U-18 Wahlen Coburg So wählt die Jugend

Noch nie gab es so viele Wahllokale in Stadt und Landkreis Coburg und war das Ergebnis so überraschend.

Lioba Stadler (17) an der Wahlurne. Sie beschäftigt sich schon seit ihrem 14. Lebensjahr mit Politik. Foto: privat

Coburg - Zwischen 15. und 17. September haben 1741 Kinder und Jugendliche im Stadt- und Landkreis Coburg ihre Stimme bei der U18-Bundestagswahl abgegeben. Die Ergebnisse aus den 19 Wahllokalen stehen nach Auszählung aller Stimmen fest und die Ergebnisse sind so knapp, dass die Auswertung mit besonderer Sorgfalt mehrfach überprüft werden musste, wie es in einer Mitteilung der U18-Wahlorganisation heißt.

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Starke Unterschiede von Stadt und Land

Dabei gingen die meisten Zweitstimmen an die Grünen mit 19,7 Prozent, dicht gefolgt von der CSU mit 19,2. Die SPD erhielt 16,4 Prozent, die FDP 11,9 und die AFD 6,7. Herausstechend war auch das Ergebnis einer kleineren Partei, der Tierschutzpartei mit 6,3 Prozent vor Die Linke mit 5,9 Prozent. Weitere 13,9 Prozent gingen an sonstige Parteien. Betrachtet man die Ergebnisse von Stadt und Land separiert, so fällt auf, dass die Kinder und Jugendlichen aus der Stadt Coburg mit 29,03 Prozent die Grünen deutlich vor die zweitplatzierte CSU mit 16,26 gewählt haben. Im Landkreis hingegen konnte sich die CSU mit 21,58 Prozent deutlich vor der zweitplatzierten SPD mit 16,74 und drittplatzierten Grünen mit 12,53 Prozent positionieren. So sah es auch im Landkreis Kronach aus, auch wenn die Wahlbeteiligung von nur 52 die Meinung der Jugendlichen nur schwach abbilde, bemerkt Lisa Gratzke von der kommunalen Jugendpflege des Landkreises.

Bei den Erststimmen führt Ramona Brehm

Die Verteilung der Erststimmen zeigt hingegen ein anderes Ergebnis: Mit Ramona Brehm (SPD) konnte mit 21,82 Prozent die meisten Stimmen für sich gewinnen, dicht gefolgt von Jonas Geissler (CSU) mit 21,70, und Johannes Wagner (Grünen) mit 18,79 Prozent. Jens-Uwe Peter (FDP) erhielt 9,5, Sebastian Görtler (AFD) 6,4, Tim Ströhlein (Die Partei) 5,5 und Ulf Wunderlich (Die Linke) 5,1 Prozent. Dagegen konnten weder Rainer Möbus (Freie Wähler, 4,2 Prozent), noch Tristan Wolf (ÖDP, 2,9), Nicole Fredriksen (die Basis 2,6), Andre Wächter (BP, 0,8) oder Stefan Engel (MLPD, 0,8) mehr als fünf Prozent bekommen.

Der Unterschied zwischen Brehm (SPD) und Geissler (CSU) beträgt lediglich zwei Stimmen, was 0,12 Prozent ausmacht. Hätten hingegen nur die Kinder und Jugendlichen der Stadt Coburg gewählt würde Wagner (Grüne) mit 27,28 Prozent deutlich Spitzenreiter, gefolgt von Brehm (SPD, 22,04) und Jonas Geissler (CSU, 17,88). Im Kontrast hierzu wären es im Landkreis Coburg 24,73 Prozent für Geissler, 21,64 für Brehm und 12,05 für Wagner.

1741 Jugendliche haben mitgewählt

„Die U18-Bundestagswahl zeigt einmal mehr: Kinder und Jugendliche interessieren sich für Politik und wollen ihre Meinung vertreten“, erklärt Cody Axtman vom Arbeitskreis „Die Couch kommt“. Gerade in der Corona-Pandemie sei deutlich geworden, dass Kinder und Jugendliche mit ihren Interessen und Bedürfnissen von Entscheidungsträgern nicht oder nicht ausreichend wahrgenommen werden. Besonderer Dank gelte den ehrenamtlichen Wahlhelferinnen und Wahlhelfer, die überwiegend selbst noch zur Zielgruppe der U-18 Wahlen gehören und ein hohes Maß an politischen Interesse gezeigt haben.

Die große Zahl an jungen Wählern bei der U18-Wahl gibt der Forderung des Bayerischen Jugendrings (BJR), das Wahlalter auf 14 Jahre zu senken, neues Gewicht. Die Altersgrenze bedeutet eine strukturelle Benachteiligung von Kindern und Jugendlichen. Der Arbeitskreis „Die Couch kommt“ hofft, dass die Politik die Bedürfnisse junger Menschen nach der U18-Wahl und den Bundestagswahlen besser in ihre Entscheidungen einbezieht.