Ungewöhnlich offensiver Schritt von Powell
Dass Powell nun öffentlich Position bezieht, ist höchst ungewöhnlich. Normalerweise ist der Fed-Chef in der Öffentlichkeit für seine ruhige und sachliche Haltung bekannt. Auf Pressekonferenzen vermied er in den vergangenen Monaten stets die Konfrontation mit der Trump-Regierung - obwohl der US-Präsident ihn regelmäßig unter diversen Vorwänden beschimpfte und seine Entlassung forderte.
So störte sich Trump etwa an gestiegenen Ausgaben für die Renovierung von Gebäuden der Notenbank. Früheren Angaben zufolge beliefen sich diese auf rund 2,5 Milliarden US-Dollar (aktuell knapp 2,15 Milliarden Euro). Medienberichten zufolge waren ursprünglich 1,9 Milliarden US-Dollar veranschlagt. In diesem Zusammenhang hatte Trump jüngst eine Klage gegen Powell wegen "Inkompetenz" in Aussicht gestellt.
Trump forderte monatelang niedrigeren Leitzins
Trump fordert zudem seit langem mit Nachdruck die Senkung des Leitzinses, um die Wirtschaft anzukurbeln. Die Federal Reserve hatte diesen zuletzt in mehreren Schritten gesenkt - das reicht Trump allerdings noch nicht.
In der Folge beschimpfte Trump Powell regelmäßig und sprach auch davon, ihn zu feuern. Ein konkreter Entlassungsversuch blieb aber aus. Unklar ist zudem, ob ein Präsident den vom Senat bestätigten Chef der Notenbank tatsächlich feuern darf. Die Zentralbank ist laut Gesetz unabhängig.
Die Kernziele der US-Notenbank sind stabile Preise und Vollbeschäftigung am Arbeitsmarkt. Ist der Leitzins zu hoch, bremst er die Wirtschaft aus, etwa wegen zu hoher Kreditkosten. Ein niedrigerer Zins stimuliert Wachstum und Arbeitsmarkt, kann aber die Inflation anheizen.
Im November lag die Inflation bei 2,7 Prozent, also weiterhin oberhalb des von der Notenbank angepeilten Ziels von mittelfristig um die 2 Prozent. Der Leitzins wurde angesichts eines schwächeren Arbeitsmarkts zuletzt im Dezember auf die Spanne von 3,5 bis 3,75 Prozent gesenkt.
Powell nicht das einzige Fed-Mitglied in Trumps Visier
In seiner Kampagne gegen die Fed hatte Trump bereits Fed-Gouverneurin Lisa Cook abgesehen. Er will das Mitglied des Zentralbankrats wegen angeblichen Hypothekenbetrugs loswerden. Cook bestreitet ein Fehlverhalten. Der Fall liegt mittlerweile vor dem Obersten Gericht der USA. Dort kassierte Trump zuletzt einen Dämpfer bei seinem Entlassungsversuch - das letzte Wort ist in der Sache allerdings noch nicht gesprochen.