Um artenreiches Grünland ging es jüngst bei einer Schulung, die das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Coburg-Kulmbach bei Untersiemau für Landwirte anbot.
Wie wertvoll bestimmte Typen von Grünland sind, wurde nun bei einer Schulung für Landwirte deutlich. Einige Pflanzen spielen dabei eine besondere Rolle.
Um artenreiches Grünland ging es jüngst bei einer Schulung, die das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Coburg-Kulmbach bei Untersiemau für Landwirte anbot.
Nach der Werbung weiterlesen
Biodiversität ist ein Stützpfeiler für die Stabilität und Funktionsfähigkeit der Öko- und Agrarsysteme. Auch die Landwirte spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, die kulturlandschaftlich geprägten Lebensräume zu pflegen und so die Biodiversität zu fördern. Ein Bestandteil davon ist die extensive Bewirtschaftung artenreicher Dauergrünlandflächen.
Die Landwirtschaftsverwaltung bietet ein ganzes Maßnahmenpaket an, um besonders nachhaltige und standortangepasste Verfahren zu fördern. Voraussetzung: Auf der jeweiligen Wiese müssen bestimmte Pflanzen vorkommen. Auf einem Feldstück bei Untersiemau erläuterten Michael Funk und Max Martin vom AELF zusammen mit Evelyn Pilz von der Unteren Naturschutzbehörde Coburg, wie die Landwirte bei der Kennartenbestimmung vorgehen sollen. Im Dienstgebiet des AELF Coburg-Kulmbach befinden sich rund 3000 Betriebe von denen etwa ein Drittel die Maßnahme „Artenreiches Dauergrünland“ beantragt haben.
Grünland sei fast so artenreich wie der tropische Regenwald, betonten die Referenten. Mit etwa 33 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche in Bayern stelle es eine der wichtigsten Nutzungsformen dar. Es diene in erster Linie der Produktion von Futter und damit der Erzeugung von Milch und Fleisch. Daneben trage Grünland zum Schutz von Klima, Boden und Grundwasser bei und sei ein wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen. Mehr als 400 Pflanzenarten seien auf Grünlandstandorte spezialisiert. Mit einem Maximum von 89 Pflanzenarten auf einem Quadratmeter gehöre extensives Grünland neben dem tropischen Regenwald zu den artenreichsten Biotoptypen.
Auch auf dem Feldstück bei Untersiemau sind die unterschiedlichsten Pflanzenarten zu sehen. Rund 100 Landwirtinnen und Landwirte aus den Landkreisen Coburg und Lichtenfels nahmen an der Schulung teil. Um die Förderung für artenreiches Grünland in Anspruch nehmen zu können, müssten sie mindestens vier spezielle Kennarten auf der jeweiligen Fläche nachweisen, erklärt Pflanzenbauberater Michael Funk: „Als Kennarten wurden typische Grünlandarten ausgewählt, die vor allem in artenreichen Beständen vorkommen, wie zum Beispiel Margerite oder Flockenblume.“ Aufgelistet werden diese Arten in einer Broschüre der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL).
Am einfachsten lassen sich die Pflanzenarten zur Blütezeit identifizieren. Dieser Prozess kann seit diesem Jahr mithilfe der Foto-App für landwirtschaftliche Förderung in Bayern (FAL-BY) digital erledigt werden. Max Martin: „Mit FAL-BY können die Kennarten bestimmt und die Förderung beantragt werden.“ Die App ist für iOS-Geräte im Apple App Store und für Android-Geräte im Google Play Store kostenlos erhältlich.
Die Förderung selbst ist ergebnisorientiert – das heißt, es werden keine Maßnahmen wie Düngeverzicht oder Schnittzeitpunkt vorgegeben. Honoriert wird das Ergebnis „artenreiches Grünland“. Vorteil ist, dass der Landwirt das Areal selbstständig ohne einschränkende Maßnahmen oder starre Termine bewirtschaften kann. Es liegt allerdings auch in seiner Verantwortung, dass das Ergebnis in Form des Artenreichtums erreicht und erhalten wird.