Unser Dorf hat Zukunft Nassach sichert sich den Sieg

Martin Schweiger

Nassach hatte sich beim diesjährigen Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ beworben. Bürgermeister Möhring führte die Gäste bei einem Rundgang durch das Dorf. Schon die erste Bewertung durch die Jury fiel positiv aus.

Die Jury vor dem Anwesen „Christiansen“. Foto: Martin Schweiger

Aidhausens Ortsteil Nassach war heuer einer von fünf Kandidaten beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Dabei waren weiterhin Wiesenbronn und Effeldorf im Landkreis Kitzingen, Westerngrund im Landkreis Aschaffenburg und Moos im Landkreis Würzburg. Am Mittwoch besuchte die Bewertungskommission den 250-Seelen-Ort in der Haßgau-Toskana.

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Dass Nassach durchaus ein Dorf mit Zukunft ist, versuchte Bürgermeister Dieter Möhring der Jury bei einem Rundgang durch den Ort zu verdeutlichen. Sinnigerweise startete der Rundgang im Süden des Ortes am Nassach-Bach, der dem Ort auch seinen Namen gibt. Zusammen mit dem Ellertshäuser See wurde der Nassacher See in den 1950er Jahren aufgestaut, beide damals noch im Landkreis Hofheim gelegen. Der Nassacher Stausee wurde ursprünglich als reiner Beregnungssee angelegt. In dieser Funktion kann er auch heute noch 97 Grundstücke in Nassach vor Brand schützen und zehn Prozent der Ackerflächen bewässern. Mittlerweile ist der See als Angel- und Badesee beliebt. Die Nassach entspringt in Ortsnähe und versorgt das Dorf mit Trinkwasser.

Weitere Stationen waren der Heldenhain, ein Park mit einem Kriegerdenkmal, sowie der Friedhof, der seit dem Jahr 1668 außerhalb des Kernortes liegt. In der Ortsmitte verwies Bürgermeister Möhring auf das Jugendheim, das die Ortsbevölkerung in Eigenleistung erbaut hat, ebenso wie einen überdachten Treffpunkt, den „Laubengang“. 54 private und fünf öffentliche Maßnahmen wurden in den letzten Jahren durchgeführt. Dazu zählt auch die Sanierung des Spielplatzes in der Ortsmitte.

Ein privates Kleinod

Eine vorbildliche private Maßnahme ist die Sanierung des Anwesens „Christiansen“ unterhalb der Kirche. Das einst landwirtschaftliche Anwesen wurde im Jahr 1669 erbaut und in den Jahren 2013 und 2014 saniert. Heute finden Gäste in drei Ferienwohnungen dort Platz. Im ehemaligen Kuhstall können heute 19 Personen schlafen. Außerdem gibt es eine Küche, einen Aufenthaltsraum und einen Grillplatz. Derzeit wohnt dort eine Familie aus den USA.

Die gotische Kirche mit Kirchenburganlage stammt aus dem 14. bis 15. Jahrhundert und hat heute eine klassizistische Ausstattung. Die Pfarrscheune aus dem 18. Jahrhundert gehört zusammen mit Pfarrhof und Pfarrhaus zu einer der noch wenigen Pfarrhofanlagen in den Haßbergen. Die gesamte Anlage wurde für eine knappe Million D-Mark im Jahr 1993 saniert. Die Pfarrscheune dient heute als Ort für Trauungen, Vereinsfeiern oder Auftritte der Volkstanzgruppe, die im Jahr 2012 bayerischer Meister wurde.

Nach dem Rundgang informierte Architekt Jürgen Häpp über Besonderheiten des Dorfes. So ist Nassach jetzt schon energieautark und produziert mehr Strom als es selbst verbraucht. Typisch ist die Kulturlandschaft mit Streuobstwiesen und einer Pappelallee, die der Landschaft einen Hauch von Toskana verleiht. Auch die ökologische Vielfalt mit Bibern und einer mit rund 1000 Tieren größten Fledermauskolonien im Landkreis prägt den Ort.

Gute Ortsanalyse

Schon die erste Bewertung durch die Jury fiel positiv aus. Selten habe man so eine gute Ortsanalyse erlebt. Die hohe Anzahl von Urlaubsgästen belege, dass der Ort schön sein muss. Nassach könne zum „Modelldorf“ werden, wenn die vorhandenen landwirtschaftlichen Gebäude umgenutzt würden. Besonders bemerkenswert sei die Bedeutung der Nassach, die Fledermauskolonie und die gute Zusammenarbeit zwischen Landwirten und der Naturschutzbehörde. Am Freitagnachmittag dann gab es die Jubelnachricht: Nassach hat sich die Goldmedaille beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ gesichert und zieht damit in den Landesentscheid ein.