Verein „Hilfe für Nachbarn“ „Das Leben ist teuer geworden“

Für viele gehören ein Bett oder eine Waschmaschine selbstverständlich zur Einrichtung dazu. Eine Coburgerin musste darauf aus finanziellen Gründen verzichten. Unterstützung fand die Frau schließlich beim Verein „Hilfe für Nachbarn“.

Insgesamt 750 Euro bewilligte ihr der Verein. Foto: alexandre zveiger - stock.adobe.com/Photographer: Pozzoli Luigi

Die Waschmaschine ist kaputt, der Kühlschrank nur geliehen und die Schlafzimmereinrichtung besteht lediglich aus einer Matratze, die einsam und allein am Boden liegt. Helga Schäfer (Name von der Redaktion geändert) würde sich gerne ihre Wohnung gemütlich einräumen. „So, dass man sich eben wohlfühlt“, sagt die Mittfünfzigerin am Telefon. Aber aus eigener Tasche kann sie das nicht stemmen. „Das Leben ist teuer geworden.“

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Ihre Ehe scheiterte. Aus „verschiedenen Gründen“ – näher möchte Schäfer darauf nicht eingehen – verbrachte sie darauf einige Zeit im Frauenhaus. „Ich konnte von meinem Zuhause nichts mitnehmen.“ Sie musste komplett bei Null anfangen. Ihren Neustart wagte sie in Coburg. „Meine Schwester lebt hier. Natürlich hätte ich auch woanders hin gekonnt, aber ich liebe Coburg. Es ist klein und fein. Und hier möchte ich nicht mehr weg“, sagt sie. Beim Jobcenter beantragte sie die Erstausstattung. Das sei aber mittlerweile schon mehr als 15 Jahre her.

Etliche Möbel musste sie entsorgen

Innerhalb Coburgs ist sie seitdem schon etliche Male umgezogen. „Als ich damals in meine alte Wohnung eingezogen bin, meinte ein Freund, der mir beim Aufbauen geholfen hat, dass die Schränke keinen weiteren Einzug überleben werden“ , erinnert sie sich. Als sie nun versuchten, die Möbel abzubauen und für den anstehenden Umzug bereit zu machen, bewahrheitete sich diese Vorahnung: „Kaum hatten wir ein Teil herausgenommen, ist der ganze Schrank zusammengefallen. Es ging nicht mehr. Ich musste etliche Möbel entsorgen.“

Ein Umzug ist teuer, neue Möbel ebenso. Die finanzielle Situation von Helga Schäfer ist jedoch angespannt. Derzeit lebt sie von Bürgergeld. Aufgrund verschiedener gesundheitlicher Probleme ist es ihr nicht mehr möglich, in ihrem eigentlichen Beruf zu arbeiten. „Früher war ich im Einzelhandel tätig, aber das funktioniert leider nicht mehr.“ Helga Schäfer machte eine Schulung zur Betreuungskraft. „So wollte ich wieder in den ersten Arbeitsmarkt hineinrutschen.“ Bisher jedoch erfolglos. Nebenbei engagiert sie sich ehrenamtlich. „Das ist mir wichtig“, betont sie. An ihrer finanziellen Situation ändere das aber natürlich nichts. 

Eine gute Freundin habe ihr schließlich vom VereinHilfe für Nachbarn“ erzählt. „Sie meinte, dort könnten sie mir helfen“, so Schäfer. Über die Diakonie Coburg stellte sie Anfang September einen Antrag bei dem Verein.

Insgesamt 750 Euro bewilligte der Verein

Zum Hintergrund: Vor rund dreizehn Jahren gründeten die Sparkasse Coburg-Lichtenfels und die Neue Presse Coburg den Verein, um Menschen aus Stadt und Landkreis, die unverschuldet in Not geraten sind, zu unterstützen. Gemeinsam mit den Jugendämtern der Stadt und des Landkreises sowie dem Arbeiter-Samariter-Bund, der Arbeiterwohlfahrt, dem Bayrischen Roten Kreuz, dem Caritasverband und der Diakonie, konnte in den vergangenen Jahren vielen Coburgern geholfen werden.

Helga Schäfer hatte Glück. Ihr Antrag wurde genehmigt. Insgesamt 750 Euro bewilligte ihr der Verein. Davon möchte sie sich eine neue Waschmaschine, einen Kühlschrank sowie einen Schrank und ein Bett kaufen. „Binnen einer Woche hatte ich das Geld auf meinem Konto“, sagt die Mittfünfzigerin freudig. Schnell und unkompliziert sei das Verfahren gewesen. „Falls jemand in meinem Umfeld in diese Situation geraten sollte, werde ich ihm den Verein auf jeden Fall weiterempfehlen“, betont sie.

Ausgegeben habe sie von dem Geld bisher aber noch nichts. „Ich bin noch auf der Suche. Das Internet hat viel zu bieten.“ Lange warten möchte sie aber nicht mehr. Helga Schäfer resümiert: „Mir geht es soweit gut. Ich bin froh, dass ich sonst keine Probleme habe. Wenn jetzt noch meine Wohnung fertig ist, bin ich zufrieden.“

Zahlen, Daten, Fakten

Spendenvolumen:
 Im Jahr 2023 gingen beim Verein „Hilfe für Nachbarn“ Spenden in Höhe von rund 73 500 Euro ein. Erreicht haben ihn im vergangenen Jahr mehr als 200 Hilfsanfragen – so viele, wie noch nie.

Wie wird geholfen?
 Der Verein verfolgt keinen festgesetzten Zweck. Dort, wo Geld fehlt, werden sie tätig.

Wem wird geholfen?
Generell fängt der Verein all diejenigen auf, die durch das Netz der staatlichen Leistungen fallen. Oftmals sind es Alleinerziehende oder Rentner, die auf die Unterstützung des Vereins zurückgreifen. Über die Caritas oder die Diakonie kann aber jeder einen Antrag stellen.