Verein „Hilfe für Nachbarn“ „Das war aus eigener Kraft nicht zu stemmen“

Pflegebedürftige Eltern, Schwangerschaft und ein Wasserschaden: Wie eine Coburgerin dank des Vereins „Hilfe für Nachbarn“ schnell und unkompliziert Unterstützung erhielt.

Insgesamt bewilligte der Verein für die anfallenden Reparaturen 800 Euro- Foto: dpa/Andrea Warnecke (Symbolbild)

Das Wasser tropft durch die Decke, sickert in Wände und Böden, bis es schließlich beide Badezimmer unbenutzbar macht – das der Eltern und auch das von Franziska Nielsen (Name von der Redaktion geändert). Ein massiver Wasserschaden im Elternhaus, in dem sie lebt, um sich um ihre pflegebedürftigen Eltern zu kümmern. Eine Hausratversicherung, die zumindest einen Teil der Schäden abgedeckt hätte, gibt es nicht.

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„Das war aus eigener Kraft einfach nicht zu stemmen“, sagt Franziska Nielsen im Gespräch mit unserer Redaktion. Die notwendigen Reparaturen an den beiden beschädigten Bädern bedeuteten für sie eine erhebliche finanzielle Belastung. Hinzu kam, dass sie zum Zeitpunkt des Wasserschadens hochschwanger war und aufgrund der Pflege ihrer Eltern nicht mehr berufstätig sein konnte.

Erste Bedenken

Durch einen Hinweis von der Freundin ihres Bruders erfuhr sie schließlich von der Hilfsaktion „Hilfe für Nachbarn“. Doch der Schritt, sich an den Verein zu wenden, fiel ihr nicht leicht. „Anfangs war das eine große Überwindung. Ich hatte Angst, verurteilt zu werden“, erzählt die junge Frau.

Doch ihre anfänglichen Sorgen stellten sich später als unbegründet heraus: Die Initiative vermittelte ihr den Kontakt zur Diakonie Coburg, wo sich Stefan Kornherr, Leiter der Sozialberatung, der Sache annahm. „Ich war überrascht, wie warmherzig und freundlich mit mir umgegangen worden ist. Es gab keinen Moment, in dem ich mich schief angesehen fühlte“, berichtet Nielsen.

800 Euro Unterstützung durch den Verein

Gemeinsam mit ihrem Cousin, der handwerklich begabt ist, erstellte sie eine detaillierte Liste der Materialien und Arbeiten, die für eine eigenständige Reparatur der Bäder nötig wären. Auf dieser Basis konnte die Diakonie Coburg eine Unterstützung in Höhe von 800 Euro vermitteln – ein entscheidender Beitrag, um die Arbeiten anzugehen.

Für Franziska Nielsen ist es keine Selbstverständlichkeit, dass es einen Verein wie „Hilfe für Nachbarn“ gibt. „Gerade in der heutigen Zeit hat man oft das Gefühl, jeder schaue nur noch auf sich selbst. Umso dankbarer bin ich für die schnelle und unkomplizierte Unterstützung“, resümiert sie freudig.

Die Diakonie im Verein

Bei der Diakonie Coburg laufen viele der Hilfesuchenden aus dem Verein „Hilfe für Nachbarn“ als erstes auf. „Wir sind für viele Menschen die Erstanlaufstelle – sei es bei Wohnungslosigkeit, nach Gewalterfahrungen oder bei plötzlichen Notlagen durch Unfälle“, erklärt Stefan Kornherr. Die Mitarbeitenden der Diakonie stehen den Betroffenen beratend zur Seite, klären die Hintergründe der Notlage und unterstützen bei der Antragsstellung. Auch die Prüfung der Anträge auf finanzielle Hilfe erfolgt über die Diakonie.

Dass viele Betroffene zögern, sich Hilfe zu suchen, bedauert Kornherr. „Menschen, die in Armut leben, werden in der öffentlichen Wahrnehmung oft stigmatisiert. Politik und Boulevardmedien tragen dazu bei, dass sie als ‚selbst schuld’ dargestellt werden. Das macht es schwer, Hilfe anzunehmen“, sagt er. Dabei handle es sich in vielen Fällen um akute Notlagen, in denen die Betroffenen keinerlei Rücklagen haben. „Diese Situationen lassen sich mit den bestehenden staatlichen Unterstützungssystemen oft nicht auffangen. Umso wichtiger sind daher Initiativen wie ‚Hilfe für Nachbarn‘ und auch Institutionen wie der ASB, die Caritas oder eben die Diakonie“, betont Kornherr.

Wer hat ein Herz für seine Nachbarn?

Alle Spenden an Hilfe für Nachbarn werden zu 100 Prozent für diejenigen verwendet, die das Geld benötigen. Wer helfen will, spendet auf das folgende Konto: IBAN DE35 7835 0000 0040 3382 46. Mehr Infos unter www.hfn-coburg.de.