Unfälle auf der A 73 Darum kracht es so oft zwischen Coburg und Eisfeld

Jessica Helbig , aktualisiert am 27.01.2022 - 12:00 Uhr

Auf der A73 zwischen Coburg und Eisfeld kommt es im Winter oft zu Verkehrsunfällen. Das hat mehrere Ursachen, sagt Verkehrspolizist René Miritz. An einer Lösung für das Problem wird zur Zeit gearbeitet.

A73/Landkreis Coburg - Autounfälle sind gerade im Winter keine Seltenheit. Doch was letzte Woche Donnerstag und Freitag auf der A 73 zwischen den Ausfahrten Coburg und Eisfeld-Süd geschah, sucht in der jüngeren Unfallstatistik der Verkehrspolizei Coburg seinesgleichen. Gleich zwei Unfallserien ereigneten sich dort binnen 48 Stunden. Die Bilanz: Sechs kaputte Fahrzeuge und ein Gesamtschaden von über 50 000 Euro.

Immer wieder kracht es auf dem Autobahnabschnitt, der Bayern mit dem Nachbarbundesland Thüringen verbindet, und zwar vor allem in der Winterzeit. In den Jahren 2019 bis 2021 registrierte die Verkehrspolizei dort 31 Unfälle, die witterungsbedingt durch Glätte, überfrierende Nässe oder Starkregen verursacht wurden. Ums Lebens gekommen ist dabei zum Glück noch niemand. Aber warum entschärft es Lkw- und Autofahrer gerade auf diesem Autobahn-Abschnitt so oft?

René Miritz, Leiter des Sachgebiets „Zentrale Verkehrsaufgaben“ bei der Coburger Verkehrspolizei, befasst sich schon seit längerem mit dieser Frage. „Es ist tatsächlich auffällig, dass auf der A73 von etwa Höhe Mirsdorf bis zur Landesgrenze viele Glätteunfälle passieren“, sagt er. Seine These: Es liegt am Zusammenspiel mehrerer Faktoren, dass es gerade dort so oft kracht. Einer davon sei der Untergrund. Etwa von Mirsdorf bis kurz vor der thüringisch-bayerischen Landesgrenze liegt auf der Autobahn eine Betondecke, davor und danach ist es Asphalt.

Zu den Eigenschaften von Betonbelägen gehört, dass sie langlebiger und robuster sind. Doch sie kühlten auch schneller aus und seien damit anfälliger für Straßenglätte, erklärt René Miritz. Dazu kommt dann noch das sich verändernde Höhenprofil in diesem Autobahnabschnitt. Das sorgt nicht nur dafür, dass Fahrzeuge stärker beschleunigen oder abbremsen müssen. Es hat auch unterschiedliche Witterungsverhältnisse zur Folge.

Wer im Winter von Coburg Richtung Suhl fährt, kennt das: Rund um die Vestestadt sind Felder und Wiesen noch frei, aber auf den Höhen kurz vor der Eisfelder Ausfahrt liegt bereits Schnee. So mancher Autofahrer, ist der Verkehrspolizist überzeugt, denkt diese Witterungsveränderungen jedoch nicht mit – besonders, wenn er vielleicht schon eine weitere Strecke zurückgelegt hat und aus einer eher schneearmen Region aufgebrochen ist. „Es ist sehr viel, was da zusammenkommt“, schlussfolgert der Verkehrspolizist.

Nicht nur bei der Coburger Verkehrspolizei, auch bei der zuständigen Autobahndirektion weiß man um die „Problemstelle“ zwischen Coburg und Eisfeld. „Es ist uns bekannt, dass es auf der A73 im Bereich zwischen der Anschlussstelle Eisfeld-Süd und der Anschlussstelle Coburg zu einer gewissen Auffälligkeit hinsichtlich der Anzahl von Glätteunfällen gekommen ist“, teilt die Niederlassung Nordbayern der Autobahn GmbH des Bundes auf Anfrage der Neuen Presse schriftlich mit. Man suche bereits nach einer zeitnahen Lösung. „Mit der Polizei und unserer Außenstelle Bayreuth, die die Aufgabe der Straßenbaubehörde wahrnimmt, beraten wir zur Zeit, welche Maßnahmen geeignet sind hier für Abhilfe zu sorgen und wie wir diese zeitnah umsetzen können“, heißt es weiter.

Die Coburger Verkehrspolizei hat der Autobahn GmbH bereits einen Lösungsvorschlag unterbreitet: „Unser Vorschlag wäre, eine situative Verkehrszeichenanlage zu installieren“, sagt René Miritz. Diese könnte die Witterungsbedingungen messen und entsprechend der aktuellen Wetterlage auf elektronischen Anzeigetafeln Hinweise geben. Wenig hält Miritz dagegen von Blechschildern, die dauerhaft am Straßenrand stehen. „Das wirkt nicht“, ist er überzeugt. Gerade Pendler würden solche Schilder übersehen.

Ob sich der Vorschlag der Polizei durchsetzt, bleibt abzuwarten. Er werde bei den aktuellen Überlegungen berücksichtigt, heißt es vonseiten der Autobahn GmbH. Gleichwohl werde aber auch geprüft, ob es kostengünstigere Alternativen gibt.

Trotz aller (elektronischer) Hinweise, die auf der A73 in Zukunft vor Schnee und Glätte warnen könnten: Bei den Ursachen für die vielen Unfälle allein auf die Umstände zu verweisen, ist der Coburger Polizei zu wenig. „Die Verkehrsteilnehmer haben auch eine Eigenverantwortung“, sagt René Miritz. „Sie sind laut Straßenverkehrsordnung verpflichtet, ihre Geschwindigkeit an die Witterungsbedingungen anzupassen.“

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