Umwelt Illegaler Müll: Faulheit zu Lasten der Steuerzahler

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Sperrmüll liegt in einem Waldstück. Foto: Sebastian Kahnert/dpa/Archivbild

Jedes Jahr müssen Kommunen und Kreise tonnenweise illegal in die Gegend geworfenen Müll entsorgen. Darunter sind auch Abfallsorten, die eigentlich kostenlos in den Wertstoffhöfen abgegeben werden können.

Erfurt (dpa/th) - Für die Thüringer Kommunen ist illegal weggeworfener Müll ein ständiges Ärgernis - in einigen Kommunen hat sich das Problem in den vergangenen Jahren deutlich verstärkt. "Für unsere kommunalen Entsorger ist es unverständlich, wie viele Abfälle unnötig in die Natur gebracht werden", erläuterte Stefanie Braune, Sprecherin der Stadt Jena, in einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Im vergangenen Jahr habe die Abfuhr von insgesamt rund 100 Tonnen illegalen Mülls in Jena mit etwa 40 000 Euro zu Buche geschlagen - viermal so viel wie im Jahr 2018.

Besonders ärgerlich sei das bei Sperrmüll, Elektrogeräten und Glasflaschen. Denn die reguläre Entsorgung dieser Müllarten sei für die Haushalte kostenlos.

Ähnlich ist die Entwicklung in Gera: Die Zahl der Fälle illegaler Müllentsorgung habe sich einem Sprecher zufolge seit 2016 auf knapp 500 verdoppelt. Auch in Heiligenstadt haben sich die illegalen Müllmengen deutlich gesteigert, wie es von einem Sprecher der Stadt hieß. In Erfurt wurden vom Bürgeramt etwa 800 Fälle von widerrechtlichen Ablagerungen bearbeitet.

In Weimar, Erfurt, Sonneberg sowie im Kreis Nordhausen und im Unstrut-Hainich-Kreis ist zwar kein eindeutiger Trend erkennbar. Die Mengen variierten jedes Jahr, hieß es. Doch auch hier verursachten die wilden Müllkippen regelmäßig unnötige und teils hohe Kosten. So wurden in Weimar einem Sprecher zufolge im vergangenen Jahr 292 illegale Müllhalden geräumt. Neben Sperrmüll und Autoteilen habe sich darunter auch etwa eine Tonne Asbestplatten befunden. Insgesamt habe sich die Arbeitszeit für die Entsorgung auf 122 Stunden summiert.

Im Kreis Nordhausen wurden 2021 rund 48 Tonnen illegalen Mülls gesammelt. Darunter waren etwa drei Lastwagen-Ladungen mit Dämmmaterialien. Etwa die gleiche Menge fiel auch im Unstrut-Hainich-Kreis an, Entsorgungskosten: rund 80.000 Euro. Unter den Verursachern gebe es Wiederholungstäter, hieß es von der Kreisverwaltung. Ein Müllsünder in der Landgemeinde Vogtei deponiere regelmäßig mehrere Säcke mit benutzten Erwachsenenwindeln im Gemeindegebiet.

Im Mühlhäuser Stadtwald mussten im vergangenen Juli drei Mitarbeiter einen Arbeitstag investieren, um die Einfahrten zum Wald von Müll zu befreien. Solche Einsätze seien regelmäßig erforderlich, hieß es.

"Falsche Bequemlichkeit und Kosteneinsparung sind Hauptmotive für derlei rechtswidriges Verhalten", erklärte Michael Volk, Sprecher des Kreises Sonneberg. "Dabei sind die Entsorgungskosten oft wirklich marginal und für jeden erschwinglich." Weil meist wenig frequentierte oder schlecht einsehbare Orte für die Ablagerung genutzt würden, sei die Aufklärungsquote gering.

Obwohl in allen Kommunen die Mitarbeiter der Ordnungsämter ein Auge auf illegalen Müll haben, sind diese für die Nachverfolgung oft auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen - und auf Appelle an die Vernunft der Einwohner. So wurden im Mühlhäuser Stadtwald an rund 50 Stellen Schilder angebracht, die auf das Problem aufmerksam machten.

Die Suche nach Augenzeugen oder Hinweisen bleibe aber häufig erfolglos, so Annett Blumrodt vom Fachdienst Bau und Umwelt im Unstrut-Hainich-Kreis. In dem Kreis konnten nur für etwa zehn Prozent von fast 1200 Fällen Verursacher gefunden werden. Im Fall von illegal im Wald abgelagerten Asbestplatten habe die Polizei eine Betrügerbande als Verursacher ermitteln können, das sei aber die Ausnahme.

Werden Verursacher gefunden, werden sie in der Regel verpflichtet, den Unrat wieder wegzuräumen. Alternativ übernehmen die Kommunen auf Kosten der Verursacher die Räumung. Außerdem werden Bußgelder verhängt.

Einen direkten Zusammenhang zwischen sich häufenden Fällen mit den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie sehen die Kommunen nicht: So seien in Jena die Wertstoffhöfe durchgehend geöffnet gewesen - die illegale Entsorgung habe trotzdem zugenommen. Die Landesforstanstalt allerdings hat eine Zunahme des Problems während der Pandemie festgestellt. Grund seien die erhöhten Besucherzahlen gewesen, erklärte der Sprecher von Thüringenforst, Horst Sproßmann. "Illegale Müllablagerungen müssten dort besonders schnell entsorgt werden, da diese erfahrungsgemäß als Kristallisationspunkt für weitere Müllablagerungen dienen."

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