Gegen Pius' Seligsprechung, die Papst Johannes Paul II. für das Jahr 2000 geplant hatte, protestierten Israel und der Zentralrat der Juden.
Die israelische Regierung und die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem begrüßten nun die angekündigte Öffnung des Archivs. Das American Jewish Committee (AJC) nannte den Schritt "für die katholisch-jüdischen Beziehungen enorm wichtig". Rabbi David Rosen, Internationaler Direktor für Interreligiöse Angelegenheiten beim AJC, sagte, es sei besonders wichtig, dass Experten der führenden Holocaust-Gedenkstätten in Israel und den USA die Aufzeichnungen auswerteten.
Für den Nazi-Jäger Efraim Zuroff müssen nun zwei zentrale Fragen geklärt werden: "Die erste ist, welche Informationen erhielt der Vatikan in Bezug auf Holocaust-Verbrechen, und die zweite ist, wann erreichten Pius XII. diese Informationen?", erklärte der Direktor des Wiesenthal-Zentrums. Der Papst habe Vertreter in vielen Ländern gehabt, in welchen die Juden verfolgt wurden.
Die Göttinger Zeithistorikerin Petra Terhoeven sprach im "Kölner Stadt-Anzeiger" von einem "überfälligen Schritt". "Damit wird es endlich möglich, alle Behauptungen über Pius XII. auf eine sachliche Grundlage zu stellen und die seit langem umstrittenen Fragen quellenbasiert beantworten zu können: Was wusste der Papst über die Judenvernichtung? Warum hat er nicht mehr dagegen getan?" Die bisherige Praxis des Vatikans, nur ausgewählten Forschern Aktenzugang zu gewähren, besonder jenen, die mit dem Verfahren zur Seligsprechung von Pius XII. betraut seien, nannte sie eine unwürdige Geheimniskrämerei.