Tüschnitz Sein Anbeginn eine ganz besondere Wehr

Am Wochenende feiern die Tüschnitzer Floriansjünger mit allem Pipapo ihr 125. Gründungsfest. Dabei können sie auf eine bewegte Geschichte zurückblicken.

Die Tüschnitzer Wehr konnte bereits 1950 einen gebrauchten Mannschaftstransportwagen und einen Anhänger mit einer TS 8 vorweisen und war damit eine der wenigen Wehren im Landkreis Kronach, die zu dieser Zeit als vollmotorisiert bezeichnet werden konnte. Foto: privat

Mit einem bunten Programm wartet die Feuerwehr Tüschnitz zu ihrem 125. Gründungsjubiläum an diesem Wochenende auf. Ein Höhepunkt wird sicherlich dabei der Festzug durch den Küpser Gemeindeteil werden, zu dem 25 Gruppen gemeldet sind. Nach dem Bieranstich am Samstag, 5. Juli,sorgen die Wickendorfer Musikantenfür Stimmung. Der Sonntag steht ganz im Zeichen der Feuerwehr.

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Nach der Totenehrung am Ehrenmal gestaltet Pfarrer Jochen Pickel den Zeltgottesdienst. Beim Festkommers stehen der Rückblick auf die bewegte Vereinsgeschichte und die Ehrungen langjähriger Mitglieder im Mittelpunkt. Den Festnachmittag gestalten „Brass`d scho“, die in der Marktgemeinde mittlerweile Kultstatus genießen.

Ein einzigartiges Jubiläum im Landkreis

Die Feuerwehr Tüschnitz ist die einzige der Wehren im Landkreis Kronach, die heuer auf ein 125-jähriges Bestehen zurückblicken kann. Wenn auch die Tüschnitzer Wehr damit zu den jüngeren Feuerwehren in der Region zählt, kann sie dennoch auf eine große Tradition verweisen. Am 19. Februar 1900 hatten 27 Tüschnitzer mit ihrer Unterschrift im Protokollbuch, das heute noch im Original vorhanden ist, den heute ältesten Tüschnitzer Verein aus der Taufe gehoben.

Die Rahmenbedingungen in den Gründerjahren waren zweifellos schwierig: Es fehlten die finanziellen Mittel. Trotzdem zeugt die „Stamm-Liste“, die offenbar 1914 angelegt wurde, von einer funktionierenden Wehr. Selbst während der Kriegsjahre 1914 bis 1918 traten zahlreiche Männer in die Wehr ein. 1930 beschloss der Tüschnitzer Gemeinderat schließlich den Kauf einer modernen Saug- und Druckspritze. Die Aufbauarbeit der 30er Jahre unter Kommandant Kaspar Zapf wurde durch den Zweiten Weltkrieg jäh unterbrochen. Eine Besonderheit der Kriegsjahre war der Einsatz von Frauen in der „weiblichen Hilfstruppe“, die im Dienstbuch erstmals 1943 vom Kommandant Georg Wagner erwähnt wird.

„Weibliche Hilfstruppe“

Eine steile Aufwärtsentwicklung machte die Wehr in den Nachkriegsjahren. Als Kommandant lenkte Georg Zapf von 1950 bis zu seiner Wahl zum Kreisbrandrat die Geschicke. In dieser Zeit entwickelte sich die Wehr zu einer gut ausgerüsteten Truppe. Für seine Verdienste wurde Georg Zapf 1973 zum Ehrenkommandant ernannt. Von 1958 bis 1983 gehörte er der Kreisbrandinspektion an, davon von 1973 bis 1983 als Kreisbrandrat.

Bereits 1950 konnte die Wehr einen gebrauchten Mannschaftstransportwagen und einen Anhänger mit einer TS 8 vorweisen und war damit eine der wenigen Wehren des Landkreises, die zu dieser Zeit als vollmotorisiert bezeichnet werden konnte. Später folgte der Bau eines Schlauchtrockenturms in Eigenleistung, der offene Mannschaftstransportwagen wurde gegen ein geschlossenes Feuerwehrfahrzeug ausgetauscht und 1957 folgte die Alarmierung per Sirene.

Gut gerüstet

Ein Meilenstein in der Geschichte der Feuerwehr war die Fahnenweihe 1960 und die Einweihung des Ehrenmals, das die Gemeinde Tüschnitz errichtete. Mit dem Bau der Wasserleitung 1963 konnten die Löschwasserverhältnisse entscheidend verbessert werden. Der Bau des Mehrzweckhauses 1966 ermöglichte eine vorbildliche Unterbringung der Wehr. Mit der Anschaffung eines neuen Fahrzeugs im Jahr 1981 und einer neuen Pumpe 1987 war die Feuerwehr entsprechend gut ausgestattet.

Deutlich mehr Einsatzmöglichkeiten hat die Feuerwehr dank des Mehrzweckfahrzeugs, das 2004 gekauft wurde. Mit der Erweiterung des Gerätehauses wurden zudem 2006 gute räumliche Bedingungen geschaffen. Über ihre Einsatzbereitschaft hinaus brachten sich die Aktiven auch ehrenamtlich bei der Dorferneuerung ein. In den letzten 25 Jahren standen Joachim Zapf, Georg Kreul, Remo Trutschel und Stefan Mayer an der Spitze des Vereins, der sich mit seinen Veranstaltungen stark im Dorfgeschehen einbringt.

Seit 2024 ist Matthias Rebhan Vorsitzender, der für die Festvorbereitungen verantwortlich zeichnet. Als Kommandant ist Sven Gaertig seit nunmehr seit zwölf Jahren federführend. Stolz sind die Tüschnitzer Wehrleute auch auf die Freundschaft zu den Feuerwehrleuten aus der Küpser Partnerstadt Plouay, die zum Fest mit einer 17 Personen starken Abordnung aus der Bretagne anreisen.

Größter Verein im Ort

Die Freiwillige Feuerwehr Tüschnitz als größer Verein im Ort zählt derzeit 150 Mitglieder. Rund 20 Wehrleute, darunter sieben Frauen, leisten aktiven Dienst. Dank der Unterstützung durch die Marktgemeinde konnte die Wehr kürzlich mit neuen Schutzanzügen ausgestattet werden..