Warum war „Star Wars: A New Hope“ so ein großer kommerzieller Erfolg?
An dieser Frage kann man lange herumrätseln. In der Filmbranche wird unheimlich viel Marketing betrieben, aber oft funktioniert es nicht. Manchmal sind schlechte Filme erfolgreich und gute floppen. Wenn man nur wüsste, was einen Erfolg ausmacht. Ich glaube, niemand würde sich eine Kinokarte kaufen, nur weil ein Film erfolgreich ist. Man tut es, weil man einen bestimmten Streifen liebt. Wenn man einen Film in einem Konzertsaal zeigt und den Soundrack dazu live spielt, ist das eine Möglichkeit, ein Werk aus Sicht der Musik neu zu interpretieren. Das Ganze hat etwas von einem Konzert und einem Kinoevent. Ich habe das u.a. auch mit Bernsteins „West Side Story“ gemacht. Das erste, was das Publikum sah, war das MGM-Logo mit dem Löwen. Die Leute mussten jedes Mal lachen, aber wir haben nicht verstanden, warum. Es war irgendwie ein festlicher, nostalgischer Moment. Und niemand wird bestreiten, dass es schöner ist, Live-Musik zu hören als eine Konserve. Besonders, wenn sie aus dem Jahr 1961 stammt. Und „Star Wars“ wurde 1977 aufgenommen, aber live gespielt in einem, schönen Raum, klingt diese Musik noch einmal ganz anders.
Ihr Vater hat neun Oscars gewonnen für Filme mit Marilyn Monroe, Ingrid Bergman, Henry Fonda, John Wayne, James Stewart, Burt Lancaster, Steve McQueen. Kannten Sie all diese Stars persönlich?
Nein, Vater hielt uns Kinder von seiner Arbeit fern. Ich wurde 1954 geboren und das Studiosystem begann erst 1959. Mein Vater arbeitete viel bei uns zuhause in Los Angeles. Er stand immer zwischen 10 und 11 Uhr auf und schrieb bis Mitternacht. Es war hauptsächlich unsere Mutter, die sich um unsere musikalische Ausbildung kümmerte.
Und wie arbeiten Sie selbst?
Ich habe mein eigenes Studio und meine eigene Sound-Data-Base. Die Musik nehme ich mit Orchestern in den USA, England oder Deutschland auf. An der Deutschen Oper in Berlin gibt es wundervolle Musiker. Bei den ersten 50 Filmen, für die ich Musik geschrieben habe, habe ich selbst dirigiert. Ich habe schon sehr früh angefangen, mit Notationssoftware zu arbeiten. Mit solchen Programmen können sogar Laien Musik schreiben.
Wie viel Freiheit haben Sie, sich selbst auszudrücken, wenn Sie Musik für einen großen Hollywoodfilm schreiben?
Der Begriff „sich selbst ausdrücken“ klingt in diesem Zusammenhang etwas seltsam, weil man als Filmkomponist einer Sache dient. Auf der anderen Seite ist alles, was ein Komponist tut, sich selbst auszudrücken. Aber nicht auf eine Weise, die für einen Film kontraproduktiv wäre. Das kann eine harte Lektion sein, denn zuweilen muss man sich von tollen Ideen verabschieden oder sie auf fünf Sekunden herunterkürzen. Manchmal ist es gut, wenn einem Grenzen gesetzt werden. Regisseure, die über ein unbegrenztes Budget verfügen, werden oft verrückt, weil sie so nie zu einer Entscheidung kommen.
Wie viel Zeit haben Sie in der Regel für einen Soundtrack?
Zwischen ein paar Wochen und mehreren Monaten.
Haben Hollywoodstars unter Umständen ein Mitspracherecht bei der Musik?
Nur, wenn sie auch Produzent sind. In der Regel mischen sich nur der Regisseur und der Produzent in meine Arbeit ein. Es gibt auch Fälle, bei denen der Regisseur gar nicht das Sagen hat. Das muss man aber erst einmal herausfinden. Bei einem Film bekam ich sogar Anweisungen von vier Leuten. Es ist kein Geheimnis, dass es derzeit im „Star-Wars“-Imperium Probleme gibt. Man hat drei Regisseure verschlissen. Die Geldgeber haben sehr genaue Vorstellungen von dem, was sie wollen und sind in der Regel nicht besonders offen für Innovationen.
Wie geht es weiter mit Ihnen und „Star Wars“?
Direkt nach „A New Hope/Eine neue Hoffnung“ haben wir kurz nacheinander auch „Das Imperium schlägt zurück“, „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ und „Das Erwachen der Macht“ live aufgeführt. Das war ganz schön verrückt.
Es heißt, Hollywood sei ein Haifischbecken, in dem es von Zynikern und Menschenverächtern à la Harvey Weinstein nur so wimmelt. Welches sind Ihre Erfahrungen mit der Traumfabrik?
Ich denke, jede Industrie ist rücksichtslos, nicht nur die Filmbranche. Auch an der „Wall Street“ geht es gnadenlos zu. Aber Hollywood hat einen ganz eigentümlichen Charakter. Man scheut dort die Konfrontation. Kennen Sie die Geschichte von Alex North und dem Film „2001 – Odyssee im Weltraum?“? North hatte bereits Stanley Kubricks Monumentalfilm „Spartacus“ vertont, für mich einer der besten Scores des 20. Jahrhunderts. Deshalb bekam er auch den Zuschlag für „2001“. Er schrieb also die Musik und ging nichtsahnend auf die Premiere. Dort musste Alex North feststellen, dass Stanley Kubrick seine Musik gar nicht verwendet hatte. Wenn es heißt, Hollywood sei grausam, dann sind damit solche Dinge gemeint. Schauspieler werden oft überhaupt nicht informiert, wenn sie aus einem Film herausgeschnitten wurden.
Ihr Cousin Randy Newman sollte darüber mal einen Song schreiben!
Ich liebe Randy! Er ist einzigartig, für mich ist er der singende Mark Twain des 20. Jahrhunderts. Aber er dirigiert auch sehr gerne, was gar nicht so bekannt ist. Randys Songs sind sehr nuanciert und subtil. Ich mag ganz besonders „Real emotional Girl“, weil es die Zeit, in der ich in Pacific Palisades aufgewachsen bin, perfekt beschreibt.
Star Wars in Concert
„Star Wars in Concert: Eine neue Hoffnung“ ist am 12. und 13. April um jeweils 19.30 Uhr in der Meistersingerhalle in Nürnberg zu erleben. Karten gibt es bei uns.