Im Schnitt zweieinhalb Wildunfälle täglich
Wegen seiner ländlichen Struktur und topografischen Gegebenheiten liegt der Landkreis Haßberge bei den Wildunfällen traditionell an der Spitze der Statistiken. So auch im Jahr 2021, für das die Polizeidienststellen Haßfurt und Ebern insgesamt 938 Unfälle vermelden. Während die bayernweite Steigerung jener Unfälle mit Reh, Hase oder Wildschwein lediglich 8,38 Prozent betrug, waren es in den Haßbergen 17,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor.
Mit verantwortlich dafür sind laut Polizei und Jagdexperten: die Wetterveränderung mit der extremen Witterung im Sommer 2021 als Hauptunfallursache, intensive Landwirtschaft mit Bewirtschaftung bis in die Randbereiche sowie hoher Freizeitdruck des Wildes. Gemeint ist hier, dass fast 24 Stunden am Tag Spaziergänger, Freizeitsportler oder auch Hundebesitzer im Rückzugsraum des Wildes unterwegs sind, was auch zu einem vermehrten Wildwechsel führt.
Seit 2015 nehmen die Wildunfälle bei den Präventionsmaßnahmen im Landkreis besonderen Raum ein. Bauliche Maßnahmen oder verkehrsrechtliche Anordnungen könnten bestenfalls mittelfristig erfolge bringen, heißt es. „Den größten Erfolg verspricht hier immer noch die Sensibilisierung der Bevölkerung mit Hinweisen auf deutliche Geschwindigkeitsreduzierung in relevanten Bereichen, insbesondere zur Dämmerung und zur Nachtzeit“, so die Polizei.
Eine für diesen März geplante öffentlichkeitswirksame Aktion, bei der an neu erkannten Unfallschwerpunkten Geschwindigkeitsmessungen stattfinden sowie Verkehrsteilnehmer gezielt über die Unfallproblematik informiert werden, musste ausfallen, soll aber im Herbst nachgeholt werden.
Alkohol, Drogen und Discofahrten
Endlich eine gute Nachricht: Wenigstens die Fallzahlen im Bereich der Alkoholunfälle haben sich verbessert. Wurden im Jahr 2020 noch 26 Trunkenheitsunfälle aktenkundig, waren es im Jahr 2021 nur 21. Auch hier setzt die Polizei in den Haßbergen weiterhin auf Kontrolle wie auf Prävention. Auch bei Drogen im Straßenverkehr gab es einen Rückgang: In nur noch drei (Vorjahr: sieben) aktenkundigen Verkehrsunfällen war 2021 der vorausgegangene Konsum berauschender Mittel ursächlich.
Allerdings bleiben jene Alkohol- und Drogenfahrten, die ohne schwerwiegende Folgen blieben, weiter auf hohem Niveau: Die Beamten in Haßfurt und Ebern hatten 100 Trunkenheitsfahrten und 89 Fahrten unter Drogeneinfluss bei ihren Kontrollen aufgedeckt. „Dass die Zahl der festgestellten Drogenfahrten im Landkreis Haßberge inzwischen schon nahezu die Zahlen der Trunkenheitsfahrten erreich hat, liegt wohl an dem geschulten Auge der Ordnungshüter und an der deutlich leichteren Verfügbarkeit der verbotenen Substanzen“, mutmaßt Verkehrsexperte Stefan Scherrer.
Trotz der coronabedingt (mangels Veranstaltungen und Discoöffnungen) weniger Fahrten von jungen Menschen zu nächtlicher Stunde quer durch den Landkreis, gab es 2021 gleich drei Verkehrsunfälle mit vier Verletzten in der Kategorie der sogenannten „Freizeitunfälle“.
Insgesamt stiegen die Unfallzahlen bei der Gruppe der „jungen Erwachsenen“ (18 bis 24 Jahre) im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 15,5 Prozent von 155 Unfälle auf 179. In diesem Zusammenhang werben die Beamten für das begleitete Fahren, bei dem bereits 17-Jährige in Begleitung Erfahrung auf den Straßen sammeln können. Sie seien später nur selten an Verkehrsunfällen beteiligt.
Zweiradfahrer leben gefährlich
Die Zahl der Unfälle, an denen Motorradfahrerinnen und -fahrer beteiligt waren, ist in Unterfranken im Jahr 2021 auf 796 gestiegen. Im Jahr zuvor registrierte die Polizei 761 Unfälle. Auch in den Dienststellenbereichen Haßfurt und Ebern geht die Zahl nach oben: 2021 registrierten die Beamten hier insgesamt 73 Unfälle mit 83 Verletzten und einem Getöteten, im Vorjahreszeitraum waren es 53 Unfälle (43 Verletzte) mit Beteiligung motorisierter Zweiräder. Deren Anteil an schuldhaft verursachten Unfällen stieg nach Angaben der Polizei auffällig um 84 Prozent von 25 auf 46 Unfälle. Bei 20 Unfällen waren die motorisierten Zweiradfahrer alleinbeteiligt. „Konnten in dieser Unfallkategorie in der Vergangenheit noch die Einschränkungen des Lockdown als Rückgang der Unfallzahlen angeführt werden, so kommt in diesem Berichtszeitraum der Wegfall des Lockdowns in umgekehrter Form zur traurigen Geltung“, heißt es im Polizeibericht. Bewährt hätten sich jedoch die Verkehrsberuhigungsmaßnahmen am Hambach: Am einstigen Unfallschwerpunkt gab es 2021 keinen einzigen Verkehrsunfall.
Auch die nicht-motorisierten Zweiradfahrer bereiten den Beamten Kopfzerbrechen – weiterhin hoch ist die Quote der durch die Radler schuldhaft verursachten Unfälle von 70 Prozent. Besonders erschreckend sei zudem, dass von den 78 verletzten Radfahrern 38 keinen Helm getragen hätten: Beunruhigend vor allem deshalb, weil es sich bei nahezu zwei Dritteln der erlittenen Verletzungen Kopfverletzungen handelt.
Eine Ursache im Anstieg der Unfallzahlen sieht die Polizei in der zunehmenden Nutzung von E-Bikes und Pedelecs: Deren Anteil an Verkehrsunfällen beträgt mittlerweile 36 Prozent.