Vermisster 68-Jähriger 100 Einsatzkräfte suchen Rentner

Michael Will, BRK

Bei der Suche helfen am Samstag auch 18 Rettungshunde: Sie durchkämmen rund 12 500 Quadratmeter. Ein Polizeihubschrauber dagegen muss aufgrund der Wetterlage seinen Anflug abbrechen. Gegen 13 Uhr dann die erlösende Nachricht: Der Vermisste konnte aufgefunden werden. Er war bei Verwandten im Landkreis Schweinfurt aufgetaucht.

Die Suche nach einem vermissten Rentner aus Prappach hat am Samstagnachmittag (3. Dezember) ein glückliches Ende genommen. Der Mann konnte bei Angehörigen im Landkreis Schweinfurt aufgegriffen werden. Zuvor hatte ein Großaufgebot an Einsatzkräften seit zirka 10.30 Uhr nach dem Mann gesucht.

Bei der Polizei wurde der Senior am Samstag gegen 9 Uhr als vermisst gemeldet. Er war am Vorabend gegen 23.20 Uhr von Angehörigen zuhause das letzte Mal gesehen worden. Da es Anhaltspunkte dafür gab, dass sich der Mann in einer psychischen Ausnahmesituation befinden könnte, leitete die Polizeiinspektion Haßfurt umgehend eine Vermisstensuche ein. Dabei wurde auch die Bevölkerung mit einer Öffentlichkeitsfahndung um Mithilfe gebeten.

Am Vormittag ersuchte die Polizei das Bayerische Rote Kreuz, weitere Hilfsorganisationen aus der Region sowie die Feuerwehr um Unterstützung bei der Suche. Kurz nach 10 Uhr wurden daraufhin von der Integrierten Leitstelle Schweinfurt die Rettungshundestaffeln der Region Main-Rhön, der BRK-Einsatzleiter Rettungsdienst sowie die Unterstützungsgruppe „Information und Kommunikation“ (UG IuK) alarmiert. Ebenfalls gab es für die Feuerwehren Haßfurt und Prappach sowie für die Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung (UG ÖEL) der Landkreisfeuerwehren Alarm.

Wenig später trafen die ersten Einsatzkräfte in Prappach ein. Rotes Kreuz, Feuerwehr und Polizei bildeten am Feuerwehrgerätehaus eine gemeinsame Einsatzleitung. Hier wurde von BRK, FFW und UG ÖEL auch die Wagenburg mit drei Einsatzleitwagen aufgebaut. Nach einer ersten Lagebesprechung wurden verschieden Suchgebiete rund um Prappach eingeteilt, die schließlich von den Rettungshundeteams mit ihren Vierbeinern systematisch abgesucht wurden, hauptsächlich am so genannten Wachthügel, östlich des Dorfes. In der Dorfmitte nahe der Kirche wurde ein Bereitstellungsraum für die Suchteams gebildet. Insgesamt kamen nach Worten von Wolfgang Amend, Abschnittsleiter für die Rettungshunde-Teams, 18 Rettungshunde zum Einsatz. Fünf davon waren Mantrailer, 13 Flächensuchhunde. Vor Ort waren die Rettungshundestaffeln des BRK-Kreisverbandes Haßberge, des BRK-Kreisverbandes Bad Kissingen, der Johanniter Unfallhilfe Schweinfurt, des Arbeiter-Samariter-Bundes Schweinfurt sowie der Feuerwehr Sömmersdorf mit insgesamt 26 Helferinnen und Helfern.

Spürnasen im Einsatz

Während die Flächensuchhunde in elf Abschnitten das unwegsame, hügelige Gelände und Waldabschnitte am Wachthügel auf einer Gesamtfläche von rund 12 500 Quadratmetern absuchten, nahmen die Mantrailer die Geruchsspuren direkt am Wohnhaus des Vermissten auf. Sie wurden mithilfe von Geruchsträgern (persönliche Gegenstände des Mannes) angesetzt. Die Mantrailer verfolgten schließlich Spuren, die der Vermisste womöglich am frühen Morgen oder Tage zuvor bei Spaziergängen rund um Prappach gesetzt hatte.

Parallel dazu fuhren die Feuerwehrkräfte aus Haßfurt und Prappach mit Einsatzfahrzeugen Feldwege in der Umgebung ab, um Ausschau nach dem Senior zu halten. Zum Einsatz kam ebenfalls eine Drohne der FFW-Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung, berichtete Patrick Eichelmann von der UG ÖEL. Ein Drohnenpilot ließ dazu an einem Berg östlich der Ortschaft die Drohne aufsteigen und überflog Wiesen und Waldstücke.

Wärmebildkamera

Die UG ÖEL hat den Hexacopter – eine Drohne mit sechs Rotor-Armen – nach Eichelmanns Worten seit rund einem halben Jahr als Einsatzmittel in ihrem Bestand. Sie verfügt neben einem normalen Bild- und Video-Übertragungsmodus auch über eine Wärmebildkamera. So können im Gelände beispielsweise Personen aufgespürt werden, die sich aufgrund ihrer Wärmesignatur farblich deutlich von der Umgebung absetzen. Die Einsatzleitung der Feuerwehr lag in Händen von Julian Weidinger, stellvertretender Kommandant der FFW Haßfurt.

Während Feuerwehr und Hilfsorganisationen mit der Absuche des Geländes rund um Prappach beschäftigt waren, führte die Polizei weitere Fahndungsmaßnahmen durch. Insgesamt waren in Prappach fünf Polizeibeamte der Polizeiinspektion Haßfurt sowie ein Diensthundeführer aus der Region vor Ort. Ein Polizeihubschrauber, der sich an der Suche aus der Luft beteiligen sollte, musste aufgrund der Wetterlage seinen Anflug abbrechen.

Herausforderung für Retter

Für die Suchmannschaften bildete nicht nur das steile Gelände eine körperliche Herausforderung, sondern auch Temperaturen um den Gefrierpunkt. Deshalb ließ René Rebhan, BRK-Einsatzleiter Rettungsdienst, bereits kurz nach Beginn der Suche die Schnelleinsatzgruppe (SEG) Betreuung (Bereitschaften Haßfurt und Untermerzbach) sowie die SEG Verpflegung (Bereitschaft Hofheim-Königsberg) nachalarmieren. Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer bauten im Feuerwehrgerätehaus eine Verpflegungsstelle auf. Hier wurden Warmgetränke gereicht, ebenso konnten sich die Einsatzkräfte mit einer Suppe, Wienern und Brötchen stärken.

Gegen 13 Uhr dann die erlösende Nachricht: Der Vermisste konnte aufgefunden werden. Er war bei Verwandten im Landkreis Schweinfurt aufgetaucht. Der Mann wurde anschließend in ein Bezirkskrankenhaus eingeliefert, teilte die Polizei mit. Dort befindet er sich nun aktuell in Behandlung.

Insgesamt waren an der Suche rund 100 Einsatzkräfte beteiligt: 47 von der Feuerwehr, 46 von Rettungsdienst, Schnelleinsatzgruppen und Rettungshundestaffeln sowie sechs Polizeibeamte.

Große Erleichterung am Ende

Bei der Abschlussbesprechung am Feuerwehrgeräthaus waren alle Verantwortlichen erleichtert über den positiven Ausgang des Einsatzes. Polizei-Einsatzleiter Daniel Ruß von der Polizeiinspektion Haßfurt zeigte sich beeindruckt von dem hohen Personaleinsatz der Feuerwehren, des BRK und der anderen Hilfsorganisationen, die allesamt ehrenamtlich im Einsatz gewesen sind. Er dankte den Helferinnen und Helfern für ihre Unterstützung und die gute organisationsübergreifende Zusammenarbeit.

Am Einsatz beteiligt war auch ein Notfallseelsorger aus Haßfurt. Er kümmerte sich um die Familie des Betroffenen und stand auch für die Einsatzkräfte zur Verfügung.

 

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