Firmen im Raum Coburg Folgen der US-Handelspolitik sind deutlich spürbar

Eine Blitzumfrage der hiesigen Industrie- und Handelskammer zeigt, dass die Handelspolitik der Vereinigten Staaten auch hier vor Ort deutliche Spuren hinterlässt. Inwiefern Coburger Unternehmen betroffen sind.

Trump mit seiner berühmt-berüchtigten Zolltafel: Mehr als 73 Prozent der Unternehmen im Kammerbezirk der IHK zu Coburg berichten von negativen Auswirkungen auf ihr Geschäft. Foto: picture alliance/dpa/AP

Viele Unternehmen in der Region Coburg sind wirtschaftlich eng mit den Vereinigten Staaten verbunden – doch der transatlantische Handel ist zunehmend von Unsicherheit und Belastungen geprägt. Die Auswirkungen der aktuellen US-Handelspolitik sind deutlich spürbar. Das betonte die IHK zu Coburg in einer Pressemitteilung vom Dienstag.

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Mehr als 73 Prozent der Unternehmen im Kammerbezirk der IHK zu Coburg berichten demnach von negativen Auswirkungen auf ihr Geschäft. Besonders belastend seien erhöhte Zölle, steigende Kosten für Rohstoffe, komplizierte Zollverfahren sowie eine zunehmende Unsicherheit über die künftige Ausrichtung der US-Handelspolitik. Das zeige eine aktuelle Blitzumfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), an der sich auch zahlreiche Betriebe aus dem Bezirk der IHK zu Coburg beteiligt haben sollen.

Zölle treffen ganze Wertschöpfungsketten

Am häufigsten genannt sei der sogenannte „Basiszollsatz“ von aktuell zehn Prozent worden, der perspektivisch auf Grund des vereinbarten Handelsabkommens zwischen den USA und der EU auf 15 Prozent steigen soll. Zwei Drittel der Unternehmen würden darin eine direkte Belastung ihrer Exportgeschäfte sehen. Noch gravierender wirken sich laut Pressemitteilung sektorale Zölle auf Stahl, Aluminium und deren Derivate aus. Diese würden nicht nur die Werkstoffe selbst treffen, sondern auch komplexe Industriegüter, etwa Maschinen oder Ventile, die Teile aus diesen Materialien enthalten.

„Was unsere Unternehmen am meisten belastet, ist nicht allein die Höhe der Zölle –sondern die fehlende Planbarkeit“, betont IHK- Hauptgeschäftsführer Siegmar Schnabel. „Von heute auf morgen ändern sich Vorgaben, Rohstoffe werden teurer, Lieferketten reißen ab. Für international tätige mittelständische Betriebe ist das ein echtes Risiko.“

Keine spürbare Entlastung durch jüngstes Handelsabkommen

Deutliche Kritik äußern demnach Unternehmen auch am jüngsten Handelsabkommen zwischen EU und USA. Eine spürbare Entlastung sehe kaum ein Betrieb – im Gegenteil: Viele rechnen demnach weiterhin mit steigenden Belastungen und sind gezwungen, auf andere Märkte auszuweichen oder geplante Investitionen in den USA zu verschieben.

Laut Pressemitteilung nennen viele Betriebe neben Zöllen steigende Bürokratiekosten im Zollverfahren, unklare Regeln bei der Ursprungskennzeichnung – insbesondere bei Aluminium – sowie administrative Probleme im Umgang mit US-Behörden. Fehlende Vorgaben des US-Handelsministeriums (CPD) würden die Einhaltung der Vorschriften oft unmöglich machen. Auch dies schlage sich auf die Planungssicherheit nieder.

Handel und Investitionen unter Druck

Die Folgen seien konkret: Rund 43 Prozent der Unternehmen berichten demnach von sinkendem Handelsvolumen mit den USA. Einige hätten Investitionen vorerst verschoben oder reduziert, andere prüfen Alternativen in stabilere Märkte. Als zunehmend wichtiger erweiste sich dabei der EU-Binnenmarkt, aber auch Länder wie Kanada, Süd- und Mittelamerika, Mexiko, die Schweiz oder Südosteuropa gewinnen an Bedeutung.

Siegmar Schnabel, Hauptgeschäftsführer der IHK zu Coburg, mahnt:„Die Ergebnisse der Blitzumfrage sind ein Weckruf. Unsere Unternehmen brauchen verlässliche und transparente Rahmenbedingungen, um international wettbewerbsfähig bleiben zu können – nicht neue Hürden.“ Die 15-Prozent-Zölle auf weite Teile europäischer Produkte seien kein verlässlicher Kompromiss, sondern ein „massiver Wettbewerbsnachteil“ für die Industrie. „Vor allem mittelständische Zulieferer ohne eigene US-Standorte geraten unter Druck. Die Europäische Union darf diese Entwicklung nicht einfach hinnehmen.“

Sie müsse konsequent gegensteuern – durch gezielte Entlastungen bei Energie- und Transformationskosten, durch den Abbau bürokratischer Hürden und durch die aktive Erschließung neuer Märkte. Schnabel betont: „Insbesondere muss das Mercosur-Abkommen muss endlich ratifiziert werden. Der zunehmende Protektionismus erschwert das Geschäft, behindert Investitionen und schwächt die wirtschaftliche Dynamik.“