- Ukraine: Die Bemühungen um ein Ende des Ukraine-Kriegs sind bisher weitgehend von den USA gesteuert worden, die Europäer mussten von der Seitenlinie zuschauen. Da die USA das Interesse an einer Vermittlung zu verlieren scheinen, wittern Deutschland und Europa nun zwar eine neue Chance, wieder ins Spiel zu kommen. Die Erfolgsaussichten sind aber ungewiss.
- USA: Für seinen Antrittsbesuch im Weißen Haus bei US-Präsident Donald Trump war Merz noch gefeiert worden, weil er ihm auf Augenhöhe begegnete und eine Vertrauensbasis schaffte. Inzwischen ist das Verhältnis der beiden nach der wiederholten und ziemlichen scharfen Kritik des Kanzlers am Iran-Krieg gekippt. Trump hat mit der Ankündigung eines Truppenabzugs reagiert und ist gar nicht mehr gut auf Deutschland zu sprechen.
- Europa: Merz hatte sich vorgenommen, das angeschlagene Verhältnis zu Frankreich zu kitten und den vielbeschworenen deutsch-französischen Motor Europas wieder ans Laufen zu bringen. Sein Verhältnis zu Emmanuel Macron gilt aber als ähnlich schwierig, wie das seines Vorgängers Olaf Scholz (SPD) zum französischen Präsidenten. Gemeinsame EU-Initiativen sind eher selten und das prestigeträchtige Mega-Rüstungsprojekt FCAS droht zu scheitern.
Was die Pleite praktisch bedeutet
Immerhin dürften die praktischen Auswirkungen der UN-Pleite überschaubar bleiben. Der UN-Sicherheitsrat gilt zwar als mächtigstes UN-Gremium - aber inzwischen nur noch auf dem Papier.
Die fünf ständigen Mitglieder - die Atommächte USA, China, Russland, Großbritannien und Frankreich - blockieren sich mit ihrem Vetorecht gegenseitig. Es sind kaum noch weitreichende Entscheidungen möglich. Die zehn weiteren Mitglieder, die jeweils für zwei Jahre in das Gremium gewählt werden, haben daher nur eine sehr begrenzte Entscheidungsrelevanz.
Dennoch bleibt der Schaden für das außenpolitische Image Deutschlands, den der Außenminister ziemlich offen eingesteht: "Die Überzeugungskraft all derjenigen, die international engagiert sind in der Bundesregierung, wird nicht größer durch dieses Ergebnis."