter in Deutschland gilt Schleswig-Holstein. Das Bundesland im Norden ersetzt in der Verwaltung bereits Microsoft-Programme wie Outlook, Excel oder Word durch andere Systeme. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) warb am Mittwoch in der ZDF-Sendung "Markus Lanz" noch einmal dafür. "Wir sind das einzige Bundesland, wahrscheinlich weltweit das einzige Land, was alles aus Landesbehörden rausgeschickt hat, was mit diesen Tech-Konzernen verbunden ist, damit wir von denen nicht mehr infiltriert werden", sagte der CDU-Politiker und sprach sich gleichzeitig für ein Social-Media-Verbot für unter 16-Jährige aus, wie es in Australien gilt.
"Komplett abhängig"
Von Experten bekommt der bisherige Fortschritt schlechte Noten. "Deutschland ist in Verwaltung und Wirtschaft komplett abhängig von amerikanischen Digital-Unternehmen", sagt etwa der ehemalige Direktor des Hasso-Plattner-Instituts, Christoph Meinel. Dass im wirtschaftlichen Wettbewerb die besten Tools eingesetzt werden, sei jahrelang kein Problem in der freien Welt gewesen. "Im Zeitalter von Trump ist darauf aber kein Verlass mehr."
Auch BHT-Experte Weis äußert sich skeptisch mit Blick auf die europäischen Handlungsoptionen: "Die schon lange bestehenden tiefgreifenden Eingriffsmöglichkeiten der US-Behörden versuchte die EU, über rechtliche Rahmenverträge zu beschränken. Die geschlossenen Digitalvereinbarungen werden von der aktuellen US-Regierung als wenig bindend angesehen und nun ganz zur Disposition gestellt."