Ukrainische Mutter in Kronach „Für uns gab es nur die Flucht“

Rainer Glissnik
Maryna Sylzun (mit Peter Witton, der aus dem Englischen übersetzte) ist mit ihren beiden Kindern in Ludwigsstadt gut aufgenommen worden. Sie schilderte, wie der Entschluss zur Flucht fiel und wie sehr sie sich um Ehemann, Bruder und Vater sorgt. Foto: /R. Glissnik

Maryna Sylzun wohnt mit ihren Kindern inzwischen in Ludwigsstadt. Auf der Friedenskundgebung in Kronach erzählt sie von ihrer Angst, aber auch von ihrer großen Dankbarkeit.

Die Friedenskundgebung in Kronach ist auf große Resonanz gestoßen. Dabei sprach auch eine junge ukrainische Mutter, Maryna Sylzun, die nach ihrer Flucht vor den Bomben inzwischen in Ludwigsstadt wohnt. „Der 24. Februar veränderte alles“, erzählt sie. „Wir waren sehr verängstigt und wussten nicht, was wir tun sollten. Wir wollten unser Haus nicht verlassen. Sirenen und Alarme, dazu Explosionen machten uns deutlich, unsere Heimatstadt Kiew verlassen zu müssen. Wir konnten nicht lange darüber sprechen und ich konnte meinem Ehemann nicht wirklich Auf Wiedersehen sagen. Für mich und meine Kinder gab es nur die Flucht. Meine Kinder schrien und baten zu bleiben. Ich erklärte ihnen, dass wir unbedingt gehen müssen, aber dass der Vater dableiben musste.“

Maryna Sylzun kam vor nicht einmal zwei Monaten in Bayern an, inzwischen spricht sie schon etwas Deutsch. Englisch spricht die Ukrainerin Sylzun hervorragend und so übersetzte Peter Witton, was die junge Mutter, deren Kinder fünf und sechs Jahre alt sind, berichtete. „Es war wirklich hart, meinen Mann zurückzulassen und wegzugehen“, versucht sie das in Worte zu fassen, was eigentlich nicht in Worte zu fassen ist. Sie habe wählen müssen. Entweder in der Ukraine zu bleiben und sich und ihre Kinder in einem Bunker zu verstecken – oder die Kinder in Sicherheit zu bringen, was wiederum bedeutete, sie von ihrem Vater wegzubringen.

Zweite Heimat Ludwigsstadt

Neben ihrem Ehemann seien auch noch ihr 53-jähriger Vater und 21-jähriger Bruder in der Ukraine geblieben, verteidigten in der Armee ihr Land. Sie sei stolz auf die Männer, sagt sie. Aber sie habe jede Minute auch Angst um sie. Und noch etwas treibt sie um: Sie hätte in der Westukraine auch ihre beiden geliebten Katzen bei Freunden zurücklassen müssen. „Meine Kinder vermissen auch unsere Haustiere sehr.“ Immerhin sei man jetzt sicher. Ausdrücklich dankte sie der Familie in Ludwigsstadt, die sie aufgenommen hat. Kronach und Ludwigsstadt seien ihr eine zweite Heimat geworden. Die Kinder würden hier bereits die Schule und den Kindergarten besuchen. „Danke an alle deutschen Leute. Danke, dass wir in ihrem Land aufgenommen sind. Sie sind unsere wahren Freunde.“ rg

 

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